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Steven Zuber, Schweiz. AFP
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Steven Zuber, Schweiz. AFP

Zuber, Trapp und Co.

Eintracht Frankfurt: So schlagen sich die EM-Fahrer

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Steven Zuber setzt mit drei Vorlagen ein Ausrufezeichen, andere sitzen nur auf der Bank: So schlagen sich die Nationalspieler von Eintracht Frankfurt bei dieser EM.

Kurz vor dem Abflug der Schweizer Nati nach Baku in Aserbaidschan, wo das Auftaktspiel der EM 2021 gegen Wales gespielt wurde, ist Steven Zuber in Zürich an seinem freien Tag noch mal fein essen gegangen, in die Kronenhalle. Das ist ein sehr bekannter Gourmettempel in der Rämistraße 4, und natürlich hat Zuber dort nicht nur gespeist, sondern auch Fotos machen lassen, er im Kreise der Edelköche. Das sollte eigentlich nicht sein in Corona-Zeiten wie diesen, Coach Valdimir Petkovic hatte gehofft, sein Team würde sich, wie gewünscht, ausschließlich im Kreise der Familie bewegen. Hat nicht geklappt, Granit Xhaka, der Schweizer Kapitän, fand es zudem eine gute Idee, sich kurz vor dem Abflug noch ein Tattoo stechen zu lassen.

Der Auftakt ist den eidgenossischen Kickern dann ein wenig missraten, 1:1 gegen Wales, 0:3 gegen Italien - kein Wunder, dass es selbst aus der beschaulichen Schweiz Kritik hagelte, zumal auch das Einfliegen eines Friseurs nicht so gut angekommen war. „Wir sind Manns genug, um uns dieser Kritik, zu stellen“, hatte dann vor dem Türkei-Spiel Steven Zuber zerknirscht gesagt. Es kochte im Schweizer Lager, im Kessel war ordentlich Druck.

Aber die Nati hielt diesem Druck stand, und wie.

EM 2021: Steven Zuber sticht heraus

Und es stach neben dem bald so breiten wie hohen Doppeltorschützen Xherdan Shaqiri in erster Linie ein Spieler heraus, der bisher an den Rand gedrängt war und keine Rolle spielte, weder in seinem Verein Eintracht Frankfurt, noch bei den Schweizern: Steven Zuber. Dieser 29 Jahre alte gebürtige Winterthurer, der sein bislang bestes seiner 38 Länderspiele machte, bereitete alle drei Tore von Haris Seferovic, ebenfalls einst bei der Eintracht, und Shaqiri, mustergültig vor. Besonders der feine Pass zum 3:1-Endstand war einer zum Zunge schnalzen, auch sonst war Zuber prächtig ins Spiel eingebunden, spulte viele Kilometer herunter und schoss zudem gefährlich aufs Tor.

Und: Drei Vorlagen in einem EM-Spiel hatten seit Erfassung der Daten zuvor lediglich zwei Spieler geschafft, Michael Laudrup aus Dänemark und Filigrantechniker Rui Costa aus Portugal. „Der Frankfurt-Legionär ist jenes unberechenbare Element im Spiel der Schweizer, das zuvor so vermisst wurde“, lobte anderntags die „Luzener Zeitung“ und vergab die Bestnote. Es war eine regelrechte Auferstehung.

Denn Steven Zuber hat keine gute Saison hinter sich. Bei Eintracht Frankfurt ist er Reservist, kam, seitdem Filip Kostic wieder fit ist, nur zu 13 Einsätzen, in aller Regel für die letzten Minuten. In Frankfurt kommt der Schweizer nicht am Serben vorbei, er ist ja ein völlig anderer Spieler, keiner, der die Linie losrennt. Zuber möchte den Ball in den Fuß gespielt bekommen, er hat eine gute Technik, ist beidfüßig, aber ein Sprinter ist er nicht. Ihm fehlt es an der Dynamik.

