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Eintracht Frankfurt: Was passiert noch auf dem Transfermarkt im Winter?

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Von: Ingo Durstewitz

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Dürfte gehen, falls er wollte: Eintracht-Stürmer Goncalo Paciencia. (Archivbild)
Dürfte gehen, falls er wollte: Eintracht-Stürmer Goncalo Paciencia. (Archivbild) © Arne Dedert/dpa

Wie sich Eintracht Frankfurt für die Zukunft wappnen will und weshalb sich jetzt im Winter auf dem Transfermarkt nicht so viel tut. Oder doch noch?

Auch ein paar Tage vor Schließung der winterlichen Transferperiode herrscht bei der denkbar schlecht in die Rückserie gestarteten Frankfurter Eintracht keine Betriebsamkeit. Großartige Wechselaktivitäten sind nicht angedacht und nicht zu erwarten. „Wir haben nichts geplant“, sagt Sportvorstand Markus Krösche, hält sich aber, wie jeder Manager, ein Hintertürchen offen. „Mal schauen, was noch passiert.“ Sehr wahrscheinlich nicht viel bis gar nichts.

Ein Auge hat die Eintracht auf Eric Junior Dina Ebimbe, 21, von Paris Saint Germain geworfen, doch sieht sie sich großer Konkurrenz ausgesetzt. Auch Bayer Leverkusen will nämlich den bis 2023 bei PSG unter Vertrag stehenden zentralen Mittelfeldspieler als Ersatz für den wohl nach Genua abwandernden Nadiem Amiri verpflichten. Da wären die Frankfurter dann chancenlos.

Eintracht Frankfurt: Ruhiger Transfermarkt

Bislang hat die Eintracht im Dortmunder Ansgar Knauff einen Spieler für die rechte Außenbahn geholt. „Wir haben ihm versprochen, dass er Möglichkeiten bekommt. Es liegt auch an ihm, sich im Training anzubieten und in den Spielen, in denen er reinkommt, seine Leistung zu zeigen und sich so in die Mannschaft zu spielen“, sagt Sportchef Krösche und lobt die Fähigkeiten des 20-Jährigen. „Er bringt unheimlich viel Geschwindigkeit mit und kann Eins-Gegen-Eins-Situationen gut auflösen. Dazu ist er sehr torgefährlich – all das sind Dinge, die er mitbringt und die uns helfen.“ All das fehlt der Eintracht, zumindest am rechten Flügel. Knauff könnte sein Können erstmals am heutigen Donnerstag (14 Uhr) im Testspiel beim FSV Mainz 05 zeigen.

Mehr Neue werden nicht dabei sein, obwohl die Frankfurter Verantwortlichen in den zurückliegenden Wochen nicht inaktiv waren, im Gegenteil, sie haben sogar so manchen Deal vorbereitet oder zum Abschluss gebracht. Aber eben nicht für den Winter, sondern für den kommenden Sommer. Alles eine Frage der Kohle.

Eintracht Frankfurt: Wann kommt Alidou?

Vom Zweitligisten Hamburger SV wird dann Flügelmann Faride Alidou, 20, kommen, aus Nantes Mittelstürmer Randal Kolo Muani, 23. Und mit HNK Rijeka ist Übereinkunft erzielt, dass der Innenverteidiger Hrvoje Smolcic, 21, an den Main wechseln wird. Für den Mannschaftskapitän der Kroaten wird die Eintracht 2,5 Millionen Euro zahlen, die anderen Spieler kommen ablösefrei oder sind, wie Knauff, ausgeliehen.

Das ist kein Zufall, sondern ein Geschäftsmodell. Die Eintracht hält vornehmlich nach vertragslosen Spielern Ausschau, weil diese ohne Entschädigungszahlung für den abgebenden Verein zu bekommen sind. Es wird allenfalls eine Antrittsgage für den Fußballer und dessen Berateragentur fällig. Vorbei also die Zeiten, da die Eintracht, nur als Beispiel, mal so eben einen hoffnungsvollen, aber unfertigen Spieler wie Dejan Joveljic verpflichtete und für dieses „Spekulationsobjekt“ satte fünf Millionen Euro berappte. Corona hat die Welt auf den Kopf gestellt und den Fußball obendrein.

