Alter schützt vor Leistung nicht: Makoto Hasebe ist bestes Beispiel.
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Alter schützt vor Leistung nicht: Makoto Hasebe ist bestes Beispiel.

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt: Stille Rekorde

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Eintracht-Profi Makoto Hasebe hat seine Knie-OP gut überstanden und ist jetzt der älteste Spieler der Liga - und Filip Kostic einer der auffälligsten.

Dieser Tage schwappte aus dem fernen Japan frohe Kunde in den Frankfurter Stadtwald. Die Operation am Knie, die Makoto Hasebe über sich hatte ergehen lassen, war erfolgreich verlaufen, was jetzt nicht ganz überraschend war, denn sie galt als Routineeingriff, als „nix Gravierendes“, wie Trainer Adi Hütter noch vor seinem Urlaub im Salzburger Land verkündete. Ein paar kleine, freie Gelenkkörper hatte sich der strategische Kopf des Bundesligisten entfernen lassen müssen, um wieder beschwerdefrei trainieren und spielen zu können. Und das will der Libero ja noch ein weiteres Jahr bei der Eintracht tun, gebraucht wird er auf jeden Fall.

Weil dem Eingriff eine obligatorische 14-tägige Quarantänephase in Japan vorausgegangen war, hatte Makoto Hasebe unmittelbar nach dem vorletzten Spiel beim 1. FC Köln, wo er ohnehin nur auf der Bank saß, den Flieger in seine Heimat genommen, den 3:2-Sieg gegen Paderborn im letzten Spiel erlebte er in Japan. Die frühere Abreise machte Sinn, zu gewinnen für die Eintracht gab es ohnehin nicht mehr viel, zudem stehen jetzt die Vorzeichen sehr günstig, dass der 36-Jährige pünktlich am 27. Juli zum Trainingsauftakt in Frankfurt erscheint. In den ersten beiden Tagen stehen vornehmlich Laktattests und medizinische Untersuchungen auf dem Programm, der Ball wird erstmals am 29. Juli übungshalber rollen. Der mit Timothy Chandler inzwischen dienstälteste Profi, „ein Lieblingsspieler“ von Trainer Hütter, hat in der abgelaufenen Saison, die Eintracht-Vorstand Fredi Bobic als „wilden Ritt“ bezeichnete, auch schon wieder erstaunliche 38 Pflichtspiele absolviert.

Makoto Hasebe wird ältester Bundesliga-Profi

So viele dürften es in der neuen Saison sicherlich nicht mehr werden, auch wenn Hasebe trotz seines Alters körperlich topfit ist, auch weil er wie kaum ein Zweiter seinen Körper hegt und pflegt. Er stelle weiterhin absolute Klasse da, hob der Fußballlehrer den Daumen, es sei „ein Traum, ihm zuzuschauen“,

Wenn die Saison, vermutlich am 18. September, dann wieder losgeht, wird Makoto Hasebe der älteste aktive Bundesligaspieler sein, 36 Jahre und sechs Monate ist der Methusalem unter der Berufsfußballern alt, seit 2008 in Deutschland am Ball, erst beim VfL Wolfsburg, dann beim 1. FC Nürnberg, schließlich seit 2014 in Frankfurt. Im Januar wird er 37. Die drei Profis, die in der vergangenen Saison älter waren, nämlich Claudio Pizarro (Werder Bremen), Oliver Fink (Fortuna Düsseldorf) und Stephan Lichtsteiner (FC Augsburg) haben ihre Karrieren beendet oder sind, wie Lichtsteiner, derzeit vereinslos. Ein paar Monate jünger sind noch Daniel Baier (FC Augsburg) sowie die beiden Herthaner Vedad Ibisevic und Rune Jarstein. Dass Alter nicht vor Leistung schützt, zeigt das Beispiel von David Abraham, fast 34. Spielte der Kapitän, holte die Eintracht im Schnitt 1,85 Punkte, so viele wie mit keinem anderen Akteur auf dem Feld.

Eintracht Frankfurt: Die Flankenkönige der Liga

Die Ruhe, die Makoto Hasebe mit jeder Faser ausstrahlte, haben Frankfurter Fußballer ansonsten dann, wenn der Ball nicht rollt, sondern still liegt. Ruhende Bälle, das hat die Analyse der Saison 2019/2020 ergeben, zählten eindeutig zu hessischen Stärken: Besser als die 19 Treffer, die nach Standards für die Eintracht fielen, waren national nur RB Leipzig und Union Berlin, allein 13 Tore nach Ecken sind neuer Bundesligarekord. Erstaunlich und ebenso unübertroffen: Verteidiger Martin Hinteregger erzielte alle seine acht Tore direkt oder unmittelbar nach Eckstößen, ebenso in der Europa League, da traf er per Kopf gegen Standard Lüttich nach einem Eckball, getreten von Daichi Kamada.

Mit Flanken kennen sich die Frankfurter ohnehin bestens aus, mit Flanken versuchten sie, überproportional häufig zum Erfolg zu kommen: 532 Hereingaben waren ebenso Ligaspitze wie die 209 Flanken, die allein Filip Kostic in die Strafräume schaufelte, der Serbe lieferte zudem zwölf Torvorlagen. Insgesamt gab Kostic 86 Torschüsse ab (Platz fünf, Spitzenreiter Robert Lewandowski kam auf 140), er zog hinter dem Dortmunter Ashraf Hakimi die zweitmeisten Sprints (962) an und landete bei den gewonnenen Zweikämpfen (385) erneut auf Platz fünf. In der Rangliste der besten Kopfballspieler schaffte Bas Dost den Sprung unter die Top fünf, er gewann 125 seiner Duelle in der Luft.

Interessant auch diese Zahl: 57 der Frankfurter 59 Tore fielen innerhalb des Strafraumes, darunter lediglich zwei Elfmeter, Andre Silva und Goncalo Paciencia verwandelten - weniger Strafstöße hat kein anderes Team zugesprochen bekommen.

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