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Eintracht Frankfurt gegen VfL Bochum: Zum Siegen verdammt

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Von: Ingo Durstewitz

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Daichi Kamada sollte an seine gute Europapokalform anknüpfen. Foto: Imago images
Daichi Kamada sollte an seine gute Europapokalform anknüpfen. © imago images/Jan Huebner

Im Ligaalltag muss der Frankfurter Klub den VfL Bochum bezwingen – will er seine Ambitionen aufrechterhalten

Frankfurt - An der Eintracht-Ikone, den unerreichten und viel zu früh verstorbenen Jürgen Grabowski, konnte auch Oliver Glasner nicht vorbei dribbeln. „Ein ganz trauriger Tag“, sagte der aktuelle Frankfurter Trainer am Freitag zum Tod der Eintracht-Legende. Er, Glasner, habe zwar nicht die Ehre gehabt, den einstigen Spielmacher persönlich kennenlernen zu dürfen, doch er habe viele schöne Geschichten über den am Donnerstag im Alter von 77 Jahren von der Welt geschiedenen „Grabi“ gehört.

„Vielleicht können wir ihm mit einem Sieg gegen Bochum einen letzten Gruß nach oben schicken.“ Garantiert: Jürgen Grabowski, Zeit seines Lebens glühender Fan seines Herzensvereins, würde sich freuen. Eintracht Frankfurt wird das Heimspiel am Sonntag (17.30 Uhr/Dazn) gegen den VfL Bochum zu Ehren des Welt- und Europameisters natürlich mit einem Trauerflor bestreiten und mit einer Schweigeminute beginnen.

Und sie wird sich – rein sportlich betrachtet – darum bemühen, den Schwung des überzeugenden 2:1-Erfolgs unter der Woche im Europapokal in Sevilla mit in den Ligaalltag hinüber zu retten. In der Hinserie hat das nicht so gut geklappt, da folgte auf den ebenfalls sehr souveränen Auftritt beim 3:1-Sieg auf internationalem Parkett gegen Olympiakos Piräus eine ernüchternde 0:2-Schlappe beim Aufsteiger aus Bochum.

Eintracht Frankfurt gegen VfB Bochum: Nix mit Rotation

Coach Glasner macht das aber nicht an einem möglichen Spannungsabfall zwischen dem Festtag in Europa und dem Brot- und Buttergeschäft in Deutschland fest. Der ganze Spielverlauf der Partie im Ruhrgebiet aus dem Oktober sei nicht unbedingt zugunsten seines Teams gelaufen: Frühes Gegentor, später Pfostentreffer, Elfer verschossen von Goncalo Paciencia, und dann habe sich „der VfL in eine Euphorie reingespielt.“ Das kann dann schon mal böse enden.

Zumal die Partien in der Bundesliga in punkto Körperlichkeit und Einsatzbereitschaft andere Hausnummern seien als viele internationale Begegnungen, gerade gegen Teams aus südlichen Regionen. „Da wird eher ein gepflegter, technischer Fußball gespielt, nicht so körperlich geprägt“, sagt Glasner. Das sei hierzulande ganz anders. „Die Bundesliga ist intensiver, robuster, zweikampflastiger.“ Das müsse seine Mannschaft wieder annehmen und umsetzen.

Der Trainer wird sein Ensemble mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht verändern, nicht großartig zumindest. Falls ein Spieler sich etwas müde fühle, könne es sein, dass er mal eine Pause erhalte. „Eine Total-Rotation schließe ich aber aus“, bemerkte der Österreicher, der damit als Trainer zweimal Schiffbruch erlitten habe, „einmal in Linz und einmal in Wolfsburg“. Er hat daraus seine Lehren gezogen.

Das erwartet er, im übertragenen Sinne, auch von seiner Mannschaft am Sonntag, da soll im Vergleich zur Hinrunde ein Entwicklungsprozess zu sehen sein und dokumentiert werden. Glasner, der ja gerne mal die Bildersprache bemüht, drückt es leicht philosophisch angehaucht so aus: „Man kann mal gegen eine geschlossene Tür laufen, aber es wäre schlau, sie beim zweiten Mal zu öffnen.“

Oliver Glasner: „Kein Bock auf Rumeiern“

Die Eintracht ist gegen den überraschend starken Neuling, der zu Hause aber deutlich griffiger und besser als auswärts ist, fast schon zum Siegen verdammt, zumindest dann, wenn sie ihre europäischen Ambitionen aufrechterhalten will. Das wird jetzt schon schwer genug. Im Grunde muss sie aus den verbleibenden neun Spielen fast 20 Punkte holen, wenn sie eine Marke erreichen will, die für Rang sechs und damit für eine erneute Europa-League-Qualifikation reicht.

Coach Glasner macht bei so viele Hypothetischem einfach nicht mit. „Rechnerei überlasse ich Euch“, sagte er an die Journalisten gewandt. Es gebe auch intern kein konkretes Ziel oder eine Punktevorgabe, auf die man sich verständigt hätte. 27 Punkte seien bis zum letzten Spieltag noch zu vergeben, rechnet der 47-Jährige dann doch kurz vor, „also wollen wir auch 27 Punkte holen, wir wollen jedes Spiel gewinnen“. Dass dies eher nicht passieren wird, weiß der Coach natürlich auch, „aber so ist unsere Herangehensweise“. Und das meint Oliver Glasner durchaus so, wie er es sagt.

München, Barcelona, Paris? Egal, wo oder gegen wen er mit seiner Mannschaft antrete, er wolle die Partie gewinnen. „Auf Abwarten, Zögern, Rumrechnen und Rumeiern habe ich keinen Bock“, bekundet der Fußballlehrer. Er wolle keine geschenkten Siege, sondern ehrlich abliefern. „Lasst uns unsere Leistung bringen, und wenn die gut genug war, haben wir es verdient zu gewinnen. Am Ende der Saison stehen wir auf dem Platz, den wir uns verdient haben.“

Da wäre es hilfreich, wenn zum Beispiel ein Stürmer das macht, für was er angestellt worden ist, Tore schießen. Doch da hakte es bei Rafael Borré in Sevilla. Glasner glaubt an ihn, hat ihm Mut zugesprochen. „Die Tendenz geht nach oben.“ Schließlich eröffneten sich Borré wieder mehr Torgelegenheiten, und für einen Stürmer gelten zwei Regeln, die ihn zu einem Torjäger werden lassen. „Schritt eins: zu Chancen kommen. Schritt zwei: die Chancen verwerten.“ Klingt ganz einfach, eigentlich. (Ingo Durstewitz)

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