Keine überragende Saison: Torwart Kevin Trapp, grundsolide.
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Keine überragende Saison: Torwart Kevin Trapp, grundsolide.

Torhüter-Diskussion

Eintracht Frankfurt: Hertha BSC beschäftigt sich offenbar mit Verpflichtung von Kevin Trapp

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt will Stammtorwart Kevin Trapp nicht loswerden, schließt aber einen Verkauf der Nummer eins nicht kategorisch aus. Jetzt gibt es offenbar einen Interessenten.

  • Wie geht es im Kasten von Eintracht Frankfurt weiter?
  • Die SGE muss ihre klammen Kassen füllen: Verkauf von Kevin Trapp nicht ausgeschlossen
  • Gerüchten zufolge soll sich Hertha BSC mit einer Verpflichtung beschäftigen

Update vom Montag, 20.07.2020, 11 Uhr: In der vergangenen Woche hatten die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt einen Verkauf von Leistungsträgern wie Kevin Trapp nicht ausgeschlossen. Grund ist ein Loch von 20 Millionen Euro, dass die Corona-Krise in die Kassen der SGE gerissen hat. Man forciere den Transfer nicht, würde sich aber im Falle eines guten Angebots schon darüber nachdenken.

Hertha BSC beschäftigt sich offenbar mit Verpflichtung von Eintracht-Torhüter Kevin Trapp

Wie das Sportmagazin „Kicker" jetzt berichtet, scheint Hertha BSC ein Interesse an dem Torhüter von Eintracht Frankfurt zu haben. Denn die aktuelle Nummer eins des Hauptstadt-Clubs, Rune Jarstein, ist bereits 35 Jahre alt, weshalb die Berliner nach einer Verstärkung im Kasten suchen.

Mehreren Gerüchten zufolge hatte sich Hertha eigentlich schon einen Kandidaten ausgesucht: Gregor Kobel, der gerade von der TSG Hoffenheim zum VfB Stuttgart ausgeliehen ist. Doch der erteilte Hertha eine Absage, weshalb sich die Berliner offenbar nun unter anderem mit einer Verpflichtung von Trapp – der bei Eintracht Frankfurt noch einen Vertrag bis 2024 hat – beschäftigen. Auch Leipzigs Yvon Mvogo soll laut dem Kicker auf dem Zettel der Berliner stehen.

Verwirrung im Kasten von Eintracht Frankfurt

Erstmeldung vom Montag, 13.07.2020, 14.11 Uhr: In der Rangliste des Fachmagazins „Kicker“ ist der deutsche Nationaltorhüter Kevin Trapp im Mittelfeld gelandet, Position neun mit einem Punkteschnitt von 3,07, gleichauf mit dem Mainzer Keeper Robin Zentner. Vor dem Eintracht-Schlussmann rangieren unter anderem Oliver Baumann (TSG Hoffenheim, 2,95), Rafal Gikiewicz (Union Berlin, 2,94) oder

Koen Casteels (VfL Wolfsburg, 2,92), das Klassement führt Trapps Vorgänger in Frankfurt an, Lukas Hradecky kommt auf einen Schnitt von 2,75.

Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt spielt eine Saison die okay war – aber mehr auch nicht

Im Abschlusszeugnis der Frankfurter Rundschau wird der 30 Jahre alte Trapp von Eintracht Frankfurt in der Kategorie zweite Reihe geführt: „Hält, was zu halten ist, das ist viel, aber man wünschte sich, er hielte halt auch mal den einen oder anderen Unhaltbaren mehr, so als Nationaltorwart“, urteilte die FR.

Ex-Profi Thomas Berthold kritisierte den Saarländer via „Bild“ gemäßigt: „Er hat eine ordentliche, aber keine gute Saison gespielt. Wenn ich aber den Anspruch habe, in Deutschland die Nummer drei zu sein, erwarte ich einfach mehr.“

Das alles klingt nach einer Saison, die okay war, irgendwie mittendrin halt. Und genau so war es auch.

Eintracht Frankfurt: Frederik Rönnow bemängelt Chancengleichheit

Einer aber zieht aus dieser Situation seine eigenen Schlüsse, es ist Trapps Stellvertreter Frederik Rönnow. Der Däne, ein belesener, kluger und zuvorkommender Mann, hat noch vor Saisonende via „FAZ“ die fehlende Chancengleichheit bemängelt. „Für mich ist es wichtig, eine Einsatzchance zu haben, aber es muss ein gleicher Wettbewerb sein. Zwei Jungs trainieren hart, und der bessere spielt. Dann kann ich akzeptieren, wenn ich auf der Bank sitze. Aber hier habe ich in den zwei Jahren die Erfahrung gemacht, dass es anders ist.“ Klare Kante.

