Kein Durchkommen für die Eintracht: Jean-Manuel Mbom lässt André Silva über die Klinge springen.
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Kein Durchkommen für die Eintracht: Jean-Manuel Mbom lässt André Silva über die Klinge springen.

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Eintracht Frankfurt im Niemandsland: Europäische Ambitionen gehen anders

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Nach dem 1:1 gegen Bremen tritt Eintracht Frankfurt auf der Stelle, was zu den europäischen Ambitionen nicht so recht passen will.

  • Eintracht Frankfurt gelingt gegen Werder Bremen nur ein Remis.
  • Nach der Niederlage in München der nächste Rückschlag für die Hessen.
  • Trotz Überlegenheit war der Punkt zu wenig.

Frankfurt - Vor gut zwei Wochen war für Sportdirektor Bruno Hübner die Welt noch in allerbester Ordnung. Es gab keine nervige Diskussion um seine Person und Zukunft, Eintracht Frankfurt war ganz gut in die Saison gestartet, hatte zwar nur ein Unentschieden gegen Neuling Arminia Bielefeld geholt, dafür aber in Berlin und gegen Hoffenheim gewonnen, und selbst das enttäuschende 1:1 in Köln konnte den Optimismus des Daueroptimisten nicht erschüttern. „Wir haben einen Zweier-Punkteschnitt“, sagte der Manager und fügte lächelnd an: „Wenn wir den halten, wissen wir, wo wir am Ende rauskommen.“ 68 Zähler, Champions League.

Eintracht Frankfurt: Bruno Hübner findet die Ausbeute „unter dem Strick okay“

Zwei Bundesligaspiele später hat die Eintracht blöderweise nur ein weiteres Pünktchen aufs Konto gepackt, nach der zu erwartenden 0:5-Abreibung beim FC Bayern holte sie am Samstag nur ein 1:1 (0:0) im Heimspiel gegen den Mittelständler SV Werder Bremen, und Sportdirektor Bruno Hübner bedeutet jetzt, nach neun Punkten aus sechs Partien, trocken: „Unterm Strich ist das okay.“ Nach Champions League klingt das nicht mehr. Okay ist eben okay, ordentlich, mittelprächtig.

Nach dem dritten Remis in dieser Saison, allesamt 1:1 gegen eher leichtgewichtige Opponenten, herrscht im Frankfurter Lager nicht die große Tristesse oder Ernüchterung. Aber klar ist, dass sich die Hessen etwas ganz anderes vorgestellt hatten. Noch vor der Partie hatte Trainer Adi Hütter von richtungsweisenden Spielen gegen Werder und den VfB Stuttgart gesprochen, „da können wir voll punkten.“ Da sollte man voll punkten, wenn die Reise tatsächlich in Richtung Spitze gehen soll und nicht nur die Verlautbarungen der Spieler.

Eintracht Frankfurt: Punkte liegengelassen

Sebastian Rode stört der Platz im Niemandsland: „Wir hatten einen soliden Saisonstart, wobei wir manche Chancen vertan und Punkte liegen gelassen haben.“ Genau das ist der Knackpunkt. Die Frankfurter haben eigentlich zwei bis vier Zähler zu wenig ergattert, sie waren gegen Bielefeld, Köln und Bremen die überlegene, bessere Mannschaft, die zumindest zwei dieser drei Begegnungen für sich hätten entscheiden können. Können, aber nicht müssen.

Denn, und das ist die andere Seite der Medaille: Es war auch nicht so, dass die Eintracht ihre Kontrahenten in Grund und Boden gespielt hätte. Im jüngsten Heimspiel gegen den Fast-Absteiger aus der Vorsaison boten die Frankfurter im ersten Abschnitt eine trübselige Vorstellung, uninspiriert, niveauarm, „pomadig“ (Rode), „behäbig, langsam, ideenlos“ (Hütter). Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen.

