Das hatte er sich anders vorgestellt: Adi Hütter, frustriert. 
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Das hatte er sich anders vorgestellt: Adi Hütter, frustriert. 

Niederlage gegen Mainz

Eintracht Frankfurt: Wenn die „Schnittpartie“ in die Hose geht

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt zeigt bei der 0:2-Pleite gegen Mainz 05 eine denkbar schlappe Vorstellung und sollte schnellstmöglich ein paar Punkte zusammenklauben.

  • Eintracht Frankfurt verliert gegen Mainz 05
  • Sebastian Rode kritisiert die Unbeständigkeit der Eintracht
  • Eintracht-Trainer Adi-Hütter: „Die Frische hat gefehlt“

Frankfurt - Der niemals aufsteckende Frankfurter Mittelfeldrenner Sebastian Rode hat sich im Nachbarschaftsduell gegen den FSV Mainz 05 nach einer guten Stunde ganz fürchterlich über einen Pfiff des Unparteiischen Felix Brych aufgeregt. Der 29 Jahre alte Südhesse hatte den Mainzer Leandro Martins gefoult, nicht übermäßig hart, aber nach Ansicht von Schiri Brych doch hart genug, um Gelb zu zücken. Rode mutierte in Sekundenschnelle zum Rumpelstilzchen, sein Wutschrei hallte bis weit hinein in den Stadtwald. Da war viel Frust im Spiel, über die generelle Leistung, die drohende Niederlage, und auch über sich selbst, denn der unverzichtbare Abräumer wird seiner Mannschaft nun im folgenden Bundesligaspiel am Samstag bei Hertha BSC fehlen – fünfmal Gelb bedeutet einmal aussetzen.

Eintracht Frankfurt: Konstant in der Inkonstanz

Hinterher, als der Puls wieder runtergefahren war, analysierte Rode die völlig verdiente 0:2 (0:1)-Pleite im Rhein-Main-Gipfel gleichermaßen nüchtern wie kritisch, allemal zutreffend. „Wenn wir nicht alle an unsere Leistungsgrenze kommen, wird es für uns schwer, Spiele zu gewinnen. Gegen Mainz haben es viele nicht geschafft“, urteilte er. „Diese Inkonstanz zieht sich durch die ganze Saison. Wir haben zu viele Höhen und Tiefen. Das werden wir bis zum Saisonende nicht abstellen können.“

Das Saisonende naht, vier Partien sind in der Liga noch zu absolvieren und mit einiger Wahrscheinlichkeit nur noch eine im DFB-Pokal, am Mittwoch (10.06.2020) trittEintracht Frankfurt im Halbfinale bei der „Übermannschaft“ (Sportdirektor Bruno Hübner) Bayern München an – ohne ihren besten Spieler, Filip Kostic fehlt rotgesperrt. Da muss man schon ein unverbesserlicher Optimist sein, um vom Finale in Berlin auszugehen. Wahrscheinlicher ist eine saftige Abreibung.

Eintracht Frankfurt verliert mal wieder gegen Mainz

Nach der erneuten Schlappe gegen die Rheinhessen, die dritte in Serie, herrschte bei Eintracht Frankfurt ziemlicher Frust und auch ein bisschen Ratlosigkeit. Vor der Begegnung hatte Coach Adi Hütter gehofft, noch einmal den Anschluss nach oben finden zu können, rief das Aufeinandertreffen als „Schnittpartie“ aus, als Wegweiser also. 

Nach oben, das steht nach dem Rückschlag unumstößlich fest, brauchen die Hessen nicht mehr schielen, sondern müssen noch ein paar Pünktchen zusammenklauben, um nicht unten reinzurutschen, schließlich „kommen am Ende Ergebnisse raus, mit denen man zuvor nicht rechnet“, sagt Manager Hübner.

