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Eintracht-Star Mario Götze: Bei der WM in Katar nur in einer Nebenrolle

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Von: Jan Christian Müller

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Konnte die WM nicht prägen, durfte aber auch kaum spielen: Mario Götze.
Konnte die WM nicht prägen, durfte aber auch kaum spielen: Mario Götze. © dpa

Der Eintracht-Leistungsträger und einstige WM-Held Mario Götze fliegt beim Katar-Turnier unter dem Radar und schweigt sich dazu weitgehend aus.

Katar/Frankfurt - Es brauchte schon die 65-jährige Reporterlegendenerfahrung des 84 Jahre alten Hartmut Scherzer, um bei dieser Fußball-WM zumindest ein paar Sätze von Mario Götze zu erhaschen. Einen älteren Herrn lässt selbst ein WM-Held von 2014 nicht einfach stehen. Scherzer, ganz gewieft, hatte sich zuvor in einen einsamen Bereich der Interviewzone geschlichen, für den er eigentlich gar nicht zugelassen war, um so ungestört mit dem Mittelfeldspieler sprechen zu können. Es wurde ein sehr kurzes Intermezzo.

Auch beim Schreiber dieser Zeilen handelt es sich um einen bereits etwas in die Jahre gekommenen WM-Journalisten, aber es reichte dreimal nach den deutschen Spielen gegen Japan, Spanien und Costa Rica nicht, um Götze zum Reden zu bringen. In der Mixed Zone, durch die die Spieler nach dem Duschen auf Geheiß der Fifa zwar laufen müssen, sind sie nicht verpflichtet zu antworten. „Herr Götze, können wir sprechen?“ Als Reaktion gab es regelmäßig ein freundliches, fast entschuldigendes Lächeln: „Heute nicht.“

Mario Götze zur WM 2022 in Katar: „Es gibt nichts zu bereuen“

Wie also hat die prominenteste Neuverpflichtung von Eintracht Frankfurt, einer der besten Bundesligaspieler dieser Saison, diese aus deutscher Sicht missglückte Fußball-Weltmeisterschaft erlebt? Dem Frankfurter Altmeister Scherzer schenkte der 30-Jährige nach dem Ausscheiden immerhin diese Worte: „Es gibt nichts zu bereuen. Im Endeffekt war ich froh, dass ich hier wieder dabei war. Aber dass es so läuft, ist umso ärgerlicher und enttäuschender. Jetzt gibt es erst einmal eine Pause. Dann fängt das neue Jahr an und mit der Eintracht die neue Herausforderung.“ Nach dem Urlaub. Götze saß am Freitag nicht mit im Sonderflug der Lufthansa zurück nach Deutschland, seine Frau Ann-Kathrin postete am Wochenende bei Instagram Bilder mit dem kleinen Sohn Rome vom Flug nach Dubai und den Worten: „Family vacation.“

„Extrem stolz“: Mario Götze äußert sich auf Instagram zur WM in Katar

Und siehe da: Auch ihr Mann, der zu den Medien außer ein paar Sekunden lang, außer zu Veteran Scherzer nichts sagen wollte, meldete sich über seinen Instagram-Kanal. So funktioniert halt die moderne Selbstvermarktung, zumal bei Instagram genau das Zielpublikum erreicht wird. Quintessenz der Botschaft: „Für mich persönlich war es ein tolles Gefühl, wieder Deutschland zu vertreten. Vor meinem Sohn bei einer WM zu spielen, macht mich extrem stolz und hat eine Erinnerung geschaffen, die ich nie vergessen werde.“

Bei Eintracht Frankfurt hatten sie die Nominierung des verlässlichen Überperformers vor dem Turnier mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Einerseits mit Stolz, neben dem dritten Torwart Kevin Trapp einen zweiten WM-Spieler im deutschen Kader dabei zu haben, andererseits aber auch mit Zurückhaltung: „Würde Mario der Nationalmannschaft helfen? Ja!“, hatte Vorstandssprecher Axel Hellmann vor dem Abflug gesagt. „Aber kein Trainer kann im Voraus jemandem eine Stammplatzgarantie geben. Wenn du aber nicht vorhast, ihn von Anfang zu bringen, wirst du in eine permanente Diskussion geraten, ob nicht Götze bei einem 1:1 gegen Japan den Unterschied gemacht hätte. Ich weiß nicht, ob das allen guttut.“

Mario Götze kam bei der WM in Katar kaum zum Einsatz

Die öffentlichen Debatten über Götze hielten sich dann trotz des Fehlstarts dennoch im Rahmen. Zweimal wurde der Edeltechniker von Hansi Flick in Katar eingewechselt: beim 1:2 gegen Japan war die Zeit zu kurz und das deutsche Spiel schon zu zerstört, um eine Spur hinterlassen zu können; und beim 4:2 gegen Costa Rica zu einem Zeitpunkt in der 67. Minute, als das DFB-Team noch 1:2 zurücklag. Drei Treffer in einer zunehmend wilderen Schlussphase hatte Deutschland mit Götze auf dem Feld also noch erzielt, wiewohl der Frankfurter an den Toren nicht unmittelbar beteiligt war.

Der Name Götze war in den zwei Wochen von Katar mehrfach gefallen. Hansi Flick lobte den nach fünf Jahren wieder in den Elitekader berufenen Helden von Rio auf Nachfrage pflichtgemäß für dessen hervorragende Trainingsleistungen. Zu einem Startplatz in einem der drei Spiele reichte das aber nicht. Da, wo Götzes Platz im Team gewesen wäre, ließ Flick lieber Ilkay Gündogan oder Jamal Musiala agieren.

Thomas Müller wurde irgendwann dort draußen am Nordrand von Katar nach Götze gefragt. Er berichtete, dass sie beide stets Kontakt miteinander gehalten hätten. Götze sei ein „absolut wichtiger Bestandteil“ der Mannschaft. Und er führte aus. „Er kann diesen Götze-Moment wieder bekommen. Darauf warten wir alle.“ Sie warteten vergeblich. Und sie blieben deshalb diesmal auch ohne einen Cent WM-Prämie. So bleibt die höchste vom Deutschen Fußball-Bund jemals ausgezahlte Turnierprämie die von 2014: 300 000 Euro pro Spieler, die seinerzeit aus dem verbliebenen Katar-Kader neben Götze noch Manuel Neuer, Müller und Matthias Ginter überwiesen bekamen. Dank des Geniestreichs des eingewechselten Mario Götze in der Verlängerung des WM-Finales im Maracana-Stadion gegen Argentinien. Einem Tor für die Ewigkeit. (Von Jan Christian Müller)

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