Stefan Ilsanker von Eintracht Frankfurt.
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Stefan Ilsanker von Eintracht Frankfurt.

SGE-Mittelfeldspieler

Stefan Ilsanker plädiert für Gehaltsobergrenze in der Bundesliga

  • Thomas Kilchenstein
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Stefan Ilsanker über schöne Dinge des Lebens, sinnvolle Gehaltsobergrenzen und warum manch einer ihm ruhig den Buckel herunterrutschen kann.

  • Stefan Ilsanker von Eintracht Frankfurt hält Gehaltsobergrenzen für sinnvoll
  • Rückstand muss aufgeholt werden
  • Ilsanker spricht über seine Rolle auf dem Platz

Frankfurt - Unlängst war der Mittelfeldspieler Stefan Ilsanker in seiner österreichischen Heimat, das erste Mal seit Silvester. Die Familie mit Opa und Oma ist wohlauf, „das zu wissen, hat mir gut getan“, sagt der 30-Jährige seit Winter bei der Eintracht aktiv. In Frankfurt fühlt er sich schnell wohl, das kulturelle und gastronomische Angebot gefällt ihm, und „der Fluss in der Mitte der Stadt hat was“. Der Mann, den sie „Ilse“ rufen, ist angekommen und zeigt im virtuellen Gespräch mit Journalisten auch andere Facetten seines Charakters. Im Einzelnen äußert er sich zu....

... einem möglichen Formverlust ohne Spielpraxis:  Ganz ehrlich: Ich bin jetzt seit zwei, drei Wochen von einer Wettkampfform weg, weil ohne Spielformen, Zweikämpfe und azyklischen Bewegungen kann man Gegnerdruck nicht simulieren. Das fehlt jetzt. Sobald wir das Okay kriegen, versuchen wir den Rückstand aufzuholen und Wettkampfpraxis zu bekommen.

Eintracht Frankfurt: Rückstand muss aufgeholt werden

... sportlichen Kriterien eines Neustarts:  Ich glaube, wir brauchen ein bis zwei Woche normales Training und ein Testspiel, dann müsste es eigentlich hinhauen. Selbst wenn man bei den ersten beiden Spielen noch nicht bei 100 Prozent ist. Spätestens beim dritten Spiel wäre man wieder drin.

... dem Trainingsalltag bei Kollegen von anderen Klubs:  Das interessiert mich schon. Aber durch die Regeln der DFL sind die Abläufe doch bei allen gleich, alle Spieler und Mannschaften wissen: Jeder muss sich an die Vorgaben halten, Abstand wahren, bestenfalls in kleinen Gruppen trainieren. Und keiner sollte auf dumme Ideen kommen.

... zu den Gründen, warum die Eintracht ausgerechnet gegen die beiden RB-Klubs Leipzig und Salzburg so erfolgreich war:  Die Eintracht ist eine extrem starke Kontermannschaft. Durch das hohe Pressing und frühe Anlaufen von Leipzig und Salzburg gibt es immer wieder Räume hinter der zweiten Linie. Wenn man schnell ins Umschaltspiel kommt, wenn wir Tempo gehen über die Flügel, speziell über Filip Kostic, sind RB-Teams offenbar verwundbar.

... seinem ursprünglich gespaltenen Verhältnis zu den Eintracht-Fans in seiner Leipziger Zeit:Ich hatte nie ein mulmiges Gefühl bei den Fans. Ich habe mich auf meine neue Aufgabe gefreut. Die Fans haben schnell gemerkt, dass ich alles für den Verein tue, und das habe ich gleich zeigen wollen. Von der Mannschaft bin ich total positiv aufgenommen worden. Auch die Fans haben es mir relativ leicht gemacht. Ich bin gekommen, um Spaß zu haben, um erfolgreich mit der Eintracht zu sein. Wenn das einem nicht reicht, dann kann er mir den Buckel runterrutschen. (lacht).

