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Adios, Adler! David Abraham kehrt Eintracht Frankfurt wohl bald den Rücken.

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Heimweh nach Chabas: Eintracht-Verteidiger Abraham vor Abschied

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Mannschaftskapitän David Abraham wechselt zum Saisonende wohl zurück nach Argentinien. Es wäre ein großer Verlust für Eintracht Frankfurt - nicht nur sportlich.

Frankfurt - Normalerweise ist David Abraham, der Kapitän von Eintracht Frankfurt, Fachmann darin, wie argentinisches Fleisch am Besten im Ofen zubereitet wird. Im Einzelnen will der 33-Jährige seine Geheimnisse am Herd nicht verraten, entscheidend ist, dass das Fleisch langsam gart, dass man sich viel Zeit nimmt.

In diesen Tagen, da viele Menschen viel Zeit haben sollten, hat sich David Abraham wieder in die Küche gestellt. Allerdings hat er auf Steaks verzichtet, sondern - gebacken. Warum auch nicht, dem Coronavirus kann es einerlei sein und der Argentinier hat seine Beschäftigung – den obligatorischen 40-minütigen Lauf und die Kraftübungen hatte er ja ohnehin schon vorbildlich hinter sich gebracht. Andere Eintracht-Spieler nutzten die plötzliche freie Zeit für andere Dinge, Kevin Trapp überlegt, wahlweise ein Instrument oder eine weitere Sprache zu lernen, Danny da Costa will die zuletzt vernachlässigte Playstation reaktivieren, Sebastian Rode kocht und Felix Wiedwald räumt das Haus auf. Man kommt ja sonst zu nix. Und David Abraham backt halt.

Wenn nicht alles täuscht, wird das ohnehin die letzte Saison für den schnellen Innenverteidiger sein, die er bei der Eintracht spielt – obwohl sein Kontrakt noch über ein weiteres Jahr läuft. Doch Abraham will nach Hause, das Heimweh plagt, er will zurück nach Argentinien, wie „Sportbild“ jetzt vermeldete, und diese Informationen decken sich mit jenen der FR. Er hat Sehnsucht nach seinem Sohn Alfonso, der im zweitgrößten südamerikanischen Land bei der Mutter lebt, aber den Vater eher selten besuchen kommt. Manchmal ist der Filius bei den Spielen dabei, dann trägt ihn Abraham anschließend stolz auf den Schultern über den Rasen.

In Argentinien, so heißt es, könnte er seine Karriere bei Atletico Independiente ausklingen lassen, dort, in der Hauptstadt Buenos Aires, hat seine Laufbahn einst auch begonnen, 2003 war das. Danach ging er nach Europa, spielte vier Jahre beim aktuellen Europa-League-Gegner FC Basel (von 2008 bis 2012, 105 Spiele und acht Tore), ehe er über die Stationen FC Getafe (2012 bis 2013) und TSG Hoffenheim (2013 bis 2015) zur Eintracht kam. Für die Hessen machte der einst als „freundlichster Wadenbeißer der Liga“ gekürte Profi in den fünf Jahren 163 Pflichtspiele, in dieser Saison sind es ebenfalls bereits 29 Einsätze in Liga, Europapokal und DFB-Pokal, in denen er bislang – welch‘ absolute Ausnahme – sogar zwei Tore erzielt hat, gegen Bayern München (5:1) und Standard Lüttich (2:1).

Angekratztes Image

Sein Image freilich hat durch seinen Check gegen den Freiburger Trainer Christian Streich im Winter einen ordentlichen Kratzer erlitten, für diese unüberlegte Tat ist er für sechs Spiele aus dem Bundesligaverkehr gezogen worden. Dass Trainer Adi Hütter dem wackeren Abraham aber dennoch nicht die Spielführerbinde entzogen hat, zeigt die Wertschätzung, die der sehr empathische und hilfsbereite Argentinier bei Trainerstab und Teamkollegen genießt. Der bald 34-Jährige gilt intern als Mutter der Kompanie, fast rührend kümmert er sich um alle Profis, nicht nur die spanischsprechenden. Während seiner Sperre übrigens holte die Eintracht gerade einmal einen einzigen Zähler.

Der in Chabas in der Provinz Sante Fé, knapp 400 Kilometer von Buenos Aires entfernt, geborene Abraham hat sich in den fünf Jahren in Frankfurt weitgehend unersetzlich gemacht, insbesondere seine Schnelligkeit und sein Kopfballspiel sind es, die der Hintermannschaft gut tun. Mit dem Spielaufbau steht Abraham, der einst mit Lionel Messi und Argentinien U20-Weltmeister wurde, zuweilen auf Kriegsfuß. Ein sportlicher Verlust für Eintracht Frankfurt wäre sein Weggang allemal, als Mensch und Persönlichkeit mit Vorbildcharakter sowieso.

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