EM 2021: Unglücklicher André Silva

Und der Mann, der im Sommer im Tausch mit Mijat Gacinovic von der TSG Hoffenheim gekommen war, ist dennoch keiner, der sich hängen lässt, der schlechte Laune verbreiten würde. Wenn er eingewechselt wurde, gab er Vollgas. Gegen Union Berlin etwa bereitete er den letzten Treffer von Timothy Chandler vor, dafür hatte er nur 13 Minuten Zeit. Das ist aber eine Qualität des 29-Jährigen, der auch bei Grasshoppers Zürich, dem VfB Stuttgart und ZSKA Moskau gespielt hat: Er braucht keine lange Anlaufzeit.

Auch bei den Eidgenossen zählt er nicht zum Stammpersonal: Gegen Italien kam er nach einer knappen Stunde ins Spiel und hatte prompt die einzige Torchance der Schweizer. Nach der formidablen Vorstellung vom Sonntag in Baku dürfte sich Steven Zuber einen Platz in der Schweizer Startelf in einem möglichen Achtelfinale gesichert haben.

Martin Hinteregger, Österreich. afp

EM 2021: Martin Hinteregger spielt tragende Rolle

Und wie ist es den anderen Nationalspieler von Eintracht Frankfurt bisher ergangen? Sieben insgesamt sind ja bei dieser Europameisterschaft am Ball, mehr oder weniger. Eine tragende Rolle spielt bei diesem paneuropäischen Turnier eigentlich nur noch Martin Hinteregger, der in der österreichischen Auswahl gesetzt ist. Selbst wenn er sich im Auftaktspiel gegen Nordmazedonien einen kleinen Bock geleistet hat, und den Ausgleich des Außenseiters mitverschuldet hat, so ist der kompromisslose Stopper im Team Austria eine Bank. Der Kärntner ist aufgrund seiner Qualität gesetzt, bei Österreich und bei der Eintracht, für die er in der abgelaufenen Runde 31 Pflichtspiele absolvierte. Landsmann Stefan Ilsanker, der in Frankfurt immerhin für ein paar Partien richtig gut agierte, spielt dagegen bei der EM kaum eine Rolle.

Ähnlich ergeht es Djibril Sow: Seine EM-Bilanz nimmt sich bescheiden aus: Drei Spiele, sechs Minuten Spielzeit. Das ist nicht viel. Er kommt im Schweizer Mittelfeld nicht an den internen Konkurrenten vorbei. Weniger Minuten haben bislang nur die beiden Torleute Kevin Trapp und Frederik Rönnow. Trapp ist ja in dieses Turnier gegangen mit dem festen Ziel, die unumschränkte Nummer zwei - hinter Manuel Neuer - zu werden. Hat nicht ganz geklappt, im ersten Spiel war er nur dritte Wahl beim DFB-Team, Bernd Leno (FC Arsenal) wurde von Bundestrainer Joachim Löw als zweiter Mann nominiert. Ähnlich ergeht es Rönnow bei den Dänen, er ist Nummer drei hinter dem unangefochtenen Kasper Schmeichel und Jonas Lössl. Und in Frankfurt ist die Konkurrenz für Rönnow nach der EM ähnlich groß. Neben Trapp und ihm stehen dann noch Elias Bördner und der kürzlich verpflichtete Diant Ramaj fürs Tor unter Vertrag.

André Silva, Portugal. afp

EM 2021: Unglücklicher André Silva

Einen denkbar undankbaren Part ist André Silva bei den Portugiesen zugewiesen. Der mit 28 Treffern zweitbeste Bundesligatorschütze kam zweimal in den letzten Minuten zum Einsatz, blieb ohne Wirkung. Sein Nachteil ist, dass die Konkurrenz in der portugiesischen Offensive mit Ronaldo, Diogo Jota, Bernado Silva, Rafa Silva und den bislang noch gar nicht eingesetzten Joao Felix enorm stark ist. Ins EM-Schaufenster konnte sich André Silva also noch nicht stellen. (Thomas Kilchenstein)

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