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Filip Kostic konnte sich gegen Arsenal nicht entscheidend durchsetzen.

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt im Spätsommer 2019: Unfertig und unausgewogen

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Eintracht Frankfurt betreibt gegen den FC Arsenal viel Aufwand, aber stößt an die eigenen Grenzen.

Frankfurt - Der Frankfurter Medienbeauftragte Marc Hindelang wusste zwar, dass diese unglückselige Europapokalpartie gegen den FC Arsenal im Nachgang nicht mehr zu drehen sein würde, so ein 0:3 sitzt ja schon tief drin im Pelz und in der Statistik ebenso, der Eintracht-Sprecher wusste aber auch, wer den ultimativen Trost spenden könnte, wer sonst, außer Stepi? Also holte Hindelang das serbohessische Unikum Dragoslav Stepanovic ins Boot, ganz zum Ende der Pressekonferenz: „Stepi, was würdest du nach einem 0:3 sagen?“ Die Antwort im besten Bariton und raumfüllend, nur einmal raten bitte: „Lebbe geht weider.“ Da konnte auch Adi Hütter schon wieder lächeln, ein kleines bisschen zumindest.

Der Eintracht-Trainer befindet sich derzeit in einem komischen Spannungsfeld, sein Team macht nicht so viel falsch, aber auch nicht genug richtig, um belohnt zu werden. Irgendwie ist das alles nicht schlecht, beileibe nicht, aber auch nicht wirklich gut, so irgendwie mittendrin, nicht im Einklang. Der Stand der Eintracht im Frühherbst 2019 ist schwer zu greifen. Mitten hinein in diese Unausgewogenheit platziert der österreichischen Fußballlehrer aber seine Kernbotschaft, die er nach insgesamt zwölf Pflichtspielen fast beiläufig ablässt: „Momentan müssen wir kleinere Brötchen backen.“

Eintracht Frankfurt: Niederlage gegen FC Arsenal zu hoch ausgefallen

Die Niederlage gegen das Spitzenteam von der Insel ist gewiss keine, die einen gewachsenen Klub ins Wanken bringen würde, diese Schlappe ist Ausdruck der derzeitigen Kräfteverhältnisse, wobei das Resultat zu hoch ausgefallen ist: „Ergebnis und Leistung passen nicht zueinander“, findet Coach Hütter. Doch der Sieg der Engländer war verdient, sie stellten die cleverere, abgebrühtere und gewiss auch qualitativ hochwertigere Elf mit besseren Individualkönnern. Das ist Fakt, daran gibt es auch nichts zu rütteln.

Es ist nicht so, dass die Eintracht enttäuscht hätte, sie hat Paroli geboten, war feldüberlegen, holte elf Ecken raus und schoss 24 Mal aufs Tor. Doch dazu war eine Menge Aufwand nötig. „Wir haben ein sehr ordentliches Spiel gemacht“, sagt Hütter. „Wir hatten unglaublich viele Möglichkeiten.“

Das stimmt einerseits, andererseits aber nicht so ganz. Die Frankfurter hatten nicht die ganz dicken Chancen, die hatten eher die Gunners. Der größte Unterschied zum Vorjahr indes: Der Eintracht fehlt gerade vor des Gegners Kasten das Zwingende, das Unbedingte, das Konsequente. Das liegt, ganz klar, daran, dass die Tormaschinen Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic weitergezogen und nicht en passant zu ersetzen sind.

Eintracht Frankfurt: „Büffelherde“ fehlt

Das Dreigestirn hat in der vergangenen Saison 41 Bundesligatore geschossen und 19 Vorlagen gegeben, auf europäischem Geläuf kommen noch mal 16 Tore hinzu – macht insgesamt 57 Treffer. Holla, die Waldfee. Hütter weiß, dass diese Flut an eigenen Toren nur schwer zu kompensieren sein wird, sie fehlen einfach. Der 49-Jährige erinnert aber daran, dass man selbst in der vergangenen Saison nicht alles und jeden in Grund und Boden gespielt habe, sondern „dass wir im richtigen Moment mal das Glück hatten. Wir haben aus wenigen Chancen unsere Tore gemacht.“ Auch das ist ein Qualitätssiegel für die abgewanderten Topangreifer. Hütter will nun mit seinen aktuellen Stürmern „hart daran arbeiten, dass sie bald einmal treffen“.

