Rein ins Glück: David Abraham köpfte das zwischenzeitliche 2:0, erst sein fünftes Bundesligator der Karriere. afp
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Rein ins Glück: David Abraham köpfte das zwischenzeitliche 2:0, erst sein fünftes Bundesligator der Karriere.

Gewankt, aber nicht gefallen

Eintracht Frankfurt: Sieg gegen Schalke wahrt Chance auf Europa

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt fährt einen hochverdienten 2:1-Sieg gegen den kriselnden FC Schalke 04 ein, wahrt damit die kleine Chance auf Platz sieben, muss am Ende aber doch zittern.

Ganz zum Schluss hielt es den Schalker Schlussmann Alexander Nübel nicht mehr in seinem Kasten. Mit langen Schritten eilte der Bald-Münchner mit nach vorne, die Gelsenkirchener hatten noch einen letzten Eckball erkämpft, 2:1 führte die Eintracht hochverdient, doch sie wankte etwas, und der Ex-Eintrachtler Bastian Oczipka brachte die Kugel hinein. Die Flanke wurde lang und länger, in der Mitte ging Nübel hoch, doch an den Ball kam der Keeper nicht, er rauschte über die Köpfe hinweg. Nix war’s.

Dann schließlich, nach vier Minuten Nachspielzeit, war Feierabend und Eintracht Frankfurt fuhr zwar einen knappen, aber absolut gerechtfertigten 2:1 (1:0)-Erfolg ein, der eigentlich deutlich höher hätte ausfallen müssen und die Kräfteverhältnisse nicht mal ansatzweise widerspiegelte.

Eintracht Frankfurt bleibt im Rennen um die EL-Plätze

So bleibt die Eintracht noch im Rennen um Platz sieben, wahrte ihre Mini-Chance auf den Europapokal. „Viel spricht nicht dafür“, räumte Mittelfeldspieler Sebastian Rode ein: „Aber wir geben alles und müssen hoffen.“ Martin Hinteregger flankierte: „Unser Ziel müssen jetzt sechs Punkte sein, wir wollen unsere Arbeit tun, haben die Chance auf Europa und wollen sie packen.“ Die Leistung gegen Schalke ordnete der Österreicher treffend ein: „Bis zum 1:2 war es überragend von uns. Dann haben wir sie mit einer Unachtsamkeit aufgeweckt, so dass sich bei uns anschließend Fehler eingeschlichen haben.“ Bestraft wurden die Nachlässigkeiten aber nicht.

Ins leere Stadion hatte es auf Einladung auch Heribert Bruchhagen geschafft, der in grauer Vorzeit mal Schalker Manager war und sehr viel länger der Eintracht vorstand. Dem 71-Jährigen, der erstmals einem Geisterspiel beiwohnte, war die Stippvisite in die alte Heimat sehr recht, da sein Heimatort Harsewinkel im Zuge des massiven Corona-Ausbruchs im nahen Schlachthof Tönnies überproportional vom Virus betroffen sei. Schalke-Macher Clemens Tönnies verzichtete aufgrund der aktuellen Entwicklungen auf einen Besuch im Stadion. Anschließend verabschiedete sich Bruchhagen mit seiner Ehefrau in den Kurzurlaub an die Nordsee.

Eintracht Frankfurt war Schalke überlegen

Der alte Fahrensmann bekam lange Zeit eine höchst einseitige Partie zu sehen, die Eintracht war den zu Saisonbeginn so hoch fliegenden und mittlerweile brachial abgestürzten Gelsenkirchenern turmhoch überlegen, mindestens eine Klasse, sie war griffig und hellwach, nahm von Beginn an das Zepter in die Hand. Die Platzherren, seit fünf Pflichtspielen in der heimischen Arena sieglos, schnürten die Königsblauen in deren Hälfte ein, die Frankfurter zogen ein astreines Powerplay auf, die Ballbesitzquote lag zwischenzeitlich bei 75 Prozent.

