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Erst ein schönes Tor erzielt, dann abgekämpft ausgewechselt: die Bilanz von Jesper Lindström (links) gegen Leverkusen.
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Erst ein schönes Tor erzielt, dann abgekämpft ausgewechselt: die Bilanz von Jesper Lindström (links) gegen Leverkusen.

SGE

Eintracht Frankfurt formstärkstes Team der Liga - Sorge um verletzten Offensiv-Spieler

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Der beachtliche Aufschwung der Eintracht hat gute Gründe - die Frankfurter sind nun sogar das formstärkste Team der Liga.

Frankfurt - Nach dem Husarenritt am dritten Advent war dann diese ganz spezielle Eintracht-Note mal wieder in aller Munde. „Die Mannschaft bringt mittlerweile alles mit“, sagte der beim rasanten 5:2-Erfolg des aufstrebenden Frankfurter Bundesligisten gegen Bayer Leverkusen erstmals seit Monaten wieder eingesetzte Außenverteidiger Christopher Lenz. In erster Linie, natürlich: „Die Mentalität der Truppe kennt keine Grenzen.“ Fliegengewicht Jesper Lindström, reichlich dehydriert und sich deshalb in der Pause übergebend, flankierte den Kollegen und stufte den Behauptungswillen des Teams als „crazy“, also verrückt ein.

Und Djibril Sow, der Motor in der Schaltzentrale, nebenbei auch noch Torschütze vom Dienst, lobte „die Willens- und Energieleistung“, irgendwann hat er gespürt, dass man den Gegner erst in die Enge treiben und ihn dann einfach überrollen würde. „Leverkusen ist gar nicht mehr ins Spiel zurückgekommen.“ Man kennt das: In dem Maße, in dem der eine immer größer und stärker wird, wird der andere immer kleiner und schwächer. Das liegt in der Natur des Sports, ja des Menschen. Robert Andrich, der schwerstens tätowierte Bayer-Malocher, flötete daher kleinlaut: „Die haben uns einfach aufgefressen.“

Eintracht Frankfurt überzeugt derzeit

Moral, Leidenschaft, Hingabe, Kampfeslust, Charakter – all diese Attribute sind in der jüngsten Vergangenheit bemüht worden, um den besonderen Eintracht-Spirit zu beschreiben, diesen um sich greifenden Adrenalin-Kick, der nicht selten in dem mündet, was Neuzugang Lenz ein „typisches Eintracht-Frankfurt-Spiel“ nennt. „So, wie man es von früher kennt.“

Das alles ist absolut richtig, und gewiss ist es dieser Einstellung und auch einem Pakt mit Fortuna geschuldet, in mäßigen oder gar schlechten Spielen noch späte Siege oder Punkte einzufahren, wie gegen Antwerpen, Leipzig oder Fürth. Keine Frage. Und der Leverkusener Trainer Gerardo Seoane hat sicherlich Recht, wenn er die fehlende Körperlichkeit als Hauptgrund für die Niederlage seines flinken, aber eben auch etwas unbedarften Ensembles anführt. „Die Unterschiede in der Robustheit der Teams waren ausschlaggebend.“

Es ist schon beachtlich, dass die Eintracht, ohnehin die laufstärkste Mannschaft der Liga, auch am Sonntagabend noch einmal fast 123 Kilometer runterreißt und damit sieben Kilometer mehr als der Kontrahent, obwohl sie 72 Stunden zuvor noch in der Türkei ein strapaziöses Europa-League-Spiel und eine nicht minder strapaziöse Reise in den Knochen hatte.