Die emotionalen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie haben auch die Eintracht mit voller Wucht getroffen und auch eine Schneise in den Etat geschlagen, insgesamt 70, 80 Millionen Euro könnte die Corona-Krise gekostet haben – vorausgesetzt, der Würgegriff des Virus lässt irgendwann mal nach. Der aktuelle abermalige Ausschluss des Publikums verschärft die Situation natürlich noch.

Eintracht Frankfurt: Teure Altlasten

Daher ist der Spielraum für Sportvorstand Krösche extrem eingeschränkt. Da ist Phantasie, ein gutes Auge und Handlungsschnelligkeit gefragt. Die Verantwortlichen müssen, wenn man so will, zu Schnäppchenjägern werden, ohne im Kader an Qualität einzubüßen oder sie im besten Fall sogar zu erhöhen. Da könnte der umworbene Randal Kolo Muani ein Paradebeispiel werden, er ist mit einem Marktwert von zwölf Millionen Euro einer der wertvollsten Stürmer, deren Verträge am Saisonende auslaufen. Sein Transfer gilt als Coup – wenn der Franzose freilich die Bundesliga schnell adaptiert und funktioniert. Ein paar Fragezeichen bleiben halt immer.

Die Eintracht, auch das schränkt den Klub ein, muss ihrerseits ihren Verpflichtungen nachkommen, und da geht es um Lizenzspielerverträge, die vor Beginn der Pandemie abgeschlossen wurden und entsprechend werthaltig sind. Denn man darf nicht vergessen, dass die Eintracht 2019 auf dem Sprung war und mit einem Rekordetat zum großen Satz hinauf zu den Spitzenplätzen ansetzte. Allzu logisch, dass da das Gehaltsniveau deutlich anstieg und nun weiterhin bedient werden muss.

In Frankfurt ist es so, dass nicht nur die Spitzenspieler sehr viel Geld verdienen, sondern auch die Mitläufer so viel Zaster einstreichen, dass Sportvorstand Krösche bei Durchsicht der Verträge so manches Mal schlucken musste. Diese Spieler binden Kapital, das bremst den Manager ein. „Gehälter wie aus der Vor-Corona-Zeit können wir zukünftig nicht mehr zahlen“, sagt Finanzvorstand Oliver Frankenbach.

Klar ist auch, dass es für Profis dieser Kategorie und mit diesem Verdienst gar keinen Markt gibt – gerade nicht in Zeiten der harten Einschnitte durch Corona. Auch aus diesem Grund ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass die Eintracht noch einen Spieler abgeben wird, was sie bei Akteuren wie Stefan Ilsanker, Erik Durm, Aymen Barkok, aber auch Almamy Touré oder Goncalo Paciencia durchaus tun würde.

Doch still ruht der See, es gibt weder Interessenten noch verspüren die Spieler ein großes Bedürfnis, sich zu verändern. Unlängst tauchte mal ein Gerücht auf, wonach der FC Granada Interesse an Paciencia hätte. Und auch Almamy Touré, hieß es, habe womöglich einen neuen Verein an der Angel. Bei der Eintracht wissen sie indes von gar nichts.

Eintracht Frankfurt: Schlanker Apparat

Für die Frankfurter wäre vor diesem Hintergrund ein gutes sportliches Abschneiden in dieser Saison auch in finanzieller Hinsicht wichtig, eine Qualifikation für den internationalen Wettbewerb ein lukratives Zusatzgeschäft – auch wenn der Rückrundenstart mit nur einem Pünktchen schon ein gewaltiger Dämpfer war. Und natürlich wäre es wirtschaftlich vorteilhaft, wenn die Eintracht die eine oder andere europäische Extrarunde drehen könnte. Auch weitere Kapitalmaßnahmen sind nicht ausgeschlossen, um auf ordentlichem Niveau hinter den Spitzenklubs konkurrenzfähig zu bleiben.

Denn in der neuen Saison wird es für die Eintracht darum gehen, den Apparat zu verschlanken und trotzdem ein ambitioniertes Budget oberhalb der 60-Millionen-Euro-Marke bereitzustellen. Zurzeit liegt der Klub laut Aufsichtsratchef Philip Holzer bei Kaderwert und Sportetat auf Rang neun. „Und ich bin der festen Überzeugung, dass es eine Korrelation zwischen Kaderwert und sportlichem Abschneiden gibt.“ Oder man outperformed. Auch das hat die Eintracht schon oft genug geschafft. Es gibt nur keine Garantie dafür. (Ingo Durstewitz)

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