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Eintracht Frankfurt spielt das Viertel vom Finale.

Kolumne Stillleben

Eintracht Frankfurt spielt das Viertel vom Finale

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Sechzehntelfinale, Achtelfinale, Viertel.... Vor lauter Rechnerei blickt man nicht mehr durch.

Sechzehntelfinale, Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale, Finale. So ein Pokalwettbewerb ist rein mathematisch eine Herausforderung. Zum Glück konnte Eintracht Frankfurt in den vergangenen beiden Jahren sehr gut üben, die ganze Reihe durch bis zum Schluss, im Pokalwettbewerb des Deutschen Fußball-Bundes. Das schärft die Synapsen für höhere Aufgaben.

Einst, als wir schon mal im Europapokal die Reihe durchexerzierten, von A wie Aberdeen über B wie Bukarest, F wie Feyenoord, noch mal B wie Brünn, noch mal B wie Bayern über M wie Mönchengladbach bis Sch wie Schaub, Fred Schaub – damals, in der Wettbewerbsrunde 1979/80, suchten wir nach einer Eselsbrücke, mein Kumpel Gröbi und ich. Das war schlau von uns, denn damals ging es mit einem Zweiunddreißigstelfinale los im Uefa-Cup. Und wir waren noch sehr jung.

„Sach mal. Wo genau sind wir gerade?“, fragte Gröbi in der zweiten Runde.

„Wie wo?“, fragte ich zurück.

„Im Wettbewerb, an welcher Stelle.“

„In der zweiten Runde. Beziehungsweise Sechzehntelfinale.“

„Sechzehntelfinale?“, raunte Gröbi. „Wer soll denn das kapieren?“

„Ich glaube“, sagte ich, „das ist haargenau ein Sechzehntel von einem Finale.“

„Wie viel Prozent sind das?“

„Boah hier, was weiß ich, wie viel Prozent das sind, Digger! Bin ich Mathe-Babo, oder was?“

Natürlich gab es damals weder die Bezeichnung „Digger“ unter Freunden, noch nannte man einen Oberchef „Babo“, sondern schon eher: Oberchef. Also:

„Bin ich der Mathe-Oberchef, oder was?“

„Ich will ja nur verstehen, wie lang es noch bis zum Finale ist. Sechzehn was?“

„Wie sechzehn was?“

„Ja, sechzehn Spiele? Sechzehn Tage, Wochen, Milchkannen? Sechzehn Semmelnknödeln?“

„Nee, ja, nee, weiß ich nicht.“

„Vielleicht fragen wir jemanden vom Fach.“

„Sehr gut! Eisenbach, Leut’ vom Fach, alles unter einem Dach!“

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Das war eine Sanitärfirma, die damals im Waldstadion warb. Wer in den 70er und 80er Jahren mit Eintracht Frankfurt sozialisiert wurde, dem ist die Firma Eisenbach so bekannt wie heutigen Heranwachsenden nur noch Telefonhersteller mit angebissenem Apfel oder klebrige Brause. Vermutlich gibt es Eisenbach nicht mehr. Das Waldstadion schon.

„Nein, ich meine, jemanden vom Rechenfach! Jemanden, der rechnen kann.“

„Was denn rechnen?“

„Ei, das mit den Sechzehnteln.“

Es verging das Hinspiel im Sechzehntelfinale, es verging das Rückspiel, und fast vergingen alle unsere Rechenexempel, denn das Spiel war so gut wie vorbei, es stand 1:0 gegen Dinamo Bukarest, Hinspiel 0:2, wir waren draußen, vorbei, aus, Hund, Katze, Maus, aber Williiiiiii Neuberger flankte, Charly Körbel verlängerte per Kopf, Bernd Hölzenbein saß auf dem Boden und nickte ein. Also den Ball. Zweinull, Verlängerung, dann Bernd Nickel, man kann das alles nicht oft genug hervorkramen. Wir durften weiterrechnen.

„Ziemlich witzig eigentlich.“

„Was?“

„Na, erst nickt der Holz zum 2:0 ein, und dann ...“

„... holzt der Nickel zum 3:0 ein. Oh ja, das ist wirklich witzig.“

Vor allem, wenn man dann auch noch Cupsieger wird im weiteren Verlauf. Das Sechzehntelfinale erfuhren wir später, ist die Runde, in der es noch sechzehn Begegnungen gibt. Viertelfinale ist also, wenn es noch jeweils vier Begegnungen gibt. Warum das Halbfinale Halbfinale heißt, erklären wir dann, wenn es so weit ist. In diesem Fall mögen wir übrigens ausnahmsweise mal halbe Sachen.

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