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Gelb für den eigentlich so besonnenen Coach: Adi Hütter muss es akzeptieren.
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Gelb für den eigentlich so besonnenen Coach: Adi Hütter muss es akzeptieren.

SGE vor dem Monat der Wahrheit

Eintracht Frankfurt und das große Ziel: Wenn die Anspannung steigt

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Warum selbst ein so besonnener Trainer wie Adi Hütter von Eintracht Frankfurt schon zum zweiten Mal Gelb sieht.

Frankfurt - Der Frankfurter Fußballlehrer Adi Hütter ist wahrlich keiner, der sich explizit ins Rampenlicht drängen würde. Er ist kein Sprücheklopfer, war er noch nie. Auch in der aktuellen Situation, da Eintracht Frankfurt drauf und dran ist, etwas „grandioses und Außergewöhnliches“ zu schaffen, womöglich den erstmaligen Einzug in der Klubhistorie in die Champions League, kommen aus dem Stadtwald keine sonderlich lauten Töne oder gar großmäulige Ansagen an die Konkurrenz. Im Gegenteil: Adi Hütter zieht sich eher zurück, will momentan in der Öffentlichkeit nicht besonders in Erscheinung treten, Interviewanfragen lässt er abblocken.

Ohnehin ist der 51 Jahre alte Österreicher ein ruhiger Vertreter seiner Zunft, zumindest öffentlich, er ist keiner, der beim Coaching an der Linie wahre Veitstänzen aufführen würde. In der Kabine mag das zuweilen anders sein, „da geht er mit uns hart ins Gericht“, wie Amin Younes jetzt im „Kicker“ verriet, ansonsten aber strahlt der Mann „eine gewisse Lockerheit“ aus. Im Grunde sei er „ein Riesenfan von Adi Hütter“, auch menschlich, bekundete der Mittelfelddribbler, aktuell im Kader der DFB-Auswahl.

Welch großer Druck auf Eintracht Frankfurt und Adi Hütter lastet

Umso mehr verwundert es dieser Tage, dass der als so besonnen, umsichtig und zurückhaltend geltende Trainer bereits seine zweite Gelbe Karte gesehen hat. Am Samstag, im Spiel gegen Union Berlin, wurde er von Schiedsrichter Markus Schmidt (Stuttgart) verwarnt. Es gab vorher einen harten Zusammenstoß an der Mittellinie zwischen Ragnar Ache und einem Berliner Profi, ein Wort gab da schnell das andere. Hütter zeigte sich hinterher schnell einsichtig: „Ich habe eine verdiente Gelbe Karte bekommen, weil ich mich nicht ordnungsgemäß verhalten habe.“ Schon in der vergangenen Woche ist Hütter verwarnt worden, in Bremen war das, weil er sich nach steter Provokation seitens des Staffs von Werder zu Widerworten hatte hinreißen lassen. Das ist man vom Kopfmensch Hütter eigentlich nicht gewohnt, aber manchmal stößt jeder Langmut an Grenzen.

Eintracht-Nationalspieler auf Reisen

Dreizehn Nationalspieler von Eintracht Frankfurt sind noch bis zum 31. März auf Dienstreisen mit ihren Ländermannschaften, die letzten Profis werden am Donnerstag, 1. April, in Frankfurt zurückerwartet, zwei Tage vor dem Knaller gegen Borussia Dortmund (die ebenfalls zehn Nationalspieler stellen). Der Trainingsbetrieb in Frankfurt ist allenfalls eingeschränkt möglich. Da zudem einige Profis verletzt sind, stehen Trainer Adi Hütter zeitweise nur acht Spieler zur Verfügung.

Amin Younes und Kevin Trapp stehen im Kader der DFB-Auswahl für die Spiele am 25.3. (Island), 28. 3. (Rumänien) und 31. 3. (Nordmazedonien). Damit schickt die Eintracht erstmals seit Andreas Köpke und Ralf Weber in 1995 wieder zwei Spieler zum DFB.

Luka Jovic und Filip Kostic spielen mit Serbien (am 24.3.) in Belgrad gegen Irland und am 27.3. gegen Portugal, bei denen André Silva eine Einladung erhalten hat, sowie in Baku gegen Aserbaidschan (am 30.3.). Silva stürmt (am 24.3.) ebenfalls gegen Aserbaidschan, gespielt wird aber in Turin, und gegen Luxemburg (am 30.3).

