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Könnte gegen Leverkusen in der Startelf stehen: Bas Dost.

Bundesliga-Spieltag

Eintracht Frankfurt: Das Zeigefingerspiel gegen Leverkusen

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Die Eintracht könnte bei einem Sieg über Leverkusen aufschließen.

Es ist angerichtet, die Bundesligapause mit unzähligen mehr oder weniger sinnvollen Länderspielen rund um den Globus ist beendet. In Frankfurt wird das Flutlicht angeknipst, das Stadion im Stadtwald erneut pickepacke voll gepackt sein, 50.000 Gäste erwartet die Eintracht am Freitagabend. Das ist insofern bemerkenswert, weil der Gegner, Bayer Leverkusen, obzwar seit Jahren in der Spitze der Bundesliga anzutreffen, nicht als großer Zuschauermagnet gilt und die Eintracht ja nun auch schon wieder eine ganze Reihe von Spielen hinter sich hat und auch in diesem Jahr noch vor sich haben wird. Aber die Lust auf dieses hart schuftenden Ensemble von Trainer Adi Hütter ist ungebrochen. Mittelfeldplatz hin oder her.

Eintracht Frankfurt muss Abwehrprobleme in den Griff bekommen

Die Begegnung gegen die Werkself (20.30 Uhr) ist für die Hessen ein Wegweiser, ein Fingerzeig in die nähere Zukunft. Mit einem Sieg könnten die Frankfurter zu den Rheinländer aufschließen, sie unter Umständen gar überholen. Sie würden Tuchfühlung zu den Spitzenrängen halten. Bei einer Niederlage oder einem Remis (das es zwischen diesen beiden Vereinen in Frankfurt sehr selten gab) würden sie im Mittelfeld stecken bleiben.

Insofern muss Trainer Adi Hütter die richtige Balance finden, seinem Team einen klugen Matchplan mit auf den Rasen geben. Seine Mannschaft wird den Opponenten aktiv bearbeiten und selbst die Initiative übernehmen müssen. Wenn sie die Bayer-Elf kombinieren lässt, könnte es böse enden. An Bereitschaft, Aggressivität und harter Zweikampfführung wird kein Weg vorbei gehen.

Da sind in erster Linie schon die Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt gefordert, Sebastian Rode und Djibril Sow werden ziemlich sicher auflaufen, beide sind lauf- und kampfstarke Akteure, können aber auch ein Spiel nach vorne tragen und in der Offensive Impulse setzen. Dafür ist Gelson Fernandes eher nicht zuständig, der Schweizer Routinier ist einer zum Zerstören, genauso wie Dominik Kohr, der natürlich auf einen Einsatz gegen seinen Ex-Verein und seine alten Kumpels brennt. Sehr wahrscheinlich wird aber nur einer von beiden Abräumern beginnen.

Der Japaner Daichi Kamada ist nach den extremen Reisestrapazen eher keine Option, er kam erst gestern gegen Abend aus Dubai von seiner Dienstreise zurück. Und für den Pressingspezialisten Mijat Gacinovic wäre in dieser Konstellation nur Platz, wenn sich Hütter dazu entscheiden würde, einen Angreifer zu opfern, was er aber sehr selten und unwillig tut. Andererseits ist die Sturmbesetzung mit den beiden Portugiesen André Silva und Goncalo Paciencia sicher auch nicht der Weisheit letzter Schluss.

SGE hat bislang zu wenig Tore erzielt

Was einen unweigerlich zu Sturmtank Bas Dost bringt, der nach seinen Oberschenkelproblemen zwar das Training wieder aufgenommen hat, sich aber zuvor eineinhalb Wochen individuell beschäftigen musste. So lässt sich der allseits bestätigte konditionelle Rückstand aber nur schwerlich aufholen. Dass der Niederländer also gleich von Beginn an dabei ist, scheint nicht sehr wahrscheinlich. Dabei würde er dem Spiel der Eintracht gut tun, Wucht und Präsenz fehlen gerade im Angriff. Zudem ist dem 30 Jahre alten Goalgetter zuzutrauen, die vielen, vielen Flanken besser zu verwerten als das seine Kollegen taten. Elf Tore in sieben Spielen sind nicht die Welt, alle Topteams, bis auf den VfL Wolfsburg (zehn), haben mehr Treffer erzielt.

Kaderplanung bei Eintracht Frankfurt: Scouting mit Auge und Bauch

Und natürlich wird die Eintracht auch ihre Abwehrprobleme in den Griff bekommen müssen, zehn Gegentore sind zu viele, auch da ist die Spitze besser, nur Borussia Dortmund hat einen Treffer mehr schlucken müssen. Die Anfälligkeit hat auch mit der gesamten Statik des Spiels zu tun, es ist noch nicht so austariert, wie es sein müsste. Sie ist auch eine Folge der offensiven Außenbahnspieler, die von Hütter den expliziten Auftrag haben, sehr hoch zu stehen und das Spiel über die Flügel voranzutreiben. Unglücklicherweise ist Filip Kostic noch nicht in der Verfassung wie in der Vorsaison, in der serbischen Nationalmannschaft saß der linke Läufer jetzt gegen Paraguay ganz draußen, in Litauen spielte er die ersten 45 Minuten – und wurde prompt ausgewechselt. Das sagt auch einiges, selbst wenn die serbischen Nationaltrainer dafür bekannt sind, manch merkwürdige Entscheidung zu treffen.

Auf der anderen Seite ist auch Danny da Costa noch nicht in dem Zustand, in dem er schon einmal war, seine Flanken sind bei allem Eifer zu unpräzise. Konkurrent Erik Durm muss sich, wie er selbst einräumte, erst wieder an die Vorwärtsverteidigung gewöhnen, denkt noch zu defensiv. Und auch in der Innenverteidigung ist noch Luft nach oben, Martin Hinteregger ist zwar in der österreichischen Heimat gerade als „Legionär des Jahres“ ausgezeichnet worden, ist aber noch weit von seiner Bestform entfernt, die Almamy Touré als Vertreter von Kapitän David Abraham gefunden hat. Der Franzose hat dem Argentinier als rechtes Glied der Abwehrkette den Rang abgelaufen. Vieles steht und fällt aber ohnehin mit dem besten und umsichtigsten Frankfurter Spieler, Makoto Hasebe. Das Gute für die Eintracht: Schnitzer wie im letzten Spiel gegen Werder Bremen unterlaufen dem alten Hasen eher selten.

Von Ingo Durstewitz

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