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Eintracht Frankfurt verliert in Leverkusen: Ein Spiel zum Vergessen

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Von: Thomas Kilchenstein, Daniel Schmitt

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Eintracht Frankfurt verliert erwartungsgemäß gegen Bayer Leverkusen und erreicht doch alle Ziele.

Leverkusen - Irgendwann kurz vor Schluss stellte in diesem müden Bundesligaspiel dann auch der Letzte so langsam die Bemühungen ein. Die Überlegenheit von Bayer Leverkusen war zu groß, die Partie war entschieden, spätestens nach dem 2:0 kurz nach Pause, aber das hatten die Frankfurter ohnehin billigend eingepreist - der Fokus, ganz klar, liegt auf diesem Donnerstag, wenn im heimischen Stadtwald 70 Stunden nach dieser Ligapartie das „wichtigste Spiel des Jahres“ steigt, wie Torwart Kevin Trapp dieser Tage fast ein bisschen verniedlichend sagte.

West Ham United, die Chance, erstmals seit 1980 wieder in ein Europapokal-Finale einzuziehen, überlappt vieles, auch dieses Spiel gegen die Werkself. Insofern war es denn kein Wunder, dass Eintracht Frankfurt bei Bayer Leverkusen eine verdiente Niederlage hinnehmen musste, 0:2 (0:1) unterlagen sie beim Champions-League-Anwärter, eine Schlappe, die vermutlich bereits auf der Rückreise am Autobahnkreuz Köln-Ost vergessen war. Immerhin gelang es allen Frankfurter Spielern, diese Begegnung unverletzt zu überstehen. Und das war im Grunde das wichtigste und einzige Ziel an diesem Montagabend.

Enttäuschte Frankfurter: Makoto Hasebe und Kristijan Jakic.
Enttäuschte Frankfurter: Makoto Hasebe und Kristijan Jakic. © IMAGO/RHR-Foto

Eintracht Frankfurt: Glasner rotiert

Wie wenig selbst die oberste Chefetage den Trip unters Bayer-Kreuz auf dem Schirm hatte, verdeutlichte auch diese kleine Anekdote: Da ließ Bayer-Geschäftsführer Rudi Völler fragen, ob die Herren Vorstände aus Frankfurt vor der Partie am Abend Weiß- oder eher Rotwein bevorzugten. Und erinnerte dadurch manch einen erst wieder daran, dass am Montag dieses Spiel stattfindet, ein Spiel zum Vergessen.

Trainer Oliver Glasner, wer wollte es ihm verdenken, hatte sich dieses Mal zu einer größeren Rotation entschieden, er verzichtete allein auf acht Spieler, die im Hinspiel gegen West Ham mit von der Partie waren, gab stattdessen Kräften aus der zweiten Reihe, etwa Ragnar Ache, Timothy Chandler, Ajdin Hrustic oder Goncalo Paciencia die Möglichkeit, sich zu zeigen. Neben den vorher schon nicht in den Westen mitgereisten Rafael Borré (Gelbsperre), Martin Hinteregger (krank), Jesper Lindström (Muskelprobleme) und Sebastian Rode, der geschont wurde, fehlten zunächst Djibril Sow, Daichi Kamada oder Ansgar Knauff. Ein nachvollziehbarer Schritt, zumal die Eintracht in der Liga nichts mehr reißen kann und die letzten Ergebnisse in Leverkusen auch nicht gerade hoffnungsfroh: 0:3, 0:3, 1:4, 1:6, 0:4, 1:4, 1:3 hieß es in den letzten sieben Spielen beim Pillenklub. Und doch verlangte Glasner in seinem 100. Bundesligaspiel als Trainer von seinem zweiten Anzug: „Die Jungs sollen Gas geben und dagegenhalten.“

Eintracht Frankfurt: Leverkusen einfach besser

Das taten sie dann auch zumindest in den ersten 45 Minuten. Da sah es wahrlich nicht danach aus, als lasse es Eintracht Frankfurt einfach laufen. Klar, sie vermochten so gut wie keine gefährliche Situation zu kreieren, der erste Torschuss auf das von Lukas Hradecky gehütetet Leverkusenern Tor datiert aus der 38. Minute, zudem hatten die Frankfurter ebenfalls die Chance, selbst ein Tor zu erzielen. Da war es Jens Petter Hauge, der kurz vor der Pause aussichtsreich neben den Kasten schoss. Die Hessen waren weitgehend harmlos, hatten zwar erstaunliche 49 Prozent Ballbesitz bis zur 46. Minute, doch das meiste blieb Stückwerk.

