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Ante Rebic, allzeit bereit.

Europa League

Was Eintracht Frankfurt in der Europa League verdient

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Das Abenteuer geht Europa League geht für die Eintracht weiter, die Fans sind heiß auf den Wettberwerb. Finanziell lohnt sich die Sache für die SGE ohnehin.

Als das letzte Mal ein Frankfurter Fußballprofi in einem Viertelfinale der Europa League – damals hieß es noch Uefa-Pokal – ein Tor erzielte, saß auf der Trainerbank der Hessen ein gewisser Jupp Heynckes. Es war der 28. Februar 1995, und die Frankfurter spielten da in der Runde der letzten Acht gegen Juventus Turin. 1:1 hieß es im Hinspiel, Jan Furtok war der Torschütze, doch im Rückspiel ließen die Italiener in Turin nichts mehr anbrennen – 0:3 aus Sicht der Eintracht, die Party war zu Ende.

Damals spielten bei der Eintracht noch Andreas Köpke und Rudi Bommer, Manfred Binz und Uwe Bindewald, Mirko Dickhaut und Thorsten Legat. Anthony Yeboah und Maurizio Gaudino hatte der gestrenge Jupp Heynckes ja zuvor schon aus dem Verein geworfen, bald warf auch er das Handtuch. 24 lange Jahre ist das her, es sind Erinnerungen aus einer anderen Zeit. Es sollten bleierne, dürre, manchmal auch trostlose Jahre folgen.

Eintracht Frankfurt hat fast ein Vierteljahrhundert auf so ein Spiel gewartet

Fast ein Vierteljahrhundert später unternimmt heute ein anderes Frankfurter Team gegen das portugiesische Spitzenteam Benfica Lissabon (21 Uhr/live in Dazn und RTL) erneut den Versuch. in ein europäisches Halbfinale einzuziehen. Es ist eine frische, unverbrauchte, fast fröhliche Mannschaft, die sich nicht gesucht, aber gefunden hat, die drauf und dran ist, an große Frankfurter Erfolge der Vergangenheit anzuknöpfen.

Und das mit einem Fußball, der nicht nur Fans das Herz im Leib vor Freude hüpfen lässt. Vor allem deshalb, weil zu Beginn dieser Saison nichts, aber auch gar nichts darauf hindeutete, dass gerade dieses Team derart durchstarten würde. Und, nebenbei, als einzige deutsche Mannschaft noch im internationalen Geschäft verblieben ist - nach stolzen acht Siegen in zehn Partien.

Fast ein Vierteljahrhundert also musste die Frankfurter Gemeinde auf diesen Moment warten. Alleine das zeigt das Besondere, das Außergewöhnliche des Erreichens dieses Viertelfinales, die Strahlkraft und das Interesse an diesen beiden Spielen ist enorm. Eintracht Frankfurt hat einen bemerkenswerten Imagetransfer hinbekommen, vom übel beleumundeten „Randalemeister“ zum deutschen Vorzeigeklub in der Europa League, selbst wenn einige unbelehrbare Chaoten den Fanauftritt in der Fremde zuweilen trüben – das ist schon eine Leistung, zumal in dieser kurzen Zeitspanne. Da ist im Klub gute Arbeit geleistet worden, der momentane Hype um Eintracht Frankfurt, der nahezu alle Bereiche umfasst, ist der Lohn.

Denn die Eintracht hat diesen Wettbewerb, hat diese Spiele im gleißenden Licht angenommen wie kaum eine andere Mannschaft in Europa, weil die Hessen mit derlei Auftritten in der Vergangenheit ja nicht gerade verwöhnt wurden. Eintracht Frankfurt ist ein Aufsteiger, ein Ehrgeizling, der es allen zeigen will, ein Emporkömmling, der das gerade mit so unendlich viel Mühe Erreichte unbedingt verteidigen will. Aus diesem exklusiven Zirkel wollen sie so schnell nicht mehr heraus. Die Reisen durch Europa empfinden sie als Bereicherung, nicht als Belastung. Und so schweben sie auf der Wolke der Begeisterung, weiter und immer weiter. Bis Baku?