Eintracht Frankfurt: Ilsanker sieht sich als Schöngeist

... zu seinen Freizeitunternehmungen und zum Besuch der Kunsthalle Schirn:  Ich bin allgemein eher ein Schöngeist, was Musik, Kunst, Architektur angeht. Das interessiert mich, auch Geschichte. Wenn man das alles zusammennimmt, hat man ein schöneres Leben. Ich spiele leider kein Instrument, habe zwei linke Hände. Dafür spiele ich gerne, Gesellschaftsspiele, Karten, Backgammon, Wizzard, Jenga. Ich mag gesellige Runden. Wenn man im Herzen Kind bleibt und das beibehält, dann wird man auch nicht so schnell alt.l

... zu seiner Rolle auf dem Platz, die ganz anders ist als schöngeistig:  Dort lebe ich meine Emotionen, lebe meine Aggression auf dem Platz aus. Ich bin kein feinmotoriger Spieler, wie Daichi (Kamada) oder Gonco (Paciencia). Wenn ich das könnte, würde ich anders spielen. Ich muss über Power und Kampfgeist kommen, denn ich bin dafür verantwortlich, dass wir hinten gut stehen und unsere Ordnung halten. Dabei will ich mich nie in den Mittelpunkt stellen.

... seinem Verhältnis zu Landsmann Hinteregger:  Wir kennen uns seit Jahren. Er ist authentisch, er kommt überall an, weil er kein Blatt vor den Mund nimmt. Das gefällt mir. Manchmal ist er introvertiert, wenn er Leute nicht mag, dann redet er nicht mit ihnen Ich mag es, wenn ein Mensch von Grund auf ehrlich ist. Wie Hinti.

.... seiner Zusage, sofort bei der Eintracht-Hilfsaktion „Auf jetzt“ mitzumachen:  Ich fühle mich einfach wohl, wenn ich Kindern oder Bedürftigen helfen kann, dann bin ich der Erste, der da ist. Das ist stark von der Adlerfamilie. Das unterstützen wir Spieler gerne,

... dem Zeitpunkt, wieder Bundesligafußball zu spielen:  Der Zeitpunkt ist gekommen, denn wir setzen die DFL-Vorgaben zu 100 Prozent um. Der Ball liegt aber bei der Regierung. Es hängen viele Jobs am Fußball, nicht nur meiner. Sollten wir jetzt nicht beginnen,dann werden wir auch im August nicht anfangen.Bis dahin ändert sich ja nichts, weder gibt es einen Impfstoff noch wird die Ansteckungsgefahr auf Null sinken. Sollte das nicht klappen, kann man ja immer noch stoppen.

Eintracht Frankfurt: Für Ilsanker ist Kritik am Profifußball populistisch

.... der heftigen Kritik am Profifußball:  Das ist oft populistisch. Wir Fußballer waren die ersten, die gesagt haben, wir gehen voran, verzichten auf einen Teil unsere Bezüge, wir wollen helfen. Es wird immer Kritiker geben.

. .. Gehaltsobergrenzen:Grundsätzlich ist das richtig. Ich hätte nichts gegen einen Salary Cap wie in den USA. Andererseits muss man sehen, dass herausragende Spieler dann auf andere Weise ihr Geld verdienen wollen, dann würden andere sehr viel weniger verdiene. Wahrscheinlich verdienen wir insgesamt zu viel. Aber: Wieso spricht man nicht in der Wirtschaft für Obergrenzen?

.... Geisterspiele:  Bei den Geisterspielen geht es darum, dass es mit der Liga überhaupt weitergeht. Wir müssen die schwere Zeit mit diesen Geisterspielen überbrücken, keinem macht das Spaß. Wir müssen es hinnehmen

... den Wert dieser mit Geisterspielen zu Ende gespielten Saison:  Es wird komisch sein, wenn irgendeiner Meister wird und die Schale ins Leere hält oder man qualifiziert sich für das internationale Geschäft und kann sich nicht mit den Fans im Stadion freuen. Und wir sind ja immer noch in drei Wettbewerben dabei, nach oben und unten ist alles drin. Es wird auf jeden Fall eine neue Erfahrung sein. Sportlich ist es eigentlich eine unheimlich spannende Saison.

Aufgezeichnet: Thomas Kilchenstein

Unterdessen spricht Alex Meier über seinen Status als Fußballgott in Frankfurt, frühere Beschimpfungen vor dem Fanblock, seine Lieblingstrainer und weshalb es ihm vor allem Sergej Barbarez angetan hat. Jonathan de Guzman verlässt die SGE wahrscheinlich.

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