Eintracht Frankfurt war gegen Bremen überlegen - konnte das aber nicht umsetzen

Natürlich beherrschten die Platzherren die Gäste von der Weser, aber das war vorher zu erwarten. Es ist bekannt, dass Coach Florian Kohfeldt seinen Mannen einen neuen, pragmatischen Stil eingebimst hat. Der geht so: gut stehen, viel laufen, dem Gegner den Ball überlassen (in der Hoffnung, dass der wenig damit anzufangen weiß, was in diesem Fall definitiv so war) und auf Konter lauern.

„Sie spielen nicht mehr diesen ansehnlichen Kombinationsfußball“, hat Hütter erkannt. Dafür stünden sie taktisch enorm diszipliniert, „teilweise mit einer Sechserkette“ hinten. Hütter berichtet von einem kurzen Dialog mit seinem Bremer Kollegen: „Das ist auch nicht das, was Florian unbedingt sehen möchte, aber es geht nun mal um Punkte.“ Da haben die erschütternden Erfahrungen aus der zurückliegenden Spielzeit zu einem berechtigten, ja klugen Umdenken geführt.

Die Eintracht muss sich den Vorwurf gefallen lassen, zu wenige überraschende Impulse gesetzt zu haben, der Ball wurde nach links und rechts und wieder zurückgeschoben, es gab kaum Dribblings, nichts Trickreiches oder Brachiales, das Spiel plätscherte vor sich hin, daran änderten auch keine 70 Prozent Ballbesitz etwas und auch nicht der Fakt, dass die Eintracht 416 Pässe mehr spielte als der Konkurrent (673 zu 257) und dabei auf eine Passquote von 88 Prozent kam. Es war ertragloses Engagement, „viel Aufwand, zu wenig Ertrag“, wie Hütter findet.

Eintracht Frankfurt: Barkok und Younes bringen frischen Wind

Sinnigerweise wären die Frankfurter um Haaresbreite in Führung gegangen, als sie das erste und einzige Mal klug und mit Tiefgang spielten: Der blasse Steven Zuber steckte durch auf den startenden André Silva, und Daichi Kamada staubte ab (34.). Silva jedoch stand wenige Zentimeter im Abseits, was nicht Schiedsrichter Felix Brych in Echtzeit erkennen konnte, aber Bibiana Steinhaus im Kölner Keller mithilfe der kalibrierten Linie. Zu früh gefreut.

Erst im zweiten Abschnitt und mit der Einwechslung einer neuen Flügelzange, Amin Younes auf links und Aymen Barkok auf rechts, wurde die Eintracht griffiger, zwingender. Selbst das 0:1 durch Joshua Sargent (51.) konnte sie nicht ins Bockshorn jagen, mit Verve bedrängte sie das Bremer Tor, was im Ausgleich durch André Silva mündete (65.). Zwei, drei Gelegenheiten hatten die Frankfurter noch, durch Silva und Dost etwa, doch das erlösende Tor wollte nicht fallen, weil sich die widerborstigen Werderaner mit Macht gegen die Niederlage stemmten und sich das Remis verdienten. Adi Hütter schmeckte das Endresultat nicht, er erfreute sich aber an der zweiten Hälfte, die sehr wohl „Eintracht-like“ gewesen sei. Weshalb sein Team zuvor aber fast 45 Minuten quasi im Leerlauf fuhr? „Haben wir die unglaublich große Qualität, um einen Gegner mit Kombinationsfußball auszuspielen?“, fragt Hütter rhetorisch und antwortet selbst: „Das sind wir nicht.“ Alles eine Frage der Klasse also.

Und so bleibt ein Start, der nur okay ist und schon jetzt verdeutlicht, dass es verdammt schwer werden wird, dem europäischen Anspruch gerecht zu werden. Die Eintracht tritt auf der Stelle. Der Punkteschnitt übrigens ist auf 1,5 gesunken, das wären am Ende 51 Zähler, was in der vergangenen Saison noch zu Platz sieben gereicht hätte. Immerhin.

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