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Lüttich ist für Eintracht-Fans verboten.

Kommentar

Aufenthaltsverbot für Eintracht-Fans in Lüttich: Völlig sinnlos

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Eintracht-Fans dürfen sich am Spieltag nicht in Lüttich aufhalten. Was bringt ein solches Verbot eigentlich? Ein Kommentar.

Update, 9. November 2019, 10:31 Uhr: Rund 100 Fans von Eintracht Frankfurt haben sich nicht an das Aufenthaltsverbot in Lüttich gehalten uns sind trotz dessen nach Belgien gereist. Etwa 20 Personen wurden nach Angaben der belgischen Polizei in Gewahrsam genommen.

Erstmeldung

Beim Gruppenspiel der Europa League der Frankfurter Eintracht in Guimarães war es zwischen den Fanlagern im Stadion zu Auseinandersetzungen gekommen. Der Veranstalter hatte es nicht geschafft, die Anhänger der Vereine sauber voneinander zu trennen, es kam zu Pöbeleien, es flogen Gegenstände. Das gehört sich nicht, egal wer mit den Provokationen angefangen oder wer ihnen nicht aus den Weg gegangen ist. Soviel sollte Konsens sein.

Dann griff, wie das in diesen Fällen Usus ist, die Uefa durch. Der ausrichtende Verein kam mit einer Geldstrafe verhältnismäßig glimpflich davon, die Eintracht, besonders die Fans, traf es härter. Wer geplant hatte, seinen Verein bei den nächsten zwei Auswärtsspielen in Lüttich und in London zu unterstützen, hatte auf einmal ein Problem. Die Uefa nämlich schloss die Fans von einem Besuch im Stadion aus, eine Strafe, die sich nach der Bewährung für Vorfälle in der Vergangenheit abgezeichnet hatte. Eine Kollektivstrafe für das Vergehen einiger weniger, eine Strafe, deren Rechtmäßigkeit nicht durch Gesetze, sondern nur durch die Verordnungen eines Verbandes gedeckelt ist.

Der Stadtbummel durch Lüttich fällt aus

Bereits gekaufte Tickets für den Gästebereich verloren somit ihre Gültigkeit, gebuchte Flüge und Hotels mussten storniert werden, man fand sich damit ab, zuhause zu bleiben. Oder man plante halt um: Ein Trip nach Lüttich ohne Fußball im Stadion zu schauen, sondern stattdessen vielleicht ein Stadtbummel mit anschließendem Kneipenbesuch, um dort die Partie mit anderen im TV zu verfolgen.

Diesen Plänen hat die Stadt Lüttich jetzt brachial einen Riegel vorgeschoben. Die Fans von Eintracht Frankfurt dürfen beim Europa-League-Auswärtsspiel bei Standard Lüttich neben dem Stadion auch das Stadtgebiet nicht betreten. Eine entsprechende Verbotsverfügung hat die Stadt Lüttich den Verantwortlichen der Eintracht über das Polizeipräsidium Frankfurt zukommen lassen. Das Verbot gelte nicht nur für den Spieltag am Donnerstag, sondern ab sofort und bis Freitag um 12.00 Uhr.

Belgier durften nicht auf den Römer

Auch im Hinspiel gab es, damals seitens der Stadt Frankfurt, ein Aufenthaltsverbot. Am Spieltag war der Bereich vor dem Frankfurter Römer für die belgischen Fans Tabu. Man wollte so verhindern, dass es zu einem Techtelmechtel mit Frankfurtern kommen könne, die eine Belagerung dieses symbolträchtigen Platzes durch Anhänger der gegnerischen Mannschaft gar nicht toll fanden. Stattdessen fanden sich die Gäste im Bahnhofsviertel ein und feierten dort in einem Pub – unter Aufsicht der Polizei, und ohne dass es zu größeren Auseinandersetzungen mit Eintracht-Fans kam.

Lüttich sieht das alles offensichtlich nicht ganz so gelassen. Ein pauschales und unbestimmtes Aufenthaltsverbot für eine ganze Stadt, nur weil am Abend ein Fußballspiel stattfindet, entspricht ganz sicher nicht dem Geist von Schengen. Und der sollte höher zu bewerten sein als die ziemlich abstrakte Gefahr, die von ein paar Touristen ausgehen könnte, die ursprünglich ein Fußballspiel sehen wollten.

Lüttich wie einst Darmstadt

Ganz abgesehen davon dürfte es mal wieder spannend sein, zu sehen, wie man einen Fan von Eintracht Frankfurt von einem ganz normalen Touristen unterscheiden will. Zumindest dann, wenn er nicht in Trikot und Schal der Mannschaft seines Herzens durch die belgischen Gassen flaniert und dabei laut grölend den Polizeichor von Frankfurt zu imitieren versucht. Gesinnungskontrollen an der Stadtgrenze dürften ja kaum zu erwarten sein. Für Vereinsboss Peter Fischer und Vorstand Axel Hellmann könnte es jedenfalls eng werden. Beide sind bekennende Fans des hessischen Traditionsvereins.

Und ganz am Ende, wenn das Spiel vorbei (den Liveticker Eintracht Frankfurt gegen Standard Lüttich finden Sie hier) und das Aufenthaltsverbot längst aus den Schlagzeilen raus ist, wenn irgendwann irgendwo auf der Welt ein paar Fußballfans aneinander geraten, wie auch sonst überall ständig Menschen aus ganz anderen Gründen als ein einem profanen Kick Konflikte mehr oder weniger gewaltsam austragen, irgendwann wird man dann auch bei der Uefa oder den Stadtverwaltungen - sei es in Lüttich oder Darmstadt - kapieren, dass solche Verbote völlig sinnlos sind. Weil sie nichts ändern werden. Das haben sie in der Vergangenheit nicht und das werden sie auch in der Zukunft nicht tun.

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