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Auch in Sachen Choreos stießen die Eintracht-Fans in diesem Jahr in neue Sphären vor.

Entwicklung

Eintracht Frankfurt strebt nach oben

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Die Frankfurter Eintracht bewegt sich auf ungewohntem Terrain.

Rund um Eintracht Frankfurt herrsche „ein Boom und eine Wucht, wie es der Verein noch nie erlebt hat“. Diesen Satz hat Axel Hellmann gesprochen, es ist ein für ihn typischer. Der Marketingvorstand des hessischen Bundesligisten ist einer, der gerne mal wortgewaltig auftritt, dessen Sätze mitunter auch ein bisschen dick aufgetragen klingen. Einerseits. Andererseits ist er ein Mann, der sich das leisten kann, weil er nicht nur in guten, sondern auch in schlechten Phasen klare Worte ausspricht.

Nun ist es ja so, dass es bei der Eintracht diese schlechten Phasen in naher Vergangenheit kaum gab, eigentlich ging es seit dem Überstehen der Relegation im Mai 2016 nur bergauf. Insofern ist es kaum überraschend, dass Hellmanns Worte nicht vor kurzem gefallen sind, sondern schon ein paar Tage zurückliegen. Ziemlich genau elf Monate. Ende Januar hatte der 47-jährige das zurückliegende Jahr 2017 bilanziert. Ein Jahr, in dem die Eintracht gerade eine mäßige Rückrunde und eine gute Hinrunde hinter sich gebracht hatte, dazu das verlorene Pokalfinale gegen Dortmund. In dem sie es unter Trainer Niko Kovac erstmals raus aus dem jahrelangen mausgrauen Einerlei des zementierten Mittelmaßes geschafft hatte, rein in die bunte Glitzerwelt in luftiger Höhe.

Bleibt man in diesem sicher sehr überspitzt formulierten sprachlichen Bild, kratzen die Hessen elf Monate später - also nach einer schwachen Rückrunde, einem triumphalen Pokalsieg und einer starken Hinserie unter Trainer Adi Hütter - fast an den Sternen. Bei Hellmann klang das im Mitte Dezember so: „2018 war das beste Jahr unserer Geschichte. Wir haben nicht nur den Pokal gewonnen, sondern auch wirtschaftliche Bestmarken aufgestellt.“

Wer den Entscheidungsträgern bei der Eintracht zuhört, der kommt wohl zu dem Ergebnis, dass sich da zurzeit ein ganzer Verein gehörig macht. Erst gestern lobte Sportvorstand Fredi Bobic auf der eigenen Homepage die Entwicklung als „phänomenal“. Er spreche dabei von der des gesamten Vereins. „Natürlich ist der Sport der Motor, weshalb ich mein Team aus Sportlicher Leitung, Trainern, Betreuern, Analysten und Scouts hervorhebe. Wie aber praktisch jeder Mitarbeiter bis zur letzten Faser infiziert ist und malocht, ist beeindruckend.“

„Phänomenale Entwicklung“

2017? Eine Wucht. 2018? Das beste Jahr der Vereinsgeschichte. Und 2019? „Ich bin ein Treiber und will immer weiter“, kündigte Bobic an. Nun ist es ja tatsächlich so, dass Eintracht Frankfurt gut aufgestellt scheint. Es sind viele Projekte in der Pipeline, Projekte, die zig Millionen Euro schwer sind: der Neubau der Geschäftsstelle, der geplante Ausbau des Stadions, die Digitalisierungsoffensive, dafür wird sich der Verein ab Sommer sogar selbst vermarkten. Der Bundesligist expandiert nach China, Japan, die Arabische Welt, in die USA, absolviert dort ab dem 4. Januar wieder ein Trainingslager. Präsident Peter Fischer, bekannt für markige Worte, äußerte sich nun in der „FAZ“ selbstbewusst: „Vom Kummerkasten für Mitglieder über die Präsentation der Mannschaft bis hin zu sämtlichen kommerziellen Aspekten werden wir uns zeitnah neu erfinden und in dieser Hinsicht ein Meilenstein in der Bundesliga setzen.“

Das Hauptaugenmerk aber muss und wird weiter auf dem kickenden Personal liegen.  „Die Mannschaft hat eine große Wertsteigerung erfahren“, sagte Hellmann. Aktuell kostet der Kader die Hessen rund 55 Millionen Euro, weitaus weniger als die Konkurrenz - Wolfsburg etwa soll bei knapp 120 Millionen liegen. Um stabil einen Platz in vorderen Tabellenregionen ergattern zu können, das steht außer Frage, muss die Eintracht ihrer Ausgaben für die Ballkünstler nach oben schrauben - wohl ziemlich deutlich.

Das kann durch sportlichen Erfolg geschehen, etwa der neuerlichen Teilnahme an der Europa League, die bei 27 Punkten und Platz sechs machbar erscheint. Oder gar durch einen Ausrutscher nach oben in die Champions League - zugegeben, unwahrscheinlich. Und zu guter Letzt durch Transfererlöse. Das angreifende Trio, Ante Rebic, Luka Jovic, Sebastien Haller - Hellmann bezeichnete es jüngst als „unser Festgeldkonto“. Rebic war schon vor dieser Saison gefragt, das dürfte im Sommer ähnlich sein. Haller mausert sich mehr und mehr zum Topstürmer. Und Jovic steht laut Branchenkennern mit seiner Trefferquote (Zwölf Tore in 15 Bundesligaeinsätze, dazu fünf in sechs Europa-League-Partien) und gerade mal 21 Jahren ohnehin auf dem Merkzettel halb Europas.

Die Eintracht wird Angebote erhalten, auch lukrative. Es wird darauf ankommen, wie die Bosse reagieren. Mit ziemlicher Sicherheit werden sie vorbereitet sein, einem möglichen Rekordabgang  - 2015 kassierte die Eintracht neun Millionen für Kevin Trapp - auch einen Rekordzugang folgen zu lassen. 2017 haben die Hessen acht Millionen für Haller ausgegeben, beim nächsten Coup könnte die Zehn-Millionen-Marke geknackt werden.

Eintracht Frankfurt 2019, ein Klub in neuen Sphären. Welchen mit vielen Chancen, und, das bringt luftige Höhe eben so mit sich, gewissen Risiken des Absturzes.

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