Eintracht verdient gut in der Europa League

Finanziell ist das Frankfurter Solo auf der so geliebten europäischen Bühne ein voller Erfolg: Mehr als 25 Millionen Euro haben die Hessen bisher eingenommen, 2,92 Millionen Euro als Startgeld, dazu kommen 3,42 Millionen Euro an Prämien für sechs Siege in der Gruppenphase, gut vier Millionen für das Erreichen des Viertelfinales. 6,66 Millionen fließen aus dem Marketingpool, weitere 9,5 Millionen spülten die Zuschauer in die Frankfurter Kasse. Und sollten die Hessen tatsächlich auch Benfica Lissabon aus dem Wettbewerb werfen und ins Halbfinale einziehen, kämen mindestens weitere 2,4 Millionen Euro von der Uefa hinzu. Im Halbfinale träfen die Hessen übrigens auf den Sieger der Partie Slavia Prag gegen den FC Chelsea..

Aber so weit ist es noch lange nicht, selbst wenn halb Frankfurt, so zumindest der Eindruck, mehr oder weniger stillschweigend von einem Weiterkommen gegen den portugiesischen Abonnementsmeister ausgeht. Die Stimmungslage vor der Partie gegen Schachtjor Donezk und Inter Mailand war eine andere, eine deutlich vorsichtigere. Da rechneten viele mit einem Ausscheiden, ein Weiterkommen galt eher als faustdicke Überraschung – selbst wenn die Eintracht Mailand im Rückspiel klar dominiert hatte. Diese beiden Klubs hatten klar die Favoritenrolle inne, bei Benfica Lissabon, obzwar in der Champions League gestartet und unter anderem an Bayern München als Gruppendritter gescheitert, ist die Rollenverteilung eine andere.

Alles zum Spiel: Wiedersehen für Jovic, Vorfreude bei Trapp

„Unsere Chancen stehen 50 zu 50“ schätzt selbst Stürmerstar Luka Jovic eher konservativ, im Frankfurter Umfeld freilich ist die Zuversicht deutlich höher ausgeprägt. Die portugiesische Liga gilt als weniger gutklassig als die italienische, englische oder spanische. Und dass die drei Spitzenklubs Benfica Lissabon, FC Porto und Sporting Lissabon in aller Regel die Meisterschaft unter sich ausmachen, ist auch kein Qualitätsmerkmal. Und, so heißt es allenthalben weiter, wenn schon ein Haris Seferovic, der in Frankfurt während seiner drei Jahre eigentlich nur in der ersten Saison zu überzeugen wusste, zu den herausragenden Akteuren des aktuellen Tabellenführers der Liga NOS zählt, dann müsste Eintracht Frankfurt schon in der Lage sein, diesen Gegner zu bezwingen.

Oder nicht? Eines sollten die Frankfurter nicht tun: Benfica, ein mannschaftlich geschlossenes Kollektiv mit hochtalentierten Profis (siehe Artikel auf nächster Seite), zu unterschätzen. Hochmut kommt vor dem Fall. Dass portugiesische Klubs nicht ganz schlecht sind, noch dazu im Viertelfinale, haben die Hessen am eigenen Leib erfahren müssen: Vor fünf Jahren sorgte der FC Porto bereits im Sechzehntelfinale für das Ende aller Träume.

Zum Spiel

Lissabon: Vlachodimos – Almeida, Ruben Dias, Ferro, Alex Grimaldo – Pizzi, Jonas, Gabriel, Zivkovic – Joao Felix, Seferovic.

Frankfurt: Trapp - Abraham, Hasebe, Hinteregger - Rode, Willems, Fernandes - da Costa, Kostic - Rebic, Jovic.

Schiedsrichter: Anthony Taylor (England).

Es fehlen der Eintracht: Haller (Bauchmuskelzerrung), Tawatha (Sprunggelenk-OP), Chandler (Aufbautraining), Touré, Hrgota, Tuta (nicht gemeldet)

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