Martin Hinteregger und Stefan Ilsanker haben die Freigabe nur für die Spiele in Wien (am 28.3.) gegen Färöer und am 31.3. gegen Dänemark erhalten, für die Partie gegen Schottland nicht. Sollte die Verletzung bei „Hinti“ nicht besser werden, bliebe er in Frankfurt, heißt es.

Steven Zuber und Djibril Sow sind für die Spiele der Schweiz gegen Bulgarien (25.3.) in Sofia sowie gegen Litauen (28.3.) und Finnland (31.3.) jeweils in St. Gallen angefordert.

Daichi Kamada spielt am 25.3. und 30.3. in Japan gegen Südkorea und die Mongolei, Aymen Barkok mit Marokko am 26.3. in Mauretanien und am 30.3. gegen Burundi in Rabat. Dazu sind Markus Schubert für Spiele der deutschen U21 und Ali Akman für die der türkischen U 21 eingeladen. kil

Das sind diese Momente, da bekommt man, mal wieder, eine Ahnung, welcher Druck selbst auf gelassene Trainer lastet, unter welchen Anspannungen sie stehen. Hütter will damit seiner Mannschaft, logisch, helfen, er weiß, dass die Meisterschaft in die entscheidende Phase eingebogen ist, dass es auf jeden Sieg, ja jeden Punkt ankommt. Und im nächsten „Monat der Wahrheit“ kann ja schon eine Vorentscheidung fallen, da treffen die Hessen bekanntlich unter anderem auf Dortmund, Wolfsburg und Leverkusen, die direkte Konkurrenz. Zugespitzt heißt das: Diese vier Klubs machen die beiden Plätze für die Königsklasse hinter RB Leipzig aus. Im Fußball entscheiden oft Kleinigkeiten, Nuancen, ein Input von außen, lautstark und leidenschaftlich, kann da, gerade auch in menschenleeren Stadien, durchaus hilfreich sein.

Natürlich kochen auch bei Hütter bisweilen die Emotionen hoch, er ist ja hautnah dabei, ist ein Teil der Mannschaft, die um das internationale Geschäft kämpft. Da kann auch schon mal ein still vor sich hin brodelnder Vulkan kurzfristig zum Ausbruch gelangen. Auch wenn sich der 51-Jährige in aller Regel selbst konditioniert und weitgehend unter Kontrolle hat. Solche Ausbrüche passen eigentlich gar nicht zu dem Mann. Ereignisse auf dem Spielfeld pflegt er in aller Regel weitgehend reglos zur Kenntnis zu nehmen. Auch überbordender Jubel nach Toren ist eher nicht seine Sache. Klar, er freut sich, applaudiert, klatscht Staff und Ersatzspieler ab. Andere Kollegen geben sich an der Linie durchaus extrovertierter. Überschwängliches Triumpfgeheul ist an der Frankfurter Seitenlinie meist die Ausnahme. Auch tiefe Enttäuschung lässt sich Hütter selten anmerken.

Eintracht Frankfurt: Vor zwei Jahren musste Adi Hütter einmal auf die Tribüne

Insofern entbehrt es nicht einer gewissen Pikanterie, dass ausgerechnet Adi Hütter vor ziemlich genau zwei Jahren von der Uefa für ein Spiel Coaching-Verbot als Strafe für ungebührliches Verhalte auferlegt bekam. Beim Hinspiel in der Europa League gegen Inter Mailand in Frankfurt (0:0) hat sich Hütter einmal über einen aus seiner Sicht berechtigten, aber nicht gegebenen Strafstoß für Eintracht Frankfurt derart echauffiert, dass er gegen eine am Boden stehende Trinkflasche trat. Der Schiedsrichter verwies ihn daraufhin auf die Tribüne, was für das Rückspiel (das die Hessen bekanntermaßen dennoch mit 1:0 gewonnen hatten) eine automatische Coaching-Sperre mit sich führte.

Das ist die bislang auch die einzig grobe Unbeherrschtheit, die sich Hütter in den vergangenen Jahren hatte zuschulden kommen lassen. Damals hat er geschworen, das passiere ihm nie wieder. Bisher ist es ihm gelungen.

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