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21.02.2019: Fahnen der Fan-Choreographie sammeln sich in einem Durchgang unter dem Fanblock.

Eintracht Frankfurt

Land Hessen muss zahlen: Schmerzensgeld für Eintracht-Fan

Von Polizisten über Bande gestoßen: Eintracht-Fan wird Schmerzensgeld zugesprochen.

Ein bei einem Polizeieinsatz im Stadion verletzter Fan von Eintracht Frankfurt hat Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld in Höhe von 7000 Euro. Zu diesem Urteil kam das Landgericht Frankfurt am Mittwoch.

Der betroffene Eintracht-Fan war beim Spiel gegen Schachtjor Donezk in der Europa League am 21. Februar 2019 von zwei Polizisten über eine Bande gestoßen worden und unglücklich aufgekommen. Dabei erlitt er einen Lendenwirbelbruch.

Anhänger von Eintracht Frankfurt hatten ein großes Transparent „mit unangemessener Aufschrift“ ausgelegt, hieß es in einer Pressemitteilung des Landgerichts. Die Polizisten seien daraufhin in den Block gegangen, um das Plakat zu entfernen.

Eintracht Frankfurt: Beamten haben „ihre Amtspflichten verletzt“

Dies wollte der später geschädigte Fan verhindern und schritt den Beamten entgegen. Ein Polizist schubste den Anhänger zur Seite, woraufhin dieser keinen Widerstand mehr leistete. Dennoch stießen zwei Beamte den Fan, sodass dieser über die Bande stürzte.

„Von dem Kläger ging ab dem Zeitpunkt keine Gefahr mehr aus, als er nach dem Stoß des ersten Beamten an der Bande stand. Weder drohte der Kläger erneut den Abtransport des Banners zu behindern, noch Polizeibeamte anzugreifen“, betonte das Gericht. Die beiden Beamten hätten das erkennen müssen, so jedoch hätten sie „ihre Amtspflichten verletzt“.

Eintracht Frankfurt: Fan sechs Tage im Krankenhaus

Der gegen das Land Hessen klagende Mann musste nach dem Vorfall sechs Tage im Krankenhaus behandelt werden und war danach sechs Wochen lang krankgeschrieben. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Das Land Hessen kann Berufung vor dem Oberlandesgericht Frankfurt einlegen. (skr/sid)

Rückblende:

Waldstadion Frankfurt, 21. Februar 2019. Im Sechzehntelfinale der Europa League trifft Eintracht Frankfurt auf Schachtjor Donezk aus der Ukraine. Das Hinspiel ist 2:2 ausgegangen, Eintracht-Präsident Peter Fischer ist angespannt. In einem Fernseh-Interview fordert er vollen Einsatz der Fans. Das Stadion „müsse brennen“, sagt Fischer in die Kameras. Eine auch aus Sicht der Eintracht-Verantwortlichen sehr unglückliche Formulierung. Schließlich läuft gerade – ebenfalls von Beuth initiiert – eine Debatte über Pyrotechnik in den Stadien; und die Eintracht-Fans zündeln gern und oft. 

Empörung über Transparent

Insbesondere die Ultras der Eintracht sind empört und wollen ein Transparent aufhängen: „Beuth, der Ficker fickt zurück“. Die Polizei sieht das Spruchband, wertet es als Beleidigung des Innenministers und stellt es sicher. Dabei gehen die Beamten kompromisslos vor. Sie stoßen einen Fan über die Werbebande, der mit einem gebrochenen Lendenwirbel ins Krankenhaus kommt.

Ein Video von dem Einsatz wird in den sozialen Medien tausendfach geteilt. Die Empörung ist groß. Viele Fans gehen davon aus, Beuth persönlich habe die Durchsuchung und auch die Sicherstellung des Banners angeordnet. Doch der Innenminister sagt, er habe von dem Einsatz gar nichts gewusst, und der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill verteidigt das ruppige Vorgehen seiner Beamten. (geo)

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