Der Coach bittet, und das absolut zu Recht, um „Zeit und Geduld“. Die neue Sturmreihe muss zueinander finden und sich einspielen. „Sie haben schon bewiesen, dass sie Tore schießen können. Der Knoten muss einfach platzen.“ Zurzeit deutet gerade André Silva an, dass er Potenzial hat. Etwas verwunderlich ist hingegen der nicht gerade optimale Fitnessstand bei Sturmtank Bas Dost, der doch erhebliche Mühe hat, auf diesem Niveau mitzuhalten. Das räumt der 30-Jährige selbstkritisch ein: „Es nervt mich, dass ich physisch noch nicht da bin, wo ich sein müsste.“ Hütter war über die mäßigen Werte des Niederländers „erstaunt“, in Portugal habe er nicht so trainieren können, wie er es müsste. „Das kann man auch in drei Wochen nicht aufarbeiten. Wichtig ist aber, dass er das selbst erkennt.“

Hütter ist dessen ungeachtet wichtig, „dass wir uns Chancen herausarbeiten“. Das hört sich banal an, ist es aber nicht: Wer nämlich nicht in der Lage ist, sich Torgelegenheiten zu erspielen, hat in aller Regel ein Qualitätsproblem. Das hat die Eintracht alles in allem nicht, aber sie ist noch immer unfertig, auf der Suche, vieles passt noch nicht zusammen. Sie ist gewiss nicht im Flow, in dem vieles von alleine geht. Sie muss sich alles hart erarbeiten. Dieser Prozess braucht eine gewisse Zeit.

Eintracht Frankfurt: Defensive als Schwachpunkt

Hütter ist gefordert, seiner Mannschaft Leitplanken aufzustellen und ihr Hilfestellung zu geben. Denn offensichtlich ist auch, dass die gesamte Statik des Spiels schief ist, die Abstände stimmen oft nicht, die Mannschaftsteile klaffen zu weit auseinander, was – gerade gegen schnelle Gegner – immer wieder zu brandgefährlichen Situationen führt. „Wir müssen unsere Balance finden“, sagt der Fußballlehrer. „Wir brauchen eine bessere Struktur und Ordnung.“ Das hat nicht nur mit der Abwehr zu tun, wenngleich der Formverfall von Kapitän David Abraham bedenklich ist. Da sollte der Coach wirklich überlegen, ob er nicht den jungen Evan Ndicka wieder aufbauen und ins Team zurückholen und dafür Martin Hinteregger nach rechts auf Abrahams Position beordern will. „Uns fehlt die letzte Konsequenz – vorne und hinten“, sagt Routinier Makoto Hasebe, der schon nach der Pleite in Augsburg die rechte Abwehrseite als Problem ausgemacht hatte. Da stimmt die generelle Abstimmung zwischen Danny da Costa und Abraham nicht mehr.

Bas Dost: Adi Hütter überrascht von schwachem Fitness-Zustand

Auch in der Mitte hat Hütter noch keine optimale Besetzung gefunden, er baute jetzt zwei Mal auf Neuzugang Djibril Sow, der in Augsburg schwächelte und gegen Arsenal in Halbzeit eins zwei kapitale Fehlleistungen einstreute, nach denen es fast im eigenen Kasten geklingelt hätte. Der Schweizer, das ist positiv, hat sich aber gefangen und später angedeutet, dass er sehr viel mehr kann, als er bisher gezeigt hat. Hütter verteidigt den 22-Jährige vehement, wenn einer schon am Boden liege, „steige ich nicht drauf, dann helfe ich noch mehr, dann reiche ich die Hand“. An Sow, sagt Hütter beinahe trotzig, „werden wir noch viel Freude haben“.

Sebastian Rode wird zunächst nicht helfen können, sein Knie ist genau an der Stelle lädiert, an dem der Knorpel herausgebrochen war. Die MRT-Bilder aber hätten Entwarnung gebracht, Rode ist zur Sicherheit dennoch zu seinem Operateur gefahren. „Ich bin froh, dass am Knorpel nichts ist“, bekundet Hütter. „Das wäre fatal gewesen.“ Rode wird dennoch einige Zeit fehlen.

Reaktionen der SGE-Fans zum Arsenal-Spiel: "Die Defensive wackelt bedenklich"

Ohne Rode gilt es nun, Borussia Dortmund am Sonntag (18 Uhr) die Stirn zu bieten. „Wir müssen jetzt im Kopf schnell umschalten“, fordert Makoto Hasebe. Doch Vorsicht: Schwächer als Arsenal ist der BVB eher nicht.

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