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Eintracht-Fans in Portugal: Überwiegend friedlich.

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Urteil gegen Eintracht Frankfurt: Alles wie immer

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Die Fans von Eintracht Frankfurt werden wieder einmal kollektiv bestraft - weil der Uefa nichts besseres einfällt. Ein Kommentar.

„Die Menschen gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie's ausgeht“. Das Zitat von Sepp Herberger, sowieso nur bedingt wahr, gilt längst nur noch für das Spiel an sich. Bei dem, was im Umfeld einer Partie so alles geschieht, weiß man sehr wohl, was passieren wird. Dies bekommt Eintracht Frankfurt jetzt mal wieder zu spüren.

Die Anhänger der Hessen, traditionell ein reisefreudiges Völkchen, müssen jetzt nach einem Urteil der Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer der Europäischen Fußball-Union Uefa darauf verzichten, ihre Mannschaft bei den Auswärtsspielen in Lüttich und London zu begleiten. Und dies, weil sich einige Fans des hessischen Bundesligisten bei der Partie der Eintracht in Guimarães mit dem Werfen von Sitzen gegen portugiesische Fans zur Wehr gesetzt haben. Glaubt man denen, die vor Ort waren, eine Reaktion auf Provokationen und Angriffe. Die Gastgeber wurden übrigens auch mit einer Strafe belegt: Guimarães muss 50.000 Euro Strafe an die Uefa abdrücken. Wegen des Werfens von Gegenständen und dem Abbrennen von Pyrotechnik. Nicht dafür, dass man grundlegende Sicherheitsvorkehrungen offensichtlich außer Acht gelassen hat.

Das Urteil gegen Eintracht Frankfurt war so zu erwarten

Ein Urteil gegen die Eintracht so absehbar, wie es nicht mal der Ausgang eines Spiels der Mannschaft von Adi Hütter gegen Bayern München sein kann. Im Grunde ist es ermüdend. Immer wieder die selben Mechanismen, immer wieder die selben Drohungen, immer wieder die selben Konsequenzen.

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Und immer wieder dieselben Feststellungen: Nichts rechtfertigt das Werfen von Gegenständen auf andere Menschen, unabhängig davon, ob man selbst angegriffen wird oder nicht. Zumal man sich durch eine solche Tat ja nicht selbst schützen, sondern höchstens das Gegenüber verletzen kann.

Eigentlich sind solche Vorkommnisse ein Fall für öffentliche Organe. Täter müssten ermittelt werden, es müsste die Schuld eines jeden Beteiligten bewiesen sein, und ein Gericht müsste nach Abwägen der Umstände zu einem Urteil kommen. Transparent und öffentlich, wie es in einem Rechtsstaat üblich ist. Bei der Uefa ticken die Uhren anders.

Keine Eintracht-Fans in Lüttich und London

Die Hüter über Gesetz und Moral beim Fußball bestrafen mit ihrem Urteil kollektiv auch die, die nicht an den Vorfällen von Guimarães beteiligt waren, ja sogar jene, die sich nicht einmal vor Ort befanden. Keinem Fan der Eintracht wird es möglich sein, sein Team in den kommenden Partien in Lüttich und London zu unterstützen. Zumindest nicht auf legalem Weg, nicht im Stadion, nicht dann, wenn auf dem Platz das Spiel gespielt wird. Im Grunde ein Unding, unabhängig von dem, was sich eine verschwindend kleine Anzahl an Zuschauern in Portugal herausgenommen hat, und wie man das bewertet.

Die Uefa ficht das natürlich nicht an. Die Fans vor Ort zählen maximal als Kulisse für die Inszenierung des einstmals schönen Spiels im TV, denn dort ist das Geld zu holen, und alles, was nicht klinisch rein über den Äther kommt, stört da nur. Auch Geisterspiele werden im TV gezeigt und erzielen gute Einschaltquoten.

Durch diese Art der kollektiven Bestrafung wird man Menschen nicht ändern. Überall dort, wo eine große Anzahl von Leuten zusammen kommt, kann es Konflikte geben. Und es wird immer wieder passieren. Egal ob beim Fußball, bei Demonstrationen oder bei Belustigungen wie dem Oktoberfest. Dort wurden übrigens in diesem Jahr insgesamt 914 echte Straftaten erfasst. Man kann trotz dieser Zahl davon ausgehen, dass die Wiesn auch 2020 wieder stattfinden wird. Es werden alle die kommen dürfen, die sich friedlich verhalten haben, so wie die überwiegende Mehrheit der Besucher. Aber in München urteilt ja auch nicht die Uefa über Recht und Unrecht. Wir sind da ja nicht beim Fußball.

Lesen Sie auch unseren Pro-Kommentar zur Strafe gegen Eintracht Frankfurt.

Am Donnerstag, 24. Oktober 2019, muss Eintracht Frankfurt in der Europa-League-Gruppenphase aber zunächst einmal im heimischen Stadtwald gegen Standard Lüttich ran. So sehen Sie das Spiel live im TV und im Live-Stream.

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