Eintracht Frankfurt: Hauge? „Sieht nicht gut aus“

„Die Mannschaft ist in einer Top-Verfassung“, sagt Coach Oliver Glasner, lobt ein bisschen sich selbst und sein Team („Die Trainingssteuerung ist vielleicht nicht die schlechteste“), aber auch die medizinische Abteilung, die einen großartigen Job mache. Und: „Die Spieler leben es vor, sie sind hochprofessionell.“ Auch deshalb hat Eintracht Frankfurt tief im Dezember bis auf Jens Petter Hauge, der sich eine Muskelverletzung zuzog (Glasner: „Das sieht nicht gut aus“) keinen verletzten Spieler zu beklagen. „Das ist außergewöhnlich.“

Doch nur durch die beschriebenen Primärtugenden und körperliche Unversehrtheit lässt es sich nicht erklären, dass Eintracht Frankfurt ein demoralisierendes 0:2 gegen ein Topteam wie das aus dem Rheinland in einen zügellosen 5:2-Sieg dreht und eine Machtdemonstration erster Güte aufs Parkett wirft. Da gehört mehr dazu, neben der neuen, alten Wucht nämlich auch fußballerische Qualität.

Eintracht Frankfurt im Spätherbst 2021 spielt astreinen Stressfußball wie zu besten Adi-Hütter-Zeiten, paart diesen brachialen Ansatz aber auch mit spielerischer Klasse in allen Bereichen – sei es in der Konzeption der Angriffe (Lehrbeispiel das 2:2), dem Flügelspiel (Filip Kostic, unnachahmlich), den schnellen Gegenangriffen, dem Pressing oder den Standards, aus denen durch die Abwehrspieler Tuta und Evan Ndicka zwei Treffer resultierten. Auch die torgefährlicheren Mittelfeldspieler sind ein entscheidender Faktor für den Aufschwung. „Durch die Variabilität der Torschützen sind wir unberechenbarer“, lobt Sportvorstand Markus Krösche.

Es hat eine Weile gedauert, ehe Oliver Glasners Vorstellungen durchgedrungen sind zu den Spielern. Doch nun fließt das, was vorher stockte. „Wir glauben an die Idee, wie wir spielen wollen“, sagt der Fußballlehrer, der bei seinem vorherigen Klub VfL Wolfsburg schmerzlich vermisst wird. Dort wird seine Aufbauarbeit, sein Werk gerade niedergerissen – von anderen Trainern, aber mit der identischen Mannschaft. Das lässt tief blicken.

Eintracht Frankfurt: Formstärkstes Team

In Frankfurt hat der 47-Jährige seinem Team durch Akribie, Erklärungen und endlose Videosequenzen seine Philosophie nähergebracht. Es scheint zu wirken. Die Eintracht hat Tuchfühlung zu den internationalen Startplätzen hergestellt, steht im Achtelfinale der Europa League, sie stellt außerdem die formstärkste Mannschaft der Liga, hat von den letzten fünf Partien vier gewonnen, eine bessere Bilanz weist in diesem Zeitraum keine andere Elf auf, nicht Bayern und nicht Hoffenheim.

Der Höhenflug ist kein Zufall, eine stete Entwicklung klar erkennbar. „Das wollen wir weiter forcieren“, sagt Sportchef Krösche, der auch die vielen herausgespielten Torchancen als einen Indikator für den klar verbesserten Kombinationsfußball heranzieht: „Die hatten wir vor einigen Wochen noch nicht so.“

Am Mittwoch (18.30 Uhr/Sky) kommt es zum brisanten Duell beim Prügelknaben Borussia Mönchengladbach und Ex-Trainer Adi Hütter, der erst kürzlich noch einmal versuchte, seinen traurigen Abgang reinzuwaschen. Für viele Profis ist das ein ganz besonderes Spiel, nicht bei allen war der Österreicher wirklich beliebt. Die Verantwortlichen aber wiegeln ab. „Für uns ist das nicht wichtig und gar kein Thema“, sagt Markus Krösche. „Wir konzentrieren uns nur auf das, was wir beeinflussen können.“ Hat ja ganz gut geklappt in den vergangenen Wochen. (Ingo Durstewitz)

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