In Frankfurt feierte er tolle Erfolge, beim AC Mailand läuft es alles andere als rund für Ante Rebic. 
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In Frankfurt feierte er tolle Erfolge, beim AC Mailand läuft es alles andere als rund für Ante Rebic. 

Eintracht Frankfurt

Kroate versauert in Mailand auf der Bank: Was wird aus Ante Rebic?

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Es war ein überstürzter Abgang: Im Sommer verließ Stürmer Ante Rebic Eintracht Frankfurt Richtung AC Mailand. Doch dort versauert er auf der Bank.

Frankfurt - Am zurückliegenden Sonntag nahm Ante Rebic mal wieder seinen Stammplatz ein, dick eingemummelt in eine Daunenjacke, den Kragen aufgestellt, den Blick grimmig. Der Stammplatz des kroatischen Nationalspielers ist die Ersatzbank des AC Mailand, beim jüngsten Auswärtsspiel in Parma kam er erneut nicht zum Einsatz, nicht eine einzige Sekunde durfte er mitspielen, tatenlos sah er zu, wie Linksverteidiger Theo Hernandez die Lombarden kurz vor Schluss mit dem 1:0-Siegtreffer erlöste.

Rebic, 26 Jahre alt, bis 2021 ausgeliehen von Eintracht Frankfurt, ist im Spätherbst 2019 maximal frustriert, seine persönliche Situation stinkt ihm gewaltig. Was Wunder, bisher kam der Stürmer in zwölf Partien siebenmal zum Einsatz, viermal davon stand er jedoch nur wenige Minuten auf dem Feld, in die Startformation hatte er es ein einziges Mal geschafft, am vorvergangenen Spieltag beim 1:1 gegen den SSC Neapel. Nachhaltig empfehlen konnte er sich nicht, im Gegenteil: Nach 45 Minuten war für ihn Dienstschluss.

Ante Rebic: Leihgabe von Eintracht Frankfurt sorgt für Shitstorm – Wechsel zum AC Mailand vorangetrieben

Für Verdruss bei den Fans sorgte zudem eine später veröffentlichte TV-Sequenz, die ihn vor dem Spiel in der Kabine beim Daddeln auf seinem Smartphone zeigte, Rebic sieht nicht gerade hochmotiviert aus, eher einigermaßen gelangweilt. Das sorgte für einen veritablen Shitstorm in den Sozialen Netzwerken. Was aber auch zur Wahrheit gehört: Die Bilder entstanden eine Stunde vor dem Anpfiff, also keineswegs in der Phase, in der die Konzentration und der Fokus voll und ganz und ausschließlich auf dem Spiel liegen sollte. So oder so: Ante Rebic und der AC Milan – das ist bisher ein klassisches Missverständnis, ein riesengroßes sogar.

Mitleid muss man mit dem eigenwilligen und zuweilen exzentrischen Angreifer nicht haben, er hat seinen Wechsel am Ende der sommerlichen Transferperiode proaktiv und recht rücksichtslos vorangetrieben, von welchen Motiven er sich leiten ließ – außer von monetären –, bleibt sein Geheimnis. Klar hat der AC Mailand einen klangvollen Namen, der aber eher auf in der Vergangenheit erworbenen Meriten beruht.

AC Mailand: Der Ruhm ist verblasst – Wollte Ante Rebic einfach nur weg von Eintracht Frankfurt?

Der Traditionsverein ist für diese Saison vom internationalen Wettbewerb ausgeschlossen worden, die Uefa sanktionierte schwerwiegende Verstöße gegen die Regeln des Financial Fairplay. Allein im Zeitraum zwischen 2015 und 2017 machten die Mailänder statt des erlaubten Verlustes bei Spielertransfers von 30 Millionen Euro ein Minus von 255 Millionen Euro. Auch in der Liga sind die Rossoneri schon lange keine große Nummer mehr, die Platzierungen in den vergangenen sechs Jahren: fünf, sechs, sechs, sieben, zehn, acht. Letztmalig konnte sich der AC Milan 2013 für die Champions League qualifizieren, früher war er Stammgast in der Königsklasse, die er 2007 letztmalig gewann. Lange her. Der Ruhm ist verblasst, der Lack ab. Auch diese Saison ist trist und trübe: Tabellenplatz elf nach 14 Spieltagen – und das mit dem viertteuersten Kader (Marktwert 505 Millionen Euro) der Serie A.

Ob Ante Rebic damals, im Sommer, also einfach nur weg wollte aus Frankfurt, weil er es mit seinem Ego und seinem Selbstverständnis nicht hat vereinbaren können, als einziger der drei Topstürmer in Frankfurt verbleiben zu „müssen“? Kann gut sein.

