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Der Erfolg in London kann erst ein Zwischenschritt sein.

Kommentar

Eine Mannschaft zwischen hui und pfui: Die zwei Gesichter von Eintracht Frankfurt

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Eintracht Frankfurt ist noch weit von Konstanz entfernt. Es dürfte noch eine Weile wechselhaft für die Hessen weitergehen. Ein Kommentar.

Bei den Verfilmungen der fiktiven Superhelden-Reihe Batman gibt es eine bemerkenswerte Rolle, jene von Harvey Dent alias Two-Face, dem Mann, der nicht nur optisch, sondern auch im übertragenen Sinne zwei Gesichter hat, der wahlweise einen rechtschaffenen Staatsanwalt oder einen bedrohlichen Schurken verkörpert. So richtig vermag da niemand durchzublicken, welche Charakteristik sich in welchem Moment durchsetzt. 

Was das alles mit Fußball zu tun hat und vor allem mit Eintracht Frankfurt? Eigentlich nichts, und doch irgendwie einiges. Denn natürlich pendeln die Profis aus dem Hessenland nicht ständig zwischen lieb und böse, sehr wohl aber offenbaren sie in dieser Saison riesige Formschwankungen zwischen gut und schlecht.

Eintracht Frankfurt: Arsenal war ein Paradebeispiel für die wechselhafte Saison

Da sind einerseits die enttäuschenden Leistungen gegen Teams wie Augsburg, Gladbach oder Wolfsburg. Und andererseits scheinen die Fußballer vom Main stets in der Lage zu sein, Glanzlichter rauszupfeffern – gegen stark eingeschätzte Truppen aus der Bundesliga, Dortmund oder Leverkusen etwa, gegen den Branchenführer des deutschen Fußballs überhaupt, den FC Bayern, und nicht zuletzt gegen namhafte internationale Konkurrenz. Der 2:1-Erfolg beim FC Arsenal war mal wieder so ein Höhepunktspiel und im Grunde das Paradebeispiel für die insgesamt wechselhafte Saison. Die erste Hälfte pfui, die zweite hui.

Kann Eintracht Frankfurt in Mainz nachlegen?

Nun stellen sich die Fragen, die sich schon nach den herausragenden Siegen gegen Leverkusen und den FC Bayern stellten: Kann dieser Coup von London eine Initialzündung für die restliche Runde sein, oder zumindest für die verbleibenden sechs Partien bis zur Winterpause? Kann die Mannschaft ihre zweifelsohne vorhandenen Fähigkeiten weitestgehend konstant in mehreren Spielen nacheinander auf den Rasen bringen? Kann die Eintracht am Montagabend in der Liga beim Angstgegner Mainz 05 nachlegen? Ist der Flow jetzt da? Die Antworten kennt niemand, sie lassen sich nur erahnen.

Eintracht Frankfurt ist noch nicht konstant genug

Trotz aller berechtigten Freude über den Erfolg bleibt nach London doch ein wenig der Eindruck haften, dass die Mannschaft von Konstanz noch ein Stück weit entfernt ist. Schlicht zu desaströs war die Vorstellung im ersten Abschnitt, zu glücklich die Entstehung des Sieges insgesamt. Teamgeist, Moral, ein starker Torhüter Frederick Rönnow und ein treffsicherer Daichi Kamada sowie gelungene Taktikkniffe von Trainer Adi Hütter merzten offensichtliche Probleme aus. Fast nie erreichen alle elf Mann am Tag X ihre Optimalform, diesmal taugte Angreifer André Silva als Negativbeispiel. Das lässt sich einmal auffangen, wohl auch zwei- oder dreimal, aber eben nicht immer.

So ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass es für die Hessen noch eine Weile ähnlich wechselhaft weitergehen könnte. Eine Mannschaft zwischen hui und pfui. Zeigt Eintracht Frankfurt aber immer wieder mal ihre schöne Seite, lässt sich auch mit der Kehrseite ganz gut leben.

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