Wie im Sandkasten: Stefan Ilsanker (links) rückt den Ball nicht raus und rangelt mit Rouwen Hennings.
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Wie im Sandkasten: Stefan Ilsanker (links) rückt den Ball nicht raus und rangelt mit Rouwen Hennings.

Stefan Ilsanker

Stefan Ilsanker gegen Leipzig nicht im Kader

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht-Neuzugang Stefan Ilsanker darf in Düsseldorf spielen – gegen den Ex-Klub aus Leipzig aber nicht.

Seine spektakulärste Szene beim überraschenden Debüt im Trikot von Eintracht Frankfurt hatte Stefan Ilsanker, da war eine gute Stunde gespielt. Es war eine etwas komische Aktion, der Österreicher, frisch von RB Leipzig am letzten Tag der Wechselperiode gekommen, packte nach dem Pfiff den Ball im Mittelfeld mit beiden Händen und wollte ihn partout nicht mehr hergeben, selbst nach einer kurzen Rangelei mit Spielern der Fortuna nicht. Da war er eigen, er drehte sich weg, fast wie auf dem Spielplatz, wenn Kinder ihr Förmchen nicht rausrücken wollen. Natürlich gab es dafür die Gelbe Karte. „Ich dachte, es gibt Schiedsrichter-Ball“, sagte der 30-Jährige, er habe dem Gegner nicht die Kugel überlassen wollen.

Stefan Ilsanker: Eine durchwachsene Halbzeit

Fußballerisch waren seine ersten 45 Minuten im neuen Frankfurter Dress durchaus ausbaufähig: 21 Ballkontakte, 5,7 Kilometer gelaufen, zehn Sprints, fünf gewonnene Zweikämpfe, das ist bestenfalls Standard. Viel für den Spielaufbau hatte Stefan „Ilse“ Ilsanker nicht tun können, dazu war das Spiel der Hessen zu fehlerbehaftet, zu pomadig, einfach zu schlecht. Er fegte ein-, zweimal rustikal dazwischen, setzte den Körper ein, zeigte Präsenz, mehr war nicht, mehr war vielleicht auch nicht zu erwarten. Für Trainer Adi Hütter hatte der österreichische Nationalspieler dennoch seine Aufgaben erfüllt, er sei „ein Mentalitätsspieler, einer der pusht“. Nach dem 0:1 sei er es gewesen, der die Mannschaft sofort nach vorne getrieben hätte. „Er spricht viel während des Spiels“, hob Hütter die Qualitäten seines Landsmannes hervor.

Es war für Außenstehende schon überraschend, dass der defensive Mittelfeldspieler, am Freitag für etwas mehr als eine halbe Million Euro gekommen, kaum 24 Stunden später zu seinem ersten Einsatz für die Frankfurter kam – ohne auch nur einmal mit der Mannschaft trainiert zu haben, nicht mal beim Abschlusstraining. Und der Frankfurter Fußballlehrer konnte sich ad hoc nicht daran erinnern, schon mal einen Profi aufgestellt zu haben, der vorher noch nie mit seiner Mannschaft geübt hatte. „Ich kenne ihn in- und auswendig“, sagte Hütter, der kein Risiko darin sah, Ilsanker nach der Pause zu bringen. Immerhin hatte Hütter einst noch mit dem ganz jungen Ilsanker gemeinsam in einer Mannschaft gespielt, damals bei RB Salzburg, vor 14 Jahren. „Er ist topfit“, außerdem habe er ja bei RB Leipzig in regelmäßigem Training gestanden. Nur spielen durfte der 30-Jährige kaum.

Eintracht Frankfurt arg schläfrig

Die Idee hinter der Einwechselung sei gewesen, erläuterte Sportdirektor Bruno Hübner, die „schläfrige“ Mannschaft „aufzuwecken“. So wirklich war das dem Neuzugang im zweiten Abschnitt nicht gelungen. Ilsanker selbst war nicht überrascht über seinen Blitzeinsatz: „Wenn mich der Trainer mitnimmt, möchte ich auch spielen und bin auch froh, dass ich jetzt schon meinen ersten Einsatz feiern durfte.“ Er selbst habe sich in den wenigen Stunden, die er in Frankfurt ist, noch schnell „über Handy angeschaut“, wie die Eintracht zuletzt taktisch agiert hat. „Ich habe versucht, mich so gut es geht, auf das Spiel vorzubereiten“.

Verdient sei das Remis nicht, sagte er, „das war kein gutes Spiel von uns.“ Für Stefan Ilsanker, der ausdrücklich die „beeindruckende Auswärtskulisse“ lobte, verlief das Debüt wegen des Remis noch halbwegs versöhnlich. Man habe „Willen und Herz“ gezeigt.

Am Dienstag, im Pokal gegen Ex-Klub Leipzig, wird der Österreicher indes nicht sein Heimdebüt in Frankfurt geben. In den Vertragsverhandlungen mit der Eintracht hat sich RB zusichern lassen, dass er dort nicht eingesetzt werden darf. Ob die Angst so groß ist? Komisch allemal: Bei den Sachsen saß er sowieso nur noch auf der Bank.

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