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Spielt nicht nur Fußball, sondern auch Ziehharmonika: Eintracht-Profi Martin Hinteregger,

Fußballlose Corona-Zeiten

Eintracht-Spieler in Quarantäne: Helm auf und durch

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Eintracht Frankfurt und seine Profis laufen zurzeit auf manchen Ebenen auf Hochtouren in der Isolation. Einer fällt mal wieder ganz besonders auf.

Den Vogel hat natürlich mal wieder der Hinti, der irgendwie zum Kultspieler aufgestiegene Eintracht-Profi Martin Hinteregger, abgeschossen. Der Frankfurter Verteidiger hat dieser Tage ein Video aufgenommen, das ihn in seinem Haus in Frankfurt-Niederrad zeigt: Da steht er, der Hinti, in Quarantäne, Jogginghose, die weißen Tennissocken sauber über die Knöchel gezogen, in den Händen eine Ziehharmonika, auf dem Kopf einen weißen Helm aus dem Blockbuster Star Wars, Modell Stormtrooper. 

Und dann haut der passionierte Musiker an den Tasten den Klassiker „Dort droben auf dem Berge“ raus, sehr stilsicher, ehe er sich zu Wort meldet (nachdem er den Helm abgezogen hat): „Martin hier, so verbringe ich meine freie Zeit, Ziehharmonika spielen, ein bisschen Gartenarbeit. Also, es zahlt sich aus, bleibt zu Hause, stay at home, und dann schaffen wir das.“ Da hat nicht mal mehr die Hinti-Army irgendwelche Fragen.

Eintracht Frankfurt in Corona-Zeiten: Berichte aus der Isolation

Kevin Trapp, Mitspieler und Torwart in derselben Mannschaft, hat derweil via Instagram aus seiner Isolation berichtet, wie er zum Beispiel so schöne Muster in seinen Kaffee zaubert, ein Herz etwa, das hat er sich, wie er im Videochat erzählt, über Youtube selbst beigebracht, so ein bisschen komme es auch auf die Milch und die richtige Technik an. Und dann verriet er auch noch, wer sich alles an der virtuellen Challenge beteilige, da geht es um die Zubereitung des tollsten Kaffees mit dem besten Milchschaum. Barcelona-Keeper Marc-André ter Stegen soll weit vorne mit dabei sein. 

Ansonsten streift der Eintracht-Schlussmann zu Hause manchmal seine dicken Handschuhe über, einfach nur, um dieses spezielle Torwartgefühl zu bekommen. Der kluge 29-Jährige versucht überdies, Klavier spielen zu lernen, was gar nicht so einfach ist. „Das hier“, sagt Kevin Trapp und meint explizit nicht die musische Hingabe, „ist eine Ausnahmesituation.“

Die Medienabteilung von Eintracht Frankfurt läuft in diesen ruhigen und doch unruhigen Tagen auf Hochtouren, Spieler, Assistenztrainer und Vorstände berichten aus ihrer Quarantäne, Rechtsverteidiger Danny da Costa etwa ließ sich sogar zur Kindersendung Tigerentenclub zuschalten und gab Einblicke darüber, wie er seine erzwungene Freizeit verbringe, er koche nämlich ganz schön viel und gut und leidenschaftlich. „Nach dieser Zeit werde ich auf jeden Fall ein Meisterkoch“, merkte er lachend an.

Die Funktionäre äußern sich ebenfalls, etwas nachdenklicher und staatstragender, das gebietet der Status und die Verantwortlichkeit. „Die Natur hat uns allen auf dieser Welt den Spiegel vorgehalten und uns zu verstehen gegeben, dass es so nicht mehr weitergeht, dass wir endlich mal durchatmen sollen und uns neu sortieren müssen“, sagte Sportchef Fredi Bobic der „Welt“. Er bereitet seinen Klub und die Beschäftigten auf harte Einschnitte vor, macht aber auch Mut mit einem Blick in die Zukunft: „Ich glaube, wir alle können uns noch gar nicht vorstellen, wie emotional wir alle sein werden, wenn wir irgendwann das erste Mal wieder in einem voll besetzten Stadion sind. Das wird eines der größten Erlebnisse der Fußballgeschichte.“

Aufsichtsratsboss Wolfgang Steubing hofft inständig, dass die Liga fortgesetzt wird, weil schon bei den alten Römern „Brot und Spiele gerade in Krisenzeiten von hoher Bedeutung“ gewesen seien, wie er dem „Kicker“ sagte: „Ich teile die Meinung von Experten, dass eine Gesellschaft diesen Maßnahmen über Monate hinaus nicht gewachsen sein wird. Umso wichtiger scheint es mir deshalb, dass Millionen Sportfreunden Freude erhalten bleibt, selbst wenn es nur das Live-Erlebnis vor dem Bildschirm ist.“

Jürgen Grabowski würde gerne wieder ins Stadion gehen

Jürgen Grabowski, die von der Frankfurter Kultband Tankard besungene Vereinsikone, würde indes gerne wieder ins Stadion gehen, aber, klar, keiner wisse, wann er und alle anderen das wieder können. So versucht der gesundheitlich angeschlagene 74-Jährige den Alltag erträglich zu gestalten – in Corona-Zeiten schwer genug. „Ich muss dreimal pro Woche zur Dialyse ins Krankenhaus. Da werde ich von einem Fahrzeug abgeholt, in dem den ganzen Tag Patienten transportiert werden. Deshalb habe ich mich entschlossen, bei diesen Fahrten Handschuhe und Mundschutz zu tragen, auch wenn das nicht allzu viel hilft“, sagte „Grabi“. „Natürlich habe ich etwas Angst vor der Geschichte. Man kann nur beten, dass uns keiner ansteckt.“

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