+
Gibt wieder Kommandos auf dem Platz: Eintracht-Kapitän David Abraham.

Europa League

Eintracht mit Adrenalin pur

  • schließen

Bei der Eintracht in Frankfurt steigt die Anspannung wieder – jetzt geht’s zu Benfica.

Der Frankfurter Kapitän David Angel Abraham hat eine ganze Menge Selbstvertrauen getankt, so eine erstaunliche und imposante Siegesserie lässt ja das Kreuz ganz schön breit werden, auch wenn man, wie der Argentinier, wegen dieser vermaledeiten Wade nicht so häufig hat mitspielen können. David Abraham also hat gar so viel Selbstvertrauen in sich vereint, dass er sich am Montag doch tatsächlich traute, sein erstes Interview auf Deutsch zu geben, „aber nur ohne Kameras“, fügte er lächelnd an.

Da stand er also, der stolze Capitano der Eintracht, und wie sehr er sich freute, wieder ein Teil dieser auf einer Riesenwelle des Erfolgs surfenden Mannschaft zu sein, war dem wie ein Honigkuchenpferd strahlenden Verteidiger im Gesicht abzulesen. Am Samstag auf Schalke, als er erstmals wieder das Team aufs Feld führte, da sei ganz, ganz viel „Adrenalin durch mein Blut gelaufen“, sagte er in bestem Deutsch und zur Verdeutlichung seiner Worte ließ er vorsorglich seine Hände über seinen Oberkörper gleiten. „Wieder dabei zu sein, ist ein überragendes Gefühl.“

Eintracht Frankfurt prächtig auf Platz vier

Der 32-Jährige ist rechtzeitig für den Endspurt wieder fit geworden, und dieser Schlussakkord soll es in sich haben. Die Aussichten sind prächtig: In der Bundesliga liegt die Eintracht auf Rang vier, einem Champions-League-Platz, der Vorsprung auf die ohnehin schwächelnde Borussia aus Mönchengladbach beträgt vier Punkte und 13 Tore. Und in der Europa League steht das nächste Glanzlicht unmittelbar bevor, im Hinspiel des Viertelfinals geht es am kommenden Donnerstag (21 Uhr/live bei RTL und Dazn) in Lissabon gegen den portugiesischen Topklub Benfica.

Das könnte Sie auch interessieren: Benfica Lissabon gegen Eintracht Frankfurt im Live-Ticker

Was ihm denn lieber sei, das Halbfinale auf internationalem Boden oder die Qualifikation für die Königsklasse, ist der schnelle Abwehrmann gefragt worden. „Beides“, befand er grinsend, „wir schaffen beides.“ Im Übrigen, schob er augenzwinkernd hinterher, könne man sich ja auch über die Europa League für die Champions League qualifizieren, der Sieger des Wettbewerbs löst automatisch ein Ticket. Das Endspiel steigt am 29. Mai in Baku. „Bis dahin fließt noch ganz schön viel Wasser den Main entlang“, pflegt Trainer Adi Hütter neuerdings zu sagen. Für seinen Spielführer jedenfalls steht fest: „Wir schauen nur noch nach oben.“

Die Partie am Donnerstag in Portugal stellt für die Frankfurter die nächste Herausforderung dar, sie sehen den K.o-Spielen mit einigem Optimismus entgegen – alles andere wäre bei diesem Lauf auch mehr als verwunderlich. In diesem Jahr konnte die Eintracht noch kein Gegner bezwingen, in 15 Anläufen nicht, weder national noch international. In der Formtabelle der vergangenen sechs Spielen liegt die Eintracht mit der vollen Punktausbeute auf Rang eins, im Rückrundenklassement sind nur die Bayern (28 Zähler) drei Punkte besser.

Eintracht in Lissabon kein Favorit

Es ist jetzt nicht so, dass die Frankfurter als Favorit in die beiden Duelle mit den Lissabonnern gehen werden, aber nach der Auslosung war schon die einhellige Meinung, dass es Schlimmer hätte kommen können. Benfica gilt als schwere, aber machbare Aufgabe. Andererseits: Welche Aufgabe wäre für die Eintracht in der momentanen Verfassung nicht machbar? Am ehesten vielleicht noch Chelsea London – auf die Engländer könnten die Hessen im Halbfinale treffen.

Lesen Sie auch: Ex-Eintrachtler Haris Seferovic ist glücklich

Routinier Abraham warnt aber vor Übermut und auch vor den Portugiesen, die er stärker als Inter Mailand einschätzt. Die Italiener hatte die Eintracht im Achtelfinale eliminiert (0:0 und 1:0). Abraham begründet seine Einschätzung ganz plausibel, und klingt fast so, als spreche er über seine eigene Mannschaft: „Sie haben sehr viel Selbstvertrauen, weil sie immer gewinnen.“ In der Tat: Tabellenführer Benfica hat von den vergangenen 13 Ligaspielen zwölf für sich entschieden, darunter auch die Partie beim Dauerrivalen FC Porto. „Das wird ein großes Spiel“, sagt Abraham. „Wir wollen ein gutes Resultat fürs Rückspiel erreichen.“ Deshalb dürfe man keinesfalls „offen sein“, gerade dann nicht, wenn man etwa 1:0 führen sollte. „Das Duell wird nicht in 90, sondern in 180 Minuten entschieden.“

Martin Hinteregger mit Schiene an der Hand

Abraham hofft darauf, dass sein Kollege Martin Hinteregger am Donnerstag einsatzbereit sein wird. Dem Österreicher ist nach seinem Mittelhandbruch eine schützende Schiene angefertigt worden, heute soll er ins Training einsteigen. „Hinti ist eine Maschine“, adelt Abraham seinen Partner, „er ist ein kompletter Verteidiger: schnell, zweikampfstark, passsicher.“ Hinteregger habe entscheidenden Anteil daran, dass sich die Eintracht auf diesem hohen Niveau stabilisiert habe. „Er ist eine große Hilfe.“

Genauso wie Sebastian Rode, der nach seiner Wadenblessur gestern wieder seine Runden drehte. „Fürs erste Mal war’s ganz ordentlich“, sagte der 28-Jährige im Anschluss. Heute wolle er ins Training einsteigen. „Dann schauen wir, wie es läuft.“ Mijat Gacinovic, den Fersenbeschwerden plagten, ist von den Rekonvaleszenten sicher am weitesten, er hat gestern, als ein eher regeneratives Training anstand, eine richtig knackige Fitnesseinheit hingelegt. Der an einer Bauchmuskelzerrung leidende Sebastien Haller indes wurde auf dem Platz gar nicht gesichtet, es könnte eng werden mit einem Einsatz gegen Benfica. Müssen dann halt wieder andere in den Bresche springen.

Eintracht-Podcast: Das Spiel auf Schalke in der Nachbetrachtung

 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare