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Am Samstag noch für Milan in der Serie A gegen Brescia: André Silva (rechts).

Eintracht Frankfurt

Rebic und Silva: Spektakulärer Ringtausch bahnt sich an

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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt gibt auf den letzten Drücker Ante Rebic nach Mailand ab und erhält dafür André Silva.

Das Bundesligaheimspiel gegen Fortuna Düsseldorf hat sich der Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic dieses Mal nicht in voller Länge angeschaut, zum ersten Mal, seit er bei der Eintracht Verantwortung trägt, verpasste er ein paar Minuten. „Die Tore“, sagte er nach dem 2:1-Erfolg lachend, „habe ich aber mitbekommen.“ Bobics temporäre Absenz hatte natürlich seine Gründe, gewichtige Gründe, denn der Sportchef hat quasi während der Partie einen durchaus spektakulären Spielertausch eingefädelt. 

Ante Rebic wird den Klub demnach auf den letzten Drücker doch noch verlassen, der 25 Jahre alte Kroate schließt sich dem italienischen Renommierklub AC Mailand an. Dafür bekommt die Eintracht im Gegenzug von Milan den portugiesischen Nationalspieler André Silva.

Ante Rebic: Anzahl der Spiele könnte den Preis nach oben treiben

Beide Personalien sollen auf Leihbasis mit anschließenden Kaufoptionen vereinbart werden. Bei Rebic soll diese bei 30 Millionen Euro liegen und an eine bestimmte Anzahl an Spielen gekoppelt sein. Der 25-Jährige stand gestern schon nicht mehr im Kader der Eintracht, verfolgte das Spiel der Kollegen aber gemeinsam mit den Verantwortlichen auf den Vorstandsplätzen. Der Nationalspieler hatte sich bereits am Mittag bei seinen Mitspielern verabschiedet, den Schlusspfiff erlebte der Stürmer nicht mehr auf den Rängen mit, da hatte er sich bereits Richtung Flughafen aufgemacht, um nach Italien zu jetten. „Es war Antes großer Wunsch, sich Milan anzuschließen“, sagte Bobic. 

Damit ist die viel zitierte Büffelherde endgültig Geschichte, nach Luka Jovic (Real Madrid) und Sebastien Haller (West Ham United) hat sich nun auch Ante Rebic verändert. „So ist das im Fußball“, kommentierte Fredi Bobic lakonisch.

Eintracht Frankfurt bekommt Protugals Toptalent André Silva

Der Sportvorstand wirkte aber gar nicht so unglücklich über die veränderte Sachlage, was gewiss an dem neusten Zugang liegt. André Silva, vor drei Jahren für 38 Millionen aus Porto nach Mailand gekommen, gilt als „eines der größten Talente in Portugal“, wie Trainer Adi Hütter sagte. „Er ist ein technisch guter Spieler, der ein gutes Spielverständnis hat“, charakterisiert ihn Coach Hütter. „Er ist ein intelligenter Spieler, der gut in der Box ist, links und rechts abschließen kann.“ Der 23 Jahre alte Silva ist, keine Frage, ein gänzlich anderer Spielertyp als Ante Rebic, nicht so wuchtig und kantig, dafür fußballerisch sehr viel filigraner und geschmeidiger. 

Beim Spiel gegen Düsseldorf kam es zu einem Antisemitismus-Skandal*. 

„Ein Topspieler“, befindet Hütter. Schon seit vielen Wochen sei die Eintracht an dem Portugiesen dran gewesen, doch die Verhandlungen stockten aus einem einfach Grund: „Er war zu teuer“, wie Hütter anmerkte. Erst durch die Rebic-Personalie ist die Tür wieder aufgegangen und der Ringtausch möglich geworden. Auch Bobic ist voll des Lobes. „André ist ein toller Spieler, er wird eine andere Note in unser Spiel bringen, er hat unheimlich viel Potenzial.“ Silva war in der Vorsaison an den FC Sevilla ausgeliehen und hat dort in 27 Ligaspielen neun Tore gemacht (zwei Vorlagen). 

André Silva zu Eintracht Frankfurt - „Eine andere Note“ 

Ob der 33-fache Nationalspieler (15 Tore), der für die anstehenden Länderspiele nur auf Abruf nominiert ist, in Frankfurt sofort voll einschlägt, ist natürlich seriös nicht vorherzusagen. Dass die Eintracht aber grundsätzlich einen Spieler dieser Güte bekommt und dieser sich auch bewusst für den Frankfurter Bundesligisten entscheidet, zeigt den gestiegenen Stellenwert des Vereins und die neuen Möglichkeiten. 

Deadline-Day in der Bundesliga: So hat die Eintracht in den letzten Jahren eingekauft

Klar scheint indes, dass sich das Eintracht-Spiel durch den Tausch verändern wird, es wird gewiss an Geradlinigkeit und Power verlieren, aber an spielerische Finesse und Variabilität gewinnen. Zumal Rebic in den vergangenen Monaten doch recht wankelmütig auftrat, man konnte sich nie sicher sein, wie er sich präsentieren würde. „Ich bin nicht sauer“, sagte Fredi Bobic, räumte aber ein, dass die generelle Unzufriedenheit des Kroaten schon nicht so einfach für die Gesamtsituation gewesen sei. „Er war oft launisch“, sagte Bobic. 

Fredi Bobic lobt Ante Rebic: „Drei überragende Jahre“

Und doch sah es in der vergangenen Woche noch so aus, als würde der fast 26-Jährige bleiben, weil es einige fruchtbare Gespräche mit dem oft so bockigen Akteur gab und kein konkretes Angebot vorlag. Die Tür nach Italien ging noch mal auf, in die Angelegenheit kam erst spät, aber dann eine gewaltige Dynamik. Bobic erinnerte zum Abschied auch an die Verdienste des Pokalhelden von 2018. „Er hat hier drei überragende Jahre gehabt und Meilensteine gesetzt mit der Art, wie er Fußball spielt“, befindet Bobic. Auch bei den Fans sei er höchst beliebt gewesen, „und das soll so bleiben“.

Filigran und torgefährlich: Das ist André Silva*

 Auch Hütter lobte seinen Angreifer zum Abschluss: „Schade, dass er geht, er hat hier Spuren hinterlassen und gezeigt, dass er ein außergewöhnlicher Spieler sein kann.“ Und doch wirkte der Coach in den vergangenen Wochen ein wenig genervt von dem Theater um Rebic. Der sich übrigens, auch kurios, mit einer – gegen Straßburg erhaltenen – Roten Karten aus Frankfurt verabschiedet hat. Irgendwie auch typisch für die Eintracht-Episode des eigenwilligen Ante Rebic.

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