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Djibril Sow (links) zieht ab, Nico Elvedi blockt ab.

Gladbach-SGE

Die zwei Gesichter von Eintracht Frankfurt

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    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt verschläft beim 2:4 in Mönchengladbach mal wieder die erste Hälfte – das ist kein neues Phänomen mehr.

Dem früheren Gladbacher und heutigen Frankfurter Profispieler Djibril Sow stand die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Wie er sich denn diese beiden Gesichter der Eintracht erklären könne, ist der 22-Jährige gefragt worden, also diese Harmlosigkeit und Schlafmützigkeit im ersten Abschnitt und die deutliche Leistungssteigerung nach dem Wiederbeginn. „Ich weiß es nicht“, presste der 22-Jährige nach der 2:4 (0:2)-Niederlage an alter Wirkungsstätte hervor. „Ich habe dafür keine Erklärung.“ 

Vielleicht, warf er halbherzig ein, habe das mit der Belastung vom vergangenen Donnerstag in der Europa League gegen Standard Lüttich (2:1) zu tun, doch dass dieser Ansatz auf sehr wackeligen Beinen steht, sah der Schweizer Internationale selbst ein und wischte den Gedanken mit einem Kopfschütteln beiseite. Zumal ja die Borussia ebenfalls international unterwegs war, sogar auswärts in Rom, also die Reisestrapazen klar aufseiten der Elf vom Niederrhein lagen. 

Dass es so aber nicht weitergehen könne, das ist dem Frankfurter Mittelfeldspieler bewusst. „Das müssen wir abstellen“, urteilte er und wartete hier mit einer sehr plausiblen Einschätzung auf: „Wir sind nicht stark genug, um jedes Mal solche Rückstände aufholen zu können. Das funktioniert nicht immer.“ An diesem Sonntagabend im Borussia-Park schon mal nicht, dazu waren die Mönchengladbacher einfach zu stark, abgezockt und effektiv. Immer dann, wenn die Eintracht im zweiten Abschnitt stärker aufkam, schlugen die Platzherren eiskalt zurück. Nach dem 1:2 folgte das 1:3, nach dem 2:3 das 2:4, der K.o., der finale Niederschlag. 

Eintracht Frankfurt: Laxe Haltung zu Beginn ist kein neues Phänomen

Diese laxe Haltung zu Beginn eines Fußballspiels ist in Frankfurt kein neues Phänomen, auffällig ist, dass die Hessen schon häufiger schwer in die Begegnungen gefunden haben und auch nicht selten in Rückstand geraten sind. In sechs von neun Bundesligapartien machten die Gegner den ersten Treffer, in Leipzig (1:2), Augsburg (1:2), und nun in Gladbach (2:4) zogen die Frankfurter danach den Kürzeren, in den Partien gegen Borussia Dortmund und Werder Bremen reichte es jeweils noch zu einem 2:2, also immerhin einem Punkt. Nur die Begegnung gegen Fortuna Düsseldorf konnte die Eintracht noch drehen und mit 2:1 für sich entscheiden. „Es bringt uns nichts, nur die zweite Halbzeit gut zu spielen“, monierte der eingewechselte Mittelfeldabräumer Dominik Kohr. „Das ist gegen eine Topmannschaft wie Gladbach zu wenig.“ In dieses Horn blies auch Dauerläufer Gelson Fernandes: „Wir können ja nicht immer zwei, drei oder fünf Tore schießen, um einen Rückstand aufzuholen.“ 

Die große Frage ist, weshalb die Mannschaft oftmals so lange braucht, um ins Spiel zu finden und auf Touren zu kommen. Ist es eine Sache der Einstellung, der Konzentration? Ist das Selbstvertrauen vielleicht nicht groß genug, um gerade auswärts dem Opponenten die Stirn bieten zu können? In der Fremde ist die Eintracht nun wahrlich kein Gegner, dem das Heimteam mit wackeligen Knien entgegentritt. Von vier Begegnungen hat die Eintracht nur beim Aufsteiger Union Berlin gewinnen können, in Leipzig, Augsburg und Gladbach aber – nach trüber erster Hälfte – verloren. „Uns hat der Glauben gefehlt, hier etwas mitnehmen zu können“, mäkelte Trainer Adi Hütter. „Das hat mir nicht gefallen.“ 

Dass es auch anders geht, hat die Eintracht aber auch schon bewiesen, die Anfangsphase gegen Leverkusen, als die Frankfurter die Werkself förmlich überrollte, war sicherlich das Beste, was sie in dieser Saison auf den Rasen geworfen haben. Aber dieser rasante und atemberaubende Auftritt ist nicht die Regel geworden, sondern die Ausnahme geblieben. 

Schläfrigkeit kostet Eintracht Frankfurt zu viele Punkte

Und so rätseln sie in Frankfurt, weshalb die Mannschaft am Anfang so „mutlos und passiv“ gespielt hat und erst in der zweiten Halbzeit „das wahre Gesicht gezeigt hat“, wie Djibril Sow analysierte. „Wir tun gut daran, von Anfang an so aufzutreten.“ 

Trainer Hütter wollte eine zweite Hälfte gesehen haben, „in der wir zweikampfstärker und bissiger gewesen sind – das war absolut in Ordnung und hat mir gut gefallen.“

Niederlage in Mönchengladbach: Die Spieler von Eintracht Frankfurt in der Einzelkritik

Der Fußballlehrer wird seinem Team diese Schlafmützigkeit irgendwie austreiben müssen, denn klar ist, dass seine Mannschaft nach einem Rückstand nicht immer zurückkommen und sich zurück kämpfen kann. Dazu sind die Gegner in der Regel zu stark. Auch wenn diese Comeback-Fähigkeit durchaus beachtlich ist und von großer Moral zeugt, wird es auf Dauer eher nicht gutgehen und zu viele Punkte kosten. Zumal es sich mit einer Führung im Rücken in aller Regel sehr viel einfacher und selbstbewusster spielen lässt – dazu muss man aber hellwach sein, und zwar von Anfang an.

Von Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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