+
Dürfte heute gegen seine Landsleute besonders motiviert sein: Djibril Sow (li.), hier im Zweikampf mit dem Salzburger Andreas Ulmer.

Europacup

Eintracht Frankfurt: Der Wind hat sich gedreht

  • schließen

Die Frankfurter Eintracht wollte das Europacupspiel gegen den FC Basel noch einmal gemeinsam mit ihren Fans genießen - daraus wird nichts.

Natürlich wollte der Frankfurter Trainer Adi Hütter dieses Europacupspiel heute Abend (18.55 Uhr/live Dazn) gegen den FC Basel noch einmal „in vollen Zügen“, wie er am Mittwochmittag sagte, „genießen, genießen, genießen“. Vermutlich werde es das letzte internationale Spiel für die Hessen auf längere Sicht sein, das vor Publikum stattfinden kann. Der Coronavirus hat das Leben ja im Griff, spätestens seit die Bundesregierung durch den Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Empfehlung ausgesprochen hatte, Veranstaltungen, die mehr als 1000 Zuschauer besuchen, tunlichst abzusagen.

Lange schien es so, als ginge dieser Kelch an Eintracht Frankfurt noch einmal vorbei. Die Begegnung des Achtelfinales gegen die Schweizer, so hieß es noch am gestrigen Morgen, könnte vor vollem Haus stattfinden, die Hessen könnten noch einmal den Wind der Fans im Rücken spüren. Dann kam am Abend die radikale Kehrtwende (siehe nebenstehender Artikel): Auch diese Partie, wie fast alle, wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen, die Sorge um die Gesundheit der Zuschauer machte einen solchen Schritt offenbar unumgänglich. Auch die Bundesligapartie am kommenden Sonntag gegen Borussia Mönchengladbach findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Das ist natürlich eine Schwächung für Eintracht Frankfurt, keine Frage. Ein Großteil ihrer Stärke im eigenen Stadion beziehen die Frankfurter durch die frenetischen Fans, die die Mannschaft gerade bei den internationalen Auftritten nach vorne peitschen. Diese lautstarke Unterstützung fällt jetzt weg. Wie wichtig der Eintracht der Support der Fans ist, zeigte auch das letzte Heimspiel gegen Union Berlin: Aus Protest gegen die ungeliebten Montagsspiele blieb die komplette Nordwestkurve leer - die Folge: Die Eintracht verlor mit 1:2.

Nun müssen es die Frankfurter Profis gegen den FC Basel alleine richten. Es geht es in diesem Achtelfinalhinspiel in der Europa League für Eintracht Frankfurt darum, sich wieder eine gute Ausgangsposition zu verschaffen. Das hatte in der vorigen Runde mit einem souveränen 4:1 gegen den FC Salzburg schon einmal prima geklappt. Und es geht natürlich auch darum, dass die Mannschaft eine „Reaktion auf die schlechte Leistung“ von Leverkusen zeigt, als man sang- und klanglos 0:4 demontiert wurde, so etwas erwartet der Frankfurter Fußballlehrer Adi Hütter schon von seinen Mannen. Er ist sich auch ziemlich sicher, dass das so passieren wird. Wiedergutmachung ist also angesagt. Denn: „Die sportlichen Leistungen in der Liga sind nicht zu akzeptieren.“ Aber wird das am heutigen Abend im Stadtwald komplett anders ein, so ganz ohne Zuschauer. Die Eintracht kennt das ja, in der vergangenen Saison spielten sie ebenfalls ein Geisterspiel in Marseille gegen Olympique, man gewann diese Partie ohne Zuschauer mit 2:1 - es war der Startschuss zu einem phänomenalem Ritt durch Europa.

Dabei sei das Virus im Mannschaftskreis gar nicht so ein großes Thema, berichtet etwa Djibril Sow. „Ich persönlich bin noch sehr ruhig. Wenn jemand hustet, geh ich ihm aus dem Weg, so wie ich es bei einer normalen Grippe auch tue.“ Für ihn als Schweizer ist diese Begegnung gegen seine Landsleute natürlich eine ganz spezielle. Ehe die „achtjährige Herrschaft“ des FC Basel 2018 von den seinerzeit von Adi Hütter angeleiteten Young Boys Bern gebrochen wurde, war der FCB „klar die Nummer eins im Land“, erzählt Sow, und noch immer genieße das Baseler Team „ein hohes Standing“ in der Schweiz. Der Mittelfeldspieler, der bislang noch nicht so richtig angekommen ist in Frankfurt, erwartet eine „schwere Aufgabe“. Er verspricht aber auch: „Wir sind bis in die Haarspitzen motiviert.“ Dass bei den Eidgenossen der Spielbetrieb seit knapp drei Wochen ruht, sieht Sow als Vorteil für die Hessen an, selbst wenn die Spieler des FC Basel in der Zeit „nicht im Urlaub waren“. Aber der Spielrhythmus fehlt ihnen schon. Immerhin verfügt Eintracht Frankfurt über ausreichend Bildmaterial, um den FC Basel hinlänglich zu analysieren.

Ungewohnt ist auch die Aussicht, noch nicht zu wissen, wo das Rückspiel ausgetragen wird. Fest steht bislang nur, dass in der kommenden Woche am 19. März nicht in Basel gespielt wird. Vieles spricht dafür, dass auch das Rückspiel in Frankfurt ausgetragen wird – wahrscheinlich ohne Publikum. Eine andere Stadt als Basel – Freiburg oder Straßburg etwa – käme ebenfalls kaum in Frage, denn keiner der Stadtväter dürfte sich in diesen Zeiten freiwillig Veranstaltungen in die eigene Stadt holen wollen.

Rein personell kann Trainer Hütter nahezu aus dem Vollen schöpfen. Bis auf die Langzeitverletzten seien alle Mann an Bord, er hat also die Qual der Wahl. Spannend bleibt die Frage, ob der 50 Jahre alte Österreicher erneut den zuletzt formschwachen Almamy Touré als rechten Außenverteidiger aufbietet. Den Franzosen hatte Hütter nach der Leverkusen-Pleite öffentlich ordentlich zusammengefaltet. Ein Einsatz von Danny da Costa, ein gelernter Außenverteidiger, wäre sicherlich eine Überlegung wert. Und die Eintracht wird die Initiative übernehmen müssen, wird eigene Ideen einbringen und gegen international erfahrene Eidgenossen das Heft des Handels in die Hand nehmen müssen. Die Chancen jedenfalls, gegen eine „sehr routinierte“ Schweizer Mannschaft das Viertelfinale zu erreichen, sind – gerade wegen des Wegfalls des Spiels in Basel – durchaus groß. Ohnehin haben die Hessen bislang weit mehr erreicht als erwartet. „Wann war Eintracht Frankfurt zuletzt im März noch in drei Wettbewerben vertreten“, fragte Adi Hütter rhetorisch. Zum 14. Mal in ihrer Vereinsgeschichte übrigens steht die Eintracht in einem Europapokal-Achtelfinale – nur viermal bedeutete das Spiel Endstation.

Unterdessen steht fest, dass das DFB-Sportgericht den Einspruch der Eintracht gegen die Vier-Spiele-Sperre im DFB-Pokal für Filip Kostic am Dienstag, 24. März ab 14.30 Uhr verhandelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare