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Adi Hütter fehlt ein bisschen Spannung.

Eintracht Frankfurt

SGE - wo sind nur die Tore hin?

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Das Eintracht-Frankfurt-Team von Adi Hütter muss zum Bundesligaauftakt gegen die TSG Hoffenheim schnellstens in einen anderen Modus schalten. Ein Kommentar.

Nach dem fünften Sieg im fünften Pflichtspiel hat der Fußballtrainer Adi Hütter beinahe beiläufig einen Satz fallenlassen, der aber viel über Eintracht Frankfurt in der Neuzeit aussagt. „Vielleicht“, unkte er nach dem grauen 1:0 gegen die Leichtgewichte aus Vaduz, „vielleicht hat uns ein bisschen die Spannung gefehlt.“ Und weiter: „Die Mannschaft ist aber bekannt dafür, dass sie Spannung und Druck braucht, um erfolgreich zu sein.“ Nicht nur, aber auch auf diesem Sektor mit weichen Faktoren wie geistiger Frische und Bereitschaft hat die Eintracht zurzeit Nachholbedarf.

Die aktuelle SGE ist nicht so stark wie jene aus der Vorsaison

Die vier Europa-League-Quali-Partien gegen Tallinn und Vaduz waren keine Gradmesser, eher eine Art Schaulaufen, Bewegungstherapie im Wettkampfmantel, und als die Mannschaft dann einmal etwas stärker gefordert wurde, in Mannheim beim aufmüpfigen Drittligisten SV Waldhof im Pokal, da fanden die Frankfurter eine gute halbe Stunde gar keine Einstellung zum Spiel.

Das Team von Adi Hütter muss zum Bundesligaauftakt gegen die TSG Hoffenheim schnellstens in einen anderen Modus schalten, aggressiver, bestimmender, überzeugter sein, es muss wieder zu einer schnellen Eingreiftruppe mit dem nötigen Fighting Spirit mutieren. Die Hessen waren in der vergangenen Saison auch deshalb erfolgreich, weil sie Mentalität und Willenskraft über die Maßen auf den Platz brachten und nicht, weil sie die Gegner fußballerisch zerlegten. Da ging viel über Power, Dynamik – und die drei Wuchtbrummen im Sturm, von denen zwei (Luka Jovic und Sebastien Haller) mittlerweile woanders büffeln und der dritte im Bunde (Ante Rebic) nicht so recht weiß, ob er wirklich noch so viel Lust hat, sich als Alleinunterhalter zu verdingen.

Bescheiden bleiben

Die drei Granden haben in der alten Spielzeit zusammen 57 Pflichtspieltreffer erzielt und 28 Vorlagen gegeben. Das sind 85 Torbeteiligungen – eine schier unfassbare Zahl. Allein Jovic und Haller waren an 69 Treffern (47 Tore, 22 Vorlagen) beteiligt. Die Kardinalfrage: Wie und von wem soll das denn bitte schön kompensiert werden?

Die aktuelle Mannschaft ist – Stand jetzt – gewiss nicht so stark wie jene aus der Vorsaison. Klar, wichtige Leistungsträger wie Nationaltorwart Kevin Trapp, Abwehrkante Martin Hinteregger und Mittelfeldantreiber Sebastian Rode konnten nach zähem Ringen gehalten werden, auch im Mittelfeld sind mit Dominik Kohr oder Djibril Sow sinnvolle Alternativen hinzugewonnen worden. Doch der so dringend benötigte Ersatzmann für Jovic und Haller fehlt noch immer, obwohl Mister X bis zum Bundesligaauftakt eigentlich am Start hätte sein sollen. Das ist verwunderlich, es war ja wahrlich keine Überraschung, dass beide das Weite suchen würden; im Übrigen liegt der Wechsel Hallers auch schon einen Monat zurück. Nun ist das Play-off-Spiel in Straßburg als Fixtermin für den neuen Knipser vorgesehen.

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Andere Klubs, die zugegebenermaßen potenter sind, waren da deutlich schneller, Leverkusen, Leipzig, Gladbach oder auch Wolfsburg haben ganz schön aufgerüstet. Insofern sollten sie in Frankfurt den steten Rückenwind zwar mitnehmen, aber bescheiden bleiben und die Erwartungshaltung nicht ins Unermessliche wachsen lassen. Der Verein ist, gerade in der Region, en vogue, er hat national und international Reputation und Sympathiepunkte gewonnen. Doch sollte die Eintracht die vergangene Saison auch nur annähernd bestätigen können, wäre das ein beachtlicher Erfolg. Es wird schwer genug.

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