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Neuzugang Djibril Sow.

Transfermarkt

Eintracht Frankfurt hat sich in Position gebracht

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In England schließt das Transferfenster - was Bewegung in die Bundesliga bringen könnte.

Das gute Stöffche geht weg wie warme Semmeln. Bunt ist es, grell, und es trifft gewiss nicht jedermanns Geschmack, das neue Trikot der Frankfurt Eintracht, aber die Menschen reißen es den Verkäufern aus den Händen. Allein im Juli ist das dreifarbige Dress so oft über die Ladentheke gegangen wie sonst nur im Weihnachtsgeschäft. Der Klub liegt selbst mit dem gewagten Design mal wieder auf Rekordkurs, und die Verkaufszahlen zeigen: Ein Ende des Eintracht-Booms ist momentan nicht in Sicht.

Auch das fällige Europa-League-Qualifikationsspiel am Donnerstag in Liechtenstein (20.30 Uhr/live bei RTL Nitro) soll nicht zum Stimmungskiller für die Eintracht-Fans werden, deren Reiselust ungebrochen ist: Auch diesmal machen sich wieder rund 2000 Anhänger auf den Weg, das idyllisch gelegene Rheinpark-Stadion wird fest in Frankfurter Hand sein, die übrigen 4000 Besucher dürften der hessischen Stimmgewalt wenig entgegenzusetzen haben. Die Frankfurter gehen als klarer Favorit in die Partie gegen den Schweizer Zweitligisten FC Vaduz – selbst wenn der jüngste prominente Zugang den Trip ins betuliche Liechtenstein nicht mit angetreten hat. Torwart Kevin Trapp wurde zwar am Mittwochnachmittag in Frankfurt in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt, flog aber nicht mit zum Europapokalspiel. Den Kasten wird daher auch heute noch einmal Felix Wiedwald hüten, der sich aber quasi gleichzeitig auf der Suche nach einem neuen Verein befindet.

Verpflichtung Trapps als Signal

Rückkehrer Trapp sagte bei seiner Vorstellung: „Ich habe bereits im Frühjahr betont, dass ich mich sehr wohl fühle in Frankfurt und bei der Eintracht. Die Zeit in Paris war für mich sehr spannend, erfolgreich und eine tolle Erfahrung. Jetzt komme ich voll und ganz nach Hause und möchte mit der Eintracht noch viel erreichen.“

Die Verpflichtung Trapps ist auch eine Art Signal, der 29-Jährige ist nicht nur ein guter Torhüter und sicherer Rückhalt, sondern soll das Gesicht der Eintracht werden, das Aushängeschild, eine prägende Gestalt und Identifikationsfigur – für die kommenden fünf Jahre. So lange läuft das Arbeitspapier des Nationalkeepers. Das ist kein Zufall. Wer sich die jüngsten Transfers des Bundesligisten ansieht, erkennt schnell, dass dahinter eine Strategie steckt. Dejan Joveljic, Djibril Sow, Dominik Kohr, Martin Hinteregger und Sebastian Rode sind, wie Trapp, bis 2024 gebunden, Erik Durm bis 2023. Durch langfristige Bindungen soll ein Gerüst erschaffen und Stabilität gewonnen werden.

Das bedeutet, wie jetzt bei Luka Jovic und Sebastien Haller erlebt, nicht unbedingt, dass die Spieler auch tatsächlich so lange bleiben – doch langfristige Verträge für Spieler mit Entwicklungspotenzial sind für die Vereine deshalb attraktiv, weil sie auch die Höhe der Ablösesumme regeln. Die Faustformel gilt: Je länger ein Spieler gebunden ist, desto teurer lässt er sich verkaufen. Auch deshalb kam bei Luka Jovic, der bis 2023 gebunden war, eine Ablösesumme in Höhe von 70 Millionen Euro zusammen, die Real Madrid überweisen musste. Und im Fall von Sebastien Haller war es für die Eintracht die letzte Chance, richtig groß abzukassieren, da der Franzose seinen 2021 auslaufenden Kontrakt nicht verlängern wollte und daher in einem Jahr für sehr viel weniger als die 50 Millionen Euro, die die Eintracht von West Ham United erhielt, hätte wechseln können.

Eine bewusste Entscheidung

Was zudem auffällt: Die Eintracht hat in diesem Jahr erstmals vermehrt deutschsprachige Spieler geholt. Das ist keine grundsätzliche Abkehr von der bisherigen Transferpolitik, die zuvorderst auf Profis aus dem Ausland fußte, aber doch eine bewusste Entscheidung. Trainer Adi Hütter hält es für wichtig, dass man sich persönlich und auch mal ohne Dolmetscher austauschen kann. „Gerade wenn es emotional wird, hat man einen besseren Zugang zu den Spielern, wenn man ihre Sprache spricht“, sagte er mal der FR. Kaum zu erwarten ist allerdings, dass der noch zu verpflichtende Stürmer aus Deutschland kommen wird. Ein Mann, der zwölf bis 15 Tore garantiert und sicherlich an die 20 Millionen Euro kosten wird, ist hierzulande eher nicht zu finden.

In die Stürmersuche könnte neue Fahrt kommen, wenn in England am Donnerstag der Transfermarkt schließt. Die Premier League gilt als Wunschziel vieler Spieler, zum einen wegen der Attraktivität der Liga und zum anderen und vor allem wegen der exorbitanten Verdienstmöglichkeiten. Mit Saisonstart endet in England aber die Wechselfrist, weshalb danach die deutsche Bundesliga in den Fokus vieler Akteure und ihrer Berater rücken wird. Auch die Eintracht hat sich da längst in Position gebracht und hat heiße Eisen im Feuer.

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