Will vorankommen: Frankfurts Djibril Sow (Zweiter von li.) im Laufduell im letzten Bundesligaspiel.  
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Will vorankommen: Frankfurts Djibril Sow (Zweiter von li.) im Laufduell im letzten Bundesligaspiel.  

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt stellt sich die Strategie-Frage: Alte Hasen oder junge Hüpfer?

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt baut in Zukunft auf ein stabiles Gerüst, will aber weiterhin schnelle, junge Spieler verpflichten.

Der Frankfurter Putztrupp ist so ein wenig auseinandergerissen worden, hat sich in aller Eintracht verkrümelt. Gelson Fernandes hört auf, Marco Russ macht Schluss, Jonathan de Guzman wird noch mal eine letzte Herausforderung in Übersee suchen, Jan Zimmermann hat schon länger die Seiten gewechselt und ist vom bällehaltenden Integrationsbeauftragten zum Vorgesetzten der Torhüter aufgestiegen. Allesamt sind das Routiniers, gestandene Persönlichkeiten, die schon viel erlebt und gesehen haben, die sehr gekonnt nach Innen wirkten. „Sie haben die Kabine sauber gehalten“, sagt Sportvorstand Fredi Bobic. Und meint damit nicht, dass sie Bananenschalen und leere Wasserpullen aufgesammelt haben.

Da geht es um die Hygiene auf anderer Ebene, der persönlichen, zwischenmenschlichen Art, um Hierarchien, Leitlinien und Verhaltensvorgaben, die für eine große Gruppe junger Männer nun mal unerlässlich sind. „Das sind Spieler, die die DNA vorgelebt haben“, sagt Bobic. Spieler, die die Mannschaft geführt haben.

Haller, der Fehleinkauf

Insofern ist der Sportchef froh, dass zwei andere Haudegen, die wissen, wie der Hase läuft, an Bord bleiben: David Abraham, der Kapitän, obwohl er eigentlich jetzt im Sommer schon in seine argentinische Heimat zurückwollte, und auch Makoto Hasebe, der noch ein Jahr an seine außergewöhnliche Karriere hintendran hängen wird. „Dass unser Kapitän bleibt, gibt uns Sicherheit“, sagt Sportvorstand Bobic. Abraham habe gerade im Schlussspurt überragende Spiele abgeliefert, was zweifelsfrei richtig ist. „Ob er im Winter oder nächsten Sommer geht – er wird bis zu seinem letzten Atemzug alles für Eintracht Frankfurt geben.“

Und Makoto Hasebe sei ebenfalls über jeden Zweifel erhaben, „er gibt uns Stabilität“, er könne selbst auf diesem Niveau auch heute noch locker mithalten, weil er zum einen ein Musterprofi ist und zum anderen „da steht, wo die anderen erst hinlaufen müssen“, sagt Bobic grinsend und meint damit die herausragende antizipatorische Fähigkeit des 36 Jahre alten Japaners.

Fredi Bobic achtet auf eine gute Balance im Kader, mit Weitblick habe man daher vor der gerade abgelaufenen Saison das Aufgebot zusammengestellt, darauf geachtet, dass auch Spieler mittleren Alters verpflichtet werden, die in die Fußstapfen der alten Recken treten können, also Akteure wie Sebastian Rode, Kevin Trapp, Dominik Kohr oder später auch Stefan Ilsanker. „Eine Mannschaft braucht auch immer ein Gerüst“, sagt der 48-Jährige. Also eine gesunde Mischung zwischen jungen, hungrigen Spielern und erfahrenen, die den Laden zusammenhalten.

Bobic wehrt sich gegen die These, die Eintracht habe sich vor einem Jahr von ihrer ursprünglichen Transferstrategie, auf unverbrauchte Talente zu setzten, sie weiterzuentwickeln und in Wert zu setzen, abgewendet. „Wir haben uns nie davon verabschiedet“, schließlich sei man vier Jahre gut damit gefahren. Neben den Spielern mittleren Alters, habe man sehr wohl junge Akteure geholt, im Sturm Dejan Joveljic etwa oder auch den Mittelfeldspieler Djibril Sow, der aber nicht so recht zünden konnte.

Bobic verteidigt den Schweizer, ohne ihn namentlich zu nennen. „Gebt den Jungs Zeit“, befindet er, mindestens ein Jahr. Er erinnert an Sebastien Haller, der in seiner ersten Saison „als brutaler Fehleinkauf“ abgestempelt worden und dann voll durchgestartet sei. Und er verweist auf die Stürmer Robert Lewandowski und Edin Dzeko. In ihrem ersten Bundesligajahr „haben sie fast nur auf der Bank gesessen, heute sind sie Weltstars“.

„Wir stehen für was anderes“

Der Sportchef hat in seiner Saisonanalyse festgestellt, dass die Mannschaft immer dann ihre besten Phasen hatte, „wenn wir den Gegner körperlich stark angingen“. Natürlich habe die spielerische Eleganz und die Leichtigkeit gefehlt, die Teams wie Bayer Leverkusen oder Borussia Dortmund aufs Feld bringen. „Aber“, wirft Bobic ein, „wir sind Eintracht Frankfurt, wir stehen für etwas anderes.“ Man müsse aufpassen, dass die Ansprüche nicht zu hoch geschraubt würden.

Ein einstelliger Tabellenplatz sei für den hessischen Bundesligisten „immer etwas Besonderes“, zumal noch keine Eintracht-Mannschaft in der Geschichte 54 Spiele absolvieren musste. Daher sei es ganz gut, international nicht dabei zu sein. „Das könnte ein Vorteil sein.“ Die Teams, die sich auch auf europäischem Terrain bewegten, „haben in der nächsten Saison Englische Wochen bis in den Mai hinein.“

Dennoch werde er ganz sicher nicht Platz sechs als Saisonziel ausrufen, „aber man kann das immer mal schaffen“. Vor einem Jahr etwa, davon ist der Ex-Nationalstürmer überzeugt, hätte es die Eintracht in die Champions League gepackt, wenn sie nicht international so stark belastet gewesen wäre, „Benfica, Chelsea – das hat uns die Körner gekostet.“

Nun will er schauen, dass er die vorhandenen Tugenden verstärkt, also noch mehr Körperlichkeit und Dynamik ins Spiel bringt. Die Mannschaft sei zwar gewiss nicht langsam („Ich kann Ihnen mal die Werte der 30-Meter-Läufe zeigen“), „aber wir schauen, dass wir Geschwindigkeit dazu bekommen, gerade über Außen“. Das A und O für die neue Spielzeit sei aber schon jetzt klar: „Unser großes Problem war, dass wir zu viele Tore bekommen haben. Das müssen wir abstellen, das ist das Entscheidende.“

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