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Im Gespräch: Steven Zuber und Trainer Adi Hütter.

Vor Pokal-Duell mit 1860 München

Eintracht ist hungrig auf die Löwen

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt geht die Pokalaufgabe bei 1860 München sehr ernsthaft an. Nils Stendera wird indes für ein Jahr an Lok Leipzig verliehen.

Frankfurt - An sein letztes Mal an der Grünwalder Straße in München kann sich der Frankfurter Trainer Adi Hütter noch sehr gut erinnern. „Katastrophaler Rasenplatz“, dazu am Sonntagvormittag, „eine Frühschoppenpartie“, und auch noch 0:1 verloren, 2013 oder 2014 muss das gewesen sein, Hütter leitete damals den SV Grödig an, einen österreichischen Zweitligisten - und beim TSV 1860 München, Samstagnachmittag (15.30 Uhr) Gegner der Eintracht in der ersten Pokal-Hauptrunde, war Friedhelm Funkel, in Frankfurt wahrlich kein Unbekannter. „Für unseren kleinen Verein war das ein tolles Erlebnis“, erinnert sich der Fußballlehrer, vor allem war es ein Spiel mit Publikum.

Das wird an diesem Samstag fehlen, außer vielleicht den Kiebitzen aus den benachbarten Häusern. Das dürfte durchaus zum Vorteil des Favoriten gereichen: Ein enges, mit 15 000 Zuschauern volles Stadion, eine Hexenkesselatmosphäre – solch eine Kulisse kann dem Außenseiter Flügel verleihen. „Mit Zuschauern ist es in Deutschland überall schwer zu bestehen“, sagt der 50-Jährige. So wird wieder das sterile Flair im städtischen Stadion herrschen, das niemand wünscht, aber gezwungenermaßen alle akzeptieren müssen. Der Österreicher wäre schon froh, wenn wenigstens ein paar Anhänger vor Ort sein könnten. Unlängst in Amsterdam durfte die Eintracht vor 6000 Fans gegen Ajax antreten, und da hatte man gleich „ein gutes Gefühl“. Der Unterschied zu einer nahezu menschenleeren Arena sei frappierend, sagte Hütter. „Wir wünschen uns alle, dass das Band bald durchschnitten ist.“

Wie auch immer: Eintracht Frankfurt nimmt die Begegnung gegen die „Löwen“ ernst, „mehr als ernst“ sogar, wie Hütter sagt. „Wenn wir nicht achtsam genug sind, gibt es gegen jede Mannschaft Probleme.“ Die Sechziger seien eine gute Mannschaft, „kampfkräftig, groß“, das könnte unangenehm werden. Dabei sticht Sascha Mölders, einst beim FSV Frankfurt am Ball, heraus. Er sei ein Stürmer, der im letzten Drittligajahr 15 Tore und 15 Vorlagen zum achten Tabellenplatz des TSV 1860 beigesteuert hat, so Hütter. Dennoch ist keine Frage: „Wir nehmen die Favoritenrolle an. Und wir wollen so lange als möglich in diesem Wettbewerb bleiben.“

Stendera zu Lok Leipzig

Es ist der Wettbewerb, den die Hessen lieben. „Eintracht Frankfurt ist eine Pokalmannschaft“, sagt Hütter. Zwei Finalteilnahmen, zuletzt im Halbfinale gegen den späteren Pokalsieger ausgeschieden, und das alles binnen vier Jahren: Die Eintracht mag diese Spiele Spitz auf Knopf. Selbst wenn sie in den Auftaktbegegnungen zuweilen gewisse Anlaufschwierigkeiten zu meistern hatte, etwa vor zwei Jahren beim 1:2-Aus gegen den Viertligisten SSV Ulm, selbst in der vergangenen Runde, als Waldhof Mannheim 5:3 geschlagen wurde, stotterte anfangs der Motor und die Hessen lagen nach zehn Minuten 0:2 hinten. Weiterhin ist der Pokalwettbewerb der kürzester Weg nach Europa, aber auch „ein steiniger“, wie Hütter anmerkt. Sechs Siege sind nötig.

Personell kann Eintracht Frankfurt nahezu aus dem Vollen schöpfen. Martin Hinteregger hat seine Knöchelblessur aus seinem Einsatz für die Nationalelf Österreichs überwunden, er ist wieder im Training. Auch ansonsten ist Hütter mit dem Stand der Vorbereitung zufrieden. „Alle sind relativ gut in Schuss , sagt er. Verzichten muss der Coach indes im Pokal weiterhin auf Linksaußen Filip Kostic, der wegen seines Fouls in der vergangenen Pokalsaison im Viertelfinale gegen den Bremer Ömer Toprak für vier Spiele gesperrt wurde. Frühestens im Viertelfinale kann er wieder eingreifen; die zweite Runde wird kurz vor Weihnachten ausgespielt. Anstelle von Kostic wird Steven Zuber ins Team rücken, von dessen Leistung Hütter ebenfalls angetan ist. An das Niveau von Kostic kommt er aber nicht heran. Kostic, so Hütter, habe „Stärken, die ihresgleichen suchen“. Gar nicht mehr im Kader ist Nils Stendera. Der 19-Jährige wird für ein Jahr an Regionalligist Lok Leipzig verliehen.

Kleine Kuriosität am Rande: Diesmal beginnt in München genau dort der Pokalwettbewerb, wo er für Eintracht Frankfurt in der letzten Saison endete, nur der Gegner ist ein anderer. Ein böses Omen soll das nicht sein.

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