Die indiskutable Leistung gegen starke Mainzer wirft sehr wohl Fragen auf, etwa die, weshalb es das Team nicht schafft, einen leichten positiven Trend zu bestätigen. Das ist gewiss eine Frage der grundsätzlichen Qualität. Die Mannschaft, keine Frage hoch belastet, ist in dieser Zusammenstellung und Konstellation nicht besser als ihr Tabellenstand. Ihr fehlt Tempo, Dynamik und, siehe Sebastian Rode, die Konstanz, nach vorne zudem eine klare Spielidee. Daichi Kamada ist in seinem Bemühen zu unstet und wankelmütig, und sehr viel mehr kreatives Personal gibt der Kader gar nicht her. 

Eintracht Frankfurt kommt zu selten ans Limit

So bleibt alles an Filip Kostic am linken Flügel hängen, während die rechte Seite lahmt – zumindest seit Trainer Hütter den Ex-Immerspieler Danny da Costa mehr oder weniger aufs Abstellgleis befördert hat. Almamy Touré ist ein eher defensiver Spieler, zudem schwankend in seinen Leistungen. Der Mainzer Trainer Achim Beierlorzer hat die Disbalance auf den Außenbahnen analysiert und der Eintracht richtigerweise attestiert, „so ein bisschen ungleich“ zu sein.

Die Mannschaft schafft es zudem nicht, ihr Leistungslimit regelmäßig abzurufen, gegen die Nullfünfer stand sie von Beginn an auf verlorenem Posten, der Spannungabfall im Vergleich zum erfolgreichen Bremen-Spiel war offenkundig. Die Eintracht agierte zu planlos, fand gar kein Mittel gegen die sehr früh attackierenden Mainzer. „Wir hatten keine guten Spielideen“, gestand Bruno Hübner. Coach Hütter monierte die fehlende taktische Disziplin, die zu großen Abstände, das laxe Zweikampfverhalten. „Das ist uns zum Verhängnis geworden.“

Eintracht-Kapitän David Abraham war müde

Der Österreicher erinnerte aber daran, dass sein Team arg beansprucht war und in den vergangenen zwölf Tagen vier Partien zu absolvieren hatte. „Die Frische hat gefehlt.“ Das ist eine zulässige Begründung, die Mannschaft ist auch nur 111 Kilometer gelaufen, drei weniger als die Gäste aus Rheinland-Pfalz. Natürlich hätte der 50-Jährige in verstärktem Maße rotieren können, andererseits ist es nachvollziehbar, dass man ein zuvor erfolgreiches Team nicht großartig umbaut.

Der Müdigkeit ist in jedem Fall Kapitän David Abraham zum Opfer gefallen, er habe „signalisiert, dass er es aufgrund seines Alters nicht schafft, alle drei Tage zu spielen“, wie Hütter berichtet. Deshalb blieb der bald 34-Jährige auf der Bank. Ausgerechnet der für Abraham nominierte Stefan Ilsanker fügte aber eine schwache Leistung an die Reihe seiner durchwachsenen Auftritte – das können auch seine zwei Tore gegen Bremen nicht übertünchen.

Eintracht Frankfurts Spitzen blieben stumpf

Zudem verfing des Trainers Idee nicht, es mit zwei Spitze zu versuchen und dafür den Piesacker Mijat Gacinovic auf der Bank zu lassen. Die Stürmer Bas Dost und André Silva hingen vorne völlig in der Luft, waren vom Spiel abgeschnitten. „Wir hatten vorne keine gute Wechselbewegung“, monierte Hütter zu Recht. Aber die Niederlage wollte er keinesfalls am System mit zwei Angreifern festmachen. „Wenn es so einfach wäre ...“, seufzte er.

Nun gilt es für Eintracht Frankfurt, sich frühzeitig in endgültige Sicherheit zu bringen und das Halbfinale bei den Bayern unbeschadet zu überstehen. „Das wird relativ schwer“, befindet Hübner. „Nichtsdestotrotz ist es nur ein Spiel, es geht um alles oder nichts. Wir werden versuchen, bestmöglich zu bestehen.“ Nach tiefer Überzeugung hört sich das selbst beim Daueroptimisten Bruno Hübner nicht an.

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