Bayer Leverkusen machte das andererseits auch ziemlich geschickt, man ließ der bunt zusammengewürfelten Frankfurter Mannschaft häufig den Ball, wissend dass sich die Gäste enorm schwer tun, das Spiel gegen gut stehende Mannschaften zu machen. So kam es wie es kommen musste: Nach einem Ballverlust tief in der Leverkusener Hälfte fuhr die Bayer-Elf einen feinen Konter über Azmoun und den blitzschnellen Moussa Diaby, dessen Außenristpass drückte Paulinho ins Tor, 1:0 nach 18. Minuten. Immerhin hatten es die Frankfurter geschafft, in der ersten Viertelstunde ohne Gegentor zu bleiben, darin ist Bayer nämlich richtig gut: 14 Tore in den ersten 15 Minuten waren den Gastgebern bislang in dieser Saison gelungen.

Eintracht Frankfurt: Zur Halbzeit noch mehr Wechsel

Glück hatten die Hessen, dass ein wunderschöner Treffer von Patrik Schick (34.) wegen einer knappen Abseitsstellung keine Anerkennung finden konnte. So hatte sich die Eintracht in der ersten Hälfte noch ganz tapfer aus der Affäre gezogen, gut war es deshalb allerdings noch lange nicht. Vor allem fehlte jedwede Durchschlagskraft, spätestens 20 Meter vor dem Tor war die Eintracht mit ihrem Latein am Ende.

Zur zweiten Halbzeit ging das Frankfurter Bäumchen-Wechsel-Spielchen weiter. Wie angekündigt blieben Filip Kostic, Hauge und Tuta in der Kabine, Sam Lammers, Knauff und Almamy Touré kamen. Am Spielverlauf änderte sich nur so viel, dass Bayer bald darauf 2:0 in Führung ging. Dieses Mal zählte der Treffer von Schick, auch da stand er haarscharf eben nicht im Abseits, und wieder musste Torhüter Trapp den Ball durch die Beine passieren lassen. Für den Tschechen war es bereits der 22 Treffer in dieser Saison. In diesem Spiel war das die Entscheidung.

Eintracht Frankfurt viel zu harmlos

Denn an der Harmlosigkeit der Frankfurter änderte sich auch im zweiten Teil des Spiels in aller Freundschaft nichts, da war viel, viel Leerlauf dabei. Nach 71 Minuten fasste sich der weitgehend blass geblieben Hrustic noch mal ein Herz, doch sein Flachschuss aus 20 Meter war eine sichere Beute von Hradecky. „Im letzten Drittel hat was gefehlt“, fasste Kapitän Makoto Hasebe zusammen. Zudem fielen beide Gegentore nach einfachen Ballverlusten. Dennoch war Trainer Glasner nicht unzufrieden: „Wir haben alles rausgefeuert, was drin war. Wir haben alles versucht.“

Erstaunliches am Rande: Genau vor drei Jahren, Anfang Mai 2019, hieß der Sandwich-Gegner zwischen den beiden Halbfinale-Begegnungen gegen den FC Chelsea auch Bayer Leverkusen - damals gab es eine saftige 1:6-Pleite, die schon nach 45 Minuten festgestanden hatten. Drei Tage später unterlagen die Hessen bekanntlich unglücklich nach Elfmeterschießen - die gestrige 0:2-Pleite ein schlechtes Omen für Donnerstag? Nein, glaubt Hasebe: „Das Heimspiel gewinnen wir.“ (Daniel Schmitt und Thomas Kilchenstein)

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