Wer die Schalker Mannschaft bei ihren tumben Bemühungen beobachtete, der konnte sich leicht ausmalen, weshalb sie seit nun schon 14 Spielen auf ein Erfolgserlebnis in dreifacher Punkteausführung wartet. In dieser Verfassung würden die Knappen auch in der zweiten Liga nicht viele Spiele gewinnen. Da bleibt sicher auch die Frage, ob es eine allzu gute Idee von Trainer David Wagner war, ein solch blutjunges Ensemble ins Rennen zu schicken, nur zwei Akteure (Alessandro Schöpf, 26, und Oczipka, 31) waren älter als 23.

Die Frankfurter spielten sehr seriös und konzentriert, zeigten deutlich auf, dass sie die Mini-Chance im Kampf um Platz sieben zumindest am Leben erhalten wollte. Hinten lief Kapitän David Abraham die Bälle ab, Makoto Hasebe baute das Spiel auf, links marschierte der stark formverbesserte Filip Kostic die Linie auf und ab, im Mittelfeld zog Kreativkopf Daichi Kamada geschickt die Fäden und spielte im ersten Abschnitt nicht einen Fehlpass, und vorne machte André Silva das, was er zuletzt immer machte: Er schoss den Ball ins Tor. Und zwar in der 28. Minute. Da veredelte er einen Bilderbuchkonter mit dem 1:0. Tief in der eigenen Hälfte hatte Kostic seinem Widerpart Jonjoe Kenny den Ball mit einem resoluten Körpereinsatz abgenommen, er passte auf Kamada, der perfekt weiterleitete auf Silva. Der Torjägerbewahrte die Ruhe und vollendete. Der elfte Saisontreffer und der siebte nach der Corona-Pause. Bemerkenswert.

Grandiose Rettungstat von David Abraham

Schon vorher hätte die Eintracht in Front liegen müssen, doch gerade Kamada ließ einige Möglichkeiten liegen (17., 18., 21.), auch Danny da Costa vergab aussichtsreich (16.), später noch einmal Kamada, der zwar erneut bärenstark auftrat, sich aber einmal nicht im Griff hatte. Nachdem ihm Weston McKennie über viele Meter am Trikot gezerrt hatte, ließ der Japaner seinen Ärger am Ball aus, bolzte ihn nach dem Freistoßpfiff von Schiedsrichter Guido Winkmann einfach weg und traf Ozan Kabak am Oberkörper. Die folgende Gelbe Karte wird der Eintracht wehtun, denn Kamada wird dem Team am Samstag in Köln fehlen.

Die Hessen machten auch im zweiten Abschnitt da weiter, wo sie zuvor aufgehört hatten, mit Einbahnstraßenfußball. Schon nach fünf Minuten im zweiten Durchgang zappelte die Kugel zum zweiten Mal im Kasten von Torwart Nübel, einen Freistoß von Kostic wuchtete Spielführer Abraham per Kopf ins Netz. Mehr als verdient.

Und dann passierte das, was zwar oft passiert, sich dieses Mal aber nicht mal im Ansatz angedeutet hatte. Schalke 04, bis dahin die Ausgeburt der Harmlosigkeit, erzielte urplötzlich einen Treffer. Nach einem sinnlosen Foul von Stefan Ilsanker an der Seitenauslinie brachte Schöpf den Freistoß in die Mitte, den McKennie ins Tor wuchtete (59.). „Das hat uns zurückgeworfen“, befand Rode. „Danach hätten wir abgebrühter sein müssen.“ Waren sie aber nicht. Kamada (68.) und Silva (79.) hatten zwar noch hundertprozentige Chancen, doch auf einmal wackelten die Frankfurter, die nach der Roten Karte gegen Can Bozdogan sogar eine gute Viertelstunde in Überzahl spielten.

Einmal hätte es klingeln müssen in der Kiste von Kevin Trapp, aber David Abraham wehrte den Schuss von Michael Gregoritsch auf der Linie per Kopf ab (75.). Am Ende fiel die Eintracht nicht und fuhr einen Sieg ein, der die vage Hoffnung auf die Europa League am Leben hält – hochverdient war er sowieso.

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