Die Lage für den bulligen Spieler ist aktuell so ziemlich verfahren. Die Fans haben ihn auf dem Kieker, die Mannschaft ist nicht intakt, er schmort auf der Bank und zu allem Überfluss hat im Oktober Stefano Pioli das Traineramt übernommen. Dazu muss man wissen: Pioli ist der Coach, mit dem sich Ante Rebic schon zuvor bei seinem Gastspiel beim AC Florenz überworfen hatte und vor dem er seinerzeit zur Eintracht geflüchtet ist. Dumm gelaufen.

Von Eintracht Frankfurt nach Mailand ausgeliehen: Kroatischer Nationaltrainer rät Ante Rebic zu einem Wechsel

Wie aber geht es für den so schnellen und explosiven Akteur weiter? Es sind nur noch drei Ligaspiele, ehe sich die italienische Liga in die kurze Winterpause verabschiedet, von daher ist kaum davon auszugehen, dass sich an Rebics Status etwas Gravierendes ändern wird. Und wer den Mann aus den dalmatinischen Bergen kennt, der weiß, dass er mit solch komplizierten Konstellationen und seiner eigenen Befindlichkeit nur schwerlich umzugehen weiß. Da kann es passieren, dass er sich in den Schmollwinkel zurückzieht.

Zumal sich jetzt der kroatische Nationaltrainer Zlatko Dalic eingeschaltet hat und Rebic sowie dem beim FC Barcelona ins zweite Glied gerutschten Ivan Rakitic öffentlich zu einem Vereinswechsel riet. „Im Januar könnten sie eine neue Mannschaft finden, wo sie spielen. Das ist sehr wichtig für uns. Sie sind absolute Hochkaräter in unseren Reihen und es ist wichtig, dass sie in gutem Zustand zur Europameisterschaft kommen.“ Worte, die indirekt eine kleine Warnung implizieren, frei nach dem Motto: „Wenn Ihr Euren Platz nicht aufs Spiel setzen wollt, solltet ihr etwas ändern.“ Und die Nationalelf ist für die stolzen Kroaten enorm wichtig.

Eintracht Frankfurt bereitet die Entwicklung von Ante Rebic Sorgen

Rebic wird sich also Gedanken machen und seinen Berater Gespräche führen lassen, wie er aus dieser Zwickmühle herauskommen soll. Und da kommt Eintracht Frankfurt ins Spiel. Denn am Main verfolgen sie Rebics sinkenden Stellenwert zwar aus der Distanz, aber trotzdem mit einigen Sorgen. Denn klar ist, dass die Verantwortlichen kein Interesse daran haben, dass nicht nur der Stellenwert, sondern auch der Marktwert des Spielers immer weiter sinkt. De facto „gehört“ der Spieler noch Eintracht Frankfurt, der 26-Jährige ist ja im Tausch mit André Silva gegangen, der ebenfalls bis 2021 ausgeliehen ist. Der Portugiese hat bei der Eintracht auch keine Bäume ausgerissen, aber grundsätzlich sind sie in Frankfurt von seinen Qualitäten überzeugt. Trainer Adi Hütter hat den 23-Jährigen zwar noch nicht ins Laufen gebracht, der Nationalstürmer, von Verletzungen zurückgeworfen und nicht vollends fit, wirkt ab und an etwas lethargisch und zu verspielt, aber der Coach ist der Überzeugung, ihn auf Strecke aufs rechte Gleis setzen zu können.

Für Silva, vor drei Jahren für 38 Millionen Euro vom FC Porto zum AC Mailand gewechselt, wären 2021 rund 20 Millionen Euro fällig, das ist zumindest die Mailänder Vorstellung. Eine Menge Zaster. Die Eintracht hatte eigentlich geplant, die Summe der beiden Leihspieler in eineinhalb Jahren in etwa verrechnen zu können, doch das funktioniert nur, wenn die Angreifer in Wert gesetzt werden können, also die Leistung in etwa dem Preis entspricht. Das ist bei beiden nicht der Fall und eine bindende Kaufoption ist nicht vereinbart.

Eintracht Frankfurt: Kommt Ante Rebic zurück an den Main?

Bei Rebic ist Eintracht Frankfurt daher darauf bedacht, seinen Wert nicht völlig in den Keller rasseln zu lassen, weil er ihr Spieler ist. Weder ein „Verkümmern“ auf der Bank noch eine womöglich verpasste EM kann daher in ihrem Sinne sein. Und so scheint es nicht mal ausgeschlossen, dass im Winter der Leihvertrag mit Rebic aufgelöst wird. Dass der Kroate dann zurückkehren und wieder für die Eintracht spielen würde, ist zwar nicht unmöglich, scheint nach seinem überstürzten Abgang, einiger verbrannter Erde und den Differenzen nicht sehr wahrscheinlich. Vielleicht findet sich aber ein anderer Klub, der den Draufgänger erst einmal auf Leihbasis aufnimmt; André Silva würde dann trotzdem bleiben.

Klingt kompliziert, ist es auch. Einfacher wäre: Ante Rebic reißt sich zusammen und setzt sich irgendwie in Italien durch. Hört sich fast schon verwegen an.

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