Gemeinsam nochmal alle Kräfte mobilisieren: Die Eintracht-Profis Danny da Costa (links) und Dominik Kohr.
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Gemeinsam nochmal alle Kräfte mobilisieren: Die Eintracht-Profis Danny da Costa (links) und Dominik Kohr.

Europa

Adi Hütter will es wissen

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Befreit vom ganz großen Erfolgsdruck streben Eintracht Frankfurt und ihr Trainer Hütter vor dem Duell gegen Schalke nach dem Maximum – und damit auch nach der Europa-League-Qualifikation?

  • Eintracht Frankfurt trifft auf Schalke 04
  • SGE geht voll motiviert in die letzten Spiele
  • Neun Punkte sind das Ziel bis zum Saisonende

Frankfurt - In Sachen Corona-Regeln ist Adi Hütter äußerst aufmerksam, längst hat er sie komplett verinnerlicht, schließlich werden professionelle Fußballtrainer seit Wochen darauf getrimmt, sie auch ja exakt einzuhalten. Also schritt der Coach des Bundesligisten Eintracht Frankfurt auf der gestrigen Pressekonferenz vor dem heutigen Heimspiel seiner Mannschaft gegen Schalke 04 (18.30 Uhr/Dazn und Amazon Prime) gerade noch rechtzeitig ein, als sich der erste Regelverstoß anbahnte. „Nur gucken, nicht anfassen“, rief er von seinem Podium in Richtung eines Reporters, der just in diesem Moment gewillt war, das an einer lange Stange befestigte Mikro für eine Frage mit der Hand an den eigenen Mund zu führen. So nicht, liebe Damen und Herren der Presse. Das muss anders gehen. Hütter lachte, die acht anwesenden und auf Abstand sitzenden Journalisten lachten. Gute Laune im Stadtwald.

Eintracht Frankfurt: Adi Hütter sehr entspannt

Überhaupt war Adi Hütter bei der ersten nicht digitalen Pressekonferenz in Corona-Zeiten auffallend entspannt. Das hat natürlich vordringlich mit seiner Mannschaft zu tun, die sich zuletzt beim 4:1 in Berlin stark präsentierte und mit einer der besten Saisonleistungen den Klassenerhalt dingfest machte. Als Tabellenzehnter besteht für die Eintracht bei fünf Zählern Rückstand auf die siebtplatzierte TSG Hoffenheim nun sogar noch die Möglichkeit, sich im Saisonendspurt auf den Qualifikationsrang zur Europa League zu spielen. Verrückt, wie auch Hütter gestern fand: „Vor zehn Tagen bekam ich noch die Frage gestellt, ob ich auch Abstiegskampf kann. Jetzt hat es sich gedreht.“ Wichtig sei gewesen, auch in schwächeren Phasen stets ruhig zu bleiben und Vertrauen in die Mannschaft zu haben. „Wir hatten die Überzeugung“, sagte Hütter deutlich.

Aber ist die Europa-League-Quali denn tatsächlich noch ein erreichbares Ziel für die Eintracht? Klar ist, dass dafür die Konkurrenten mehrfach patzen müssten und die Hessen ihrerseits dreimal dreifach punkten – erst gegen Schalke, dann in Köln und zuletzt gegen Paderborn. Unmöglich erscheint das alles nicht, schließlich bekommt es beispielsweise Hoffenheim am finalen Entscheidungstag in eineinhalb Wochen noch mit Dortmund zu tun oder der SC Freiburg am kommenden Samstag mit dem FC Bayern.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass selbst der Frankfurter Gegner aus Gelsenkirchen trotz seiner ernüchternden Ergebnisse in den vergangenen Wochen und Monaten rein rechnerisch minimal bessere Voraussetzungen für solch eine Aufholjagd besitzt, liegen die Sieglos-Schalker (seit 13 Partien ohne Dreier) doch immer noch einen Punkt und damit auch einen Platz vor der Eintracht. Zudem machte die Eintracht seit dem Neustart in der eigenen Arena keine gute Figur und holte nur einen von neun Punkten. „Wir waren lange die schwächste Auswärtsmannschaft. Jetzt haben wir auswärts dreimal in Folge gewonnen. Dafür stimmt es nun ergebnistechnisch bei den Heimspielen nicht mehr ganz“, befand Hütter. „Das wollen wir gerne gegen Schalke ändern.“