Eine Position, die aber verständlich ist, der 27-Jährige hat als Vertreter der im Herbst an der Schulter verletzten Stammkraft herausragende Leistungen gezeigt, im „Kicker“ in diesen acht Partien den besten Notenschnitt aller Bundesligakeeper erhalten (2,56). Danach, als Trapp genesen war, musste er sich wieder einreihen und im Glied zurücktreten.

Kevin Trapp soll das Gesicht von Eintracht Frankfurt werden

Das hat Gründe. Trapp ist mehr als nur ein Torwart, er soll das Gesicht von Eintracht Frankfurt werden, ein Bezugspunkt und Aushängeschild, sehr wahrscheinlich auch Kapitän des Teams, das war er früher ja schon mal, bevor er 2015 nach Paris gewechselt ist. Ein Beispiel: Als die Eintracht zur Grundsteinlegung des neuen Proficampus einlud, das war im August 2019, da präsentierte der Klub Kapitän David Abraham und Torwart Trapp als Repräsentanten, der Ballfänger aber war es, der den Medien Rede und Antwort stand. Der Modellathlet weiß sich zu präsentieren, ist eloquent, polyglott und selbstsicher, er spricht viele Sprachen fließend, sein Auftreten bei den Auslandsreisen des Vereins hat Stil.

Das hat seinen Preis; Eintracht Frankfurt hat sich seine Rückkehr aus Frankreich rund acht Millionen Euro kosten lassen, zudem stieg er zum Spitzenverdiener auf, streicht mehr als vier Millionen Euro pro Jahr ein, sein Vertrag läuft bis 2024. Die Sportliche Leitung ist mit ihrer Nummer eins nicht unzufrieden, aber in Corona-Zeiten und der dadurch verbundenen Umsatzreduzierung halten die Verantwortlichen alle Türen geöffnet und schließen einen Abgang des Stammtorwarts nicht kategorisch aus.

Sportvorstand Fredi Bobic lobt Frederik Rönnow in den höchsten Tönen

So äußerte Sportvorstand Fredi Bobic Verständnis für die – öffentlich artikulierte – Unzufriedenheit von Reservist Rönnow. „Es ist klar, dass er von seinem Gesichtspunkt aus sagt, da spielen noch andere Sachen eine Rolle.“ Aber Trapp sei in Frankfurt bekannt, habe eine Historie und seine Klasse nachgewiesen, gehöre „nicht umsonst zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft“.

Mit Rönnow und Trapp habe man ein Torwarttandem am Start, das es in der Bundesliga selten gebe, beide seien klare Nummer-eins-Schlussmänner. Und Rönnow sei ein starker Herausforderer, der, als es drauf ankam, „richtig gut“ gehalten und gezeigt habe, „wie stark er ist“. Auf den dänischen Nationalkeeper „kannst du setzen“, er habe sich körperlich entwickelt, sei „menschlich super“ und „treibt Kevin im Training an“. Eine Menge Lob.

Eintracht Frankfurt wird den Verkauf von Kevin Trapp nicht proaktiv vorantreiben

Im Kasten könne aber nun mal nur einer spielen, und daher findet es Bobic verständlich, dass „uns der eine oder andere auch mal verlassen kann. Ich weiß aber nicht, wer. Das wird sich zeigen.“ Eine bemerkenswerte Aussage, die sich zumindest nicht nach einem Freifahrtschein für Kevin Trapp anhört. Auch Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing schloss in der „Bild“ einen Verkauf von Filip Kostic und Trapp nicht aus, „weil die Marktlage schwierig ist.“ Experte Berthold hat sogar schon eine konkrete Summe im Kopf: „Bietet ein Verein sieben Millionen, sollte sich Eintracht mit dem Thema beschäftigen.“

Nach FR-Informationen wird Eintracht Frankfurt aber nicht proaktiv einen Verkauf vorantreiben, dafür ist der 30-Jährige zu hoch angesehen und wird für zu gut bewertet. Aber sollte ein Klub tatsächlich viel Geld bieten, sechs, sieben, acht Millionen Euro, würde man sich Gedanken und dann womöglich die Nummer zwei zur Nummer eins machen. Zumal die Gehaltskosten sinken würden.

Eintracht Frankfurt wird wohl Frederik Rönnow verkaufen

Einen Markt gibt es bisher aber nicht, in der Bundesliga würde höchstens Hertha BSC mit den 150 Millionen von Investor Lars Windhorst und dem fast 36-jährigen, zuletzt schwächelnden Rune Jarstein in Frage kommen. Aktuell ist das kein Thema.

Beide Torwächter von Eintracht Frankfurt werden aber eher nicht bleiben, und wahrscheinlicher ist augenblicklich ein Verkauf des Dänen Rönnow. Und sicher ist überdies: Felix Wiedwald, die Nummer drei, soll den Klub verlassen, er wird als nicht gut genug angesehen. (Von Ingo Durstewitz)

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