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Champions League - nicht die Kragenweite der Eintracht

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Von: Ingo Durstewitz

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Die Champions League ist, nüchtern betrachtet, nicht die Kragenweite von Eintracht Frankfurt. Dennoch darf es gerne ein bisschen mehr sein. Ein Kommentar.

Frankfurt - Mit den Ausschlägen in beide Richtungen ist das in Frankfurt so eine Sache. Glückstrunken oder gramgebeugt. Himmel oder Hölle. Dazwischen gibt es nicht viel, Grautöne nur ganz dosiert. Es ist eine Welt der Extreme. Auch in dieser noch jungfräulichen Saison. Nach dem arg ruckeligen Start mahnten die Bedenkenträger: Obacht, wer hoch fliegt, kann auch tief stürzen.

Dann: Nach zwei Siegen mit acht Toren in Bremen und gegen Leipzig schien die Truppe plötzlich so gut wie unbesiegbar, wer sollte diese entfesselte, wilde Bande eigentlich stoppen? Die Eintracht reihte sich gefühlt ein in die Gilde der Bayern-..., äh, Freiburg-Jäger. Und nun, nach dem ernüchternden 0:3 gegen Sporting Lissabon zum Auftakt in den königlichen Wettbewerb der besten Klubs Europas? Alles wieder retour. Die Zweifler warnen: So, Freunde, wird das nichts in der Champions League, und überhaupt: Wird ne ganz schwere Saison.

Enttäuschte Frankfurter: Borré u nd Alario.
Enttäuschte Frankfurter: Borré und Alario. © AFP

Eintracht Frankfurt ist noch im Findungsprozess

Die Wahrheit liegt, wie sollte es anders sein, in der Mitte. Die neue Eintracht befindet sich noch immer in einem Findungsprozess, einer Entwicklungsphase. Stabil ist das Gebilde nicht, weshalb es mal hoch und mal runter geht. Nicht alles, aber einiges wirkt gestückelt und provisorisch, der Kader scheint irgendwie unrund. Es gibt zurzeit keinen echten Rechtsverteidiger mit angemessenem Niveau: Jakic ist eine Notlösung, Chandler ist Chandler, Buta verletzt. Auf der anderen Seite sieht es kaum besser aus: Lenz ist Mittelmaß und aktuell mal wieder angeschlagen, Pellegrini nicht austrainiert und generell nicht überzeugend. Trotzdem spielt Coach Oliver Glasner die Viererkette, denn diesen Filip Kostic gibt es ja nicht mehr und Ersatz für ihn auch nicht. Zudem ist die Eintracht im defensiven Mittelfeld durch Jakics Versetzung und Rodes Ausfall unterbesetzt. Das ist nichts, was sich jetzt auf die Schnelle korrigieren lässt, Glasner muss mit diesem Personal arbeiten und es so zusammenstellen, dass es größtmöglichen Erfolg erzielen kann. Dafür ist er angestellt, und dass er Spieler und eine Mannschaft besser machen kann, hat er schon bewiesen.

Doch wie sieht er eigentlich aus, der größtmögliche Erfolg? Auch das lässt sich seriös nicht beantworten, dazu ist die Saison zu jung und sind die Ausschläge zu groß. Festzuhalten ist freilich: Die Eintracht hat in dieser Spielzeit mit drei Kontrahenten die Klingen gemessen, die Champions-League-Format haben: dreimal zog sie klar den Kürzeren, gegen die Bayern war sie desolat (1:6), gegen Real Madrid chancenlos (0:2) und gegen Sporting? Da spielte sie eine Stunde ganz gut mit, musste dann aber üppig Lehrgeld bezahlen und kam böse unter die Räder. Die letzte halbe Stunde ist ein Paradebeispiel dafür, wie man auf diesem Niveau nicht Fußball spielen sollte. Dann wird man selbst von einem Gegner bestraft, der zwar spielstark, wuselig und abgekocht auftrat, der aber nicht zur Crème de la Crème des europäischen Klubfußballs zählt. Die größten Sporting-Erfolge in der Königsklasse: zweimal Achtelfinale, 2008/09 und 2021/22.

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Eintracht Frankfurt ist kein natürlicher Teilnehmer an der Champions League

Nein, Eintracht Frankfurt ist keine Champions-League-Mannschaft, sie ist kein natürlicher Teilnehmer in diesem Zirkel, diese Abende sind Geschenke, Bonusspiele, die sich das Team verdient hat, keine Frage. Doch dieser Wettbewerb ist, nüchtern betrachtet, nicht die Kragenweite der Hessen. Das ist nicht neu, wurde aber nun bestätigt.

Das wiederum bedeutet nicht, dass die Frankfurter auf diesem Level grundsätzlich nicht mithalten können, und natürlich haben sie noch immer realistische Chancen, die K.o.-Runde zu erreichen. Aber dann muss eben alles passen, dann muss sich die Mannschaft wieder in diesen Tunnel begeben und diesen Spirit, der Berge versetzen kann und Unmögliches möglich werden lässt, aufleben lassen. Von diesem Widerstandswillen, dieser unnachgiebigen Haltung war am Mittwoch spätestens nach einer Stunde nichts mehr zu sehen, das energetische Band schien zerschnitten, die Körpersprache nicht wie sie sein sollte, die Köpfe gingen nach unten. Das ist nicht Eintracht-like. So gewinnt man nicht die Europa League. Und so reüssiert man nicht in der Königsklasse. Auch nicht gegen Sporting Lissabon. (Ingo Durstewitz)

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