Eintracht Frankfurt geht motiviert in die letzten Spiele

Seine Mannschaft, der ganze Verein spiele unglaublich gerne europäisch, sagte Hütter. Daher bezeichnete er es gar als „Pflicht“, voll motiviert in die abschließenden Spiele zu gehen, und als „Wahnsinn“, dies womöglich zu unterlassen. „Wir wollen das Bestmögliche herausholen, und das sind neun Punkte.“ Alles, was nach oben noch geht, sei dann „super“. Und falls es – der wahrscheinlichere Verlauf – doch nicht mehr für Europa reichen sollte? „Dann werden wir versuchen, eine Mannschaft vorzubereiten, mit der wir es bald wieder schaffen können, international zu spielen“, so der Coach.

Inwiefern Hütter gegen Schalke personell wieder rotieren wird, zuletzt in Berlin hatte er ja sieben Neue in seiner Startelf im Vergleich zum Pokalaus in München aufgeboten, ließ der Coach wie gewohnt offen. Nahezu sicher ist aber, dass der erfolgreichste Post-Corona-Pause-Stürmer der Liga, André Silva (sechs Treffer seit dem Re-Start), beginnen darf. „Er hat unglaublich viel an sich gearbeitet“, lobte Hütter seinen Knipser, der während der Zwangspause und auch danach in der „Kraftkammer“ (Hütter) die Voraussetzungen für den derzeitigen Lauf geschaffen hatte. „Jetzt hat André natürlich auch das Momentum für sich.“ Das Selbstvertrauen also, das schwere Dinge leichter macht.

Dabei verlief die Runde für Silva ja nicht wirklich nach Wunsch, ein Tief habe er zwischendurch gehabt, erklärte auch Hütter rückblickend. Aber: „Entscheidend ist, wie sich dann jemand zurückkämpft. Wenn André sein Niveau so hält, bin ich sehr glücklich.“ Eine Doppelspitze mit Silva und Bas Dost mutet daher für das Duell gegen Schalke, das Hütter als „bissig und laufstark“ bezeichnete, äußerst charmant an.

Ebenso wie die Aufbietung des neuerdings von seinem Trainer zum fußballspielenden Slalomspezialisten ernannten Daichi Kamada als Spielgestalter dahinter – so könnten sich die Gäste gewiss ganz manierlich mit Kurzschwüngen auswedeln lassen. „Er ist ein toller Spieler, der noch viel Entwicklungspotenzial besitzt“, lobte Hütter den japanischen Techniker, der bei den Hessen (nur) einen Vertrag bis 2021 besitzt, so dass eine baldige Verlängerung empfehlenswert wäre. „Ich habe nicht mit ihm darüber gesprochen“, sagte Hütter, dies sei schließlich die Aufgabe der Sportchefs Fredi Bobic und Bruno Hübner, „aber Daichi würde es sicher gut tun, hier in Frankfurt zu bleiben“.

Eintracht Frankfurt: Dominik Kohr endlich angekommen

Nach recht langem Anlauf scheint nun auch Dominik Kohr in Frankfurt angekommen zu sein. Der lange Zeit wenig berücksichtigte Mittelfeldmann habe mittlerweile ein „tolles Selbstvertrauen“ und sei ein „absoluter Schlüsselspieler“. Auch, weil er seinen Trainer nun endlich besser verstehe, wie es Kohr unlängst selbst formuliert hatte. „Bei dieser Aussage habe ich mir auch gedacht, ob mein Deutsch wirklich so schlecht ist“, sagte Adi Hütter und lachte.

Gute Laune im Stadtwald.

Von Daniel Schmitt

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