Wechselkandidat: Eintracht-Ersatzkeeper Frederik Rönnow.
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Wechselkandidat: Eintracht-Ersatzkeeper Frederik Rönnow.

Kader

Eintracht Frankfurt: Geld spielt eine Rolle

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Die Eintracht prosperiert auf allen Ebenen und will in der kommenden Saison unbedingt wieder ins internationale Geschäft. Der große Kaderumbruch bleibt aus, doch einigen Profis dürfte nahegelegt werden, den Klub zu verlassen.

  • Nach Rang neun möchte Eintracht Frankfurt in der kommenden Saison wieder nach Europa
  • Große Sprünge auf dem Transfermarkt wird es für die SGE nicht geben
  • Adi Hütter wünscht sich dennoch Neuzugänge - Kevin Stöger ist bei der Eintracht im Gespräch

Während sich die Frankfurter Fußballprofis samt Trainerteam in die Sommerferien verabschiedet haben, hält die Sportliche Leitung der Eintracht weiterhin die Stellung im Stadtwald. „Fredi und ich haben noch ein paar gemeinsame Hausaufgaben zu machen“, sagt Manager Bruno Hübner. Der Fredi ist Sportvorstand Bobic, der seit vielen Wochen Augen und Ohren offen hält, um den Bundesligisten so für die Zukunft zu wappnen, dass er sich von Position neun wieder nach oben orientieren kann. Das ist der Anspruch, so formulierte es Coach Adi Hütter im FR-Interview: „Wir wollen ins internationale Geschäft. Die Grenze hat sich verschoben.“ Ganz so leicht wird das nicht.

Eintracht Frankfurt: Rückkehrer könnten direkt wieder gehen

Die Frage wird sein, mit welchem Personal die Eintracht die neue Runde angehen wird. Eine große Fluktuation ist nicht zu erwarten, das Gerüst steht, viele Spieler sind langfristig gebunden, der Kader ist, ohne internationale Auftritte, sogar zu groß. Die Eintracht wird daher einigen Spielern nahelegen, den Verein zu verlassen. Felix Wiedwald, der dritte Torwart, gehört dazu, Mijat Gacinovic, Erik Durm und Lucas Torro sind Wackelkandidaten, der unzufriedene und sich nicht fair behandelt fühlende Ersatztorwart Frederik Rönnow strebt von sich aus einen Wechsel an.

Und es ist nicht anzunehmen, dass alle sechs verliehenen und nun zurückkehrenden Spieler (Tuta, Falette, Barkok, Willems, Zalazar und Joveljic) wieder aufgenommen werden. Bei Abwehrspieler Tuta, Mittelfeldmann Aymen Barkok und Angreifer Dejan Joveljic wird Trainer Adi Hütter sicher noch einmal genauer hinsehen, wie sie sich entwickelt haben.

Eintracht Frankfurt schielt gen Kevin Stöger

Dennoch wird die Eintracht auf dem bis 5. Oktober geöffneten Transfermarkt nicht untätig sein, Hütter wünscht sich mehr Kreativität und Unberechenbarkeit. Ein Name, der mit den Frankfurtern in Verbindung gebracht wird, ist Kevin Stöger. Der Spielmacher, 26, ist ein Landsmann Hütters, spielte zuletzt bei Absteiger Fortuna Düsseldorf und ist ablösefrei zu haben.

Im Blick haben muss der Verein zudem, dass er die DFL-Vorgaben erfüllt, wonach zwölf deutsche und vier im eigenen Klub ausgebildete Akteure einen Profivertrag haben müssen. Beide Kriterien erfüllt die Eintracht momentan nicht, was aber kein Problem darstellt. Auch in den vergangenen Jahren wurde diese Hürde übersprungen, indem man Nachwuchsakteure zu Lizenzspielern machte. Ob das sinnvoll und nachhaltig ist, darf bezweifelt werden (zumindest dann, wenn die Talente keine Chance haben, den Sprung sportlich wirklich zu schaffen), aber rechtens ist die Praktik.

Geld spielt eine Rolle bei Eintracht Frankfurt - Jahr der Rekorde

Nun haben die Frankfurter bereits Verteidiger Fynn Otto mit einem Vertrag bis 2023 ausgestattet. Auch Nebenmann Felix Irorere ist im Visier der Profis. Beide sollen aber perspektivisch gesehen eine realistische Chance haben. „Sie gehören in ihrer Altersklasse zu den Top-Innenverteidigern Deutschlands, bringen enormes Potenzial mit. Sie können es schaffen“, sagte Marco Pezzaiouli. Das war freilich zu einer Zeit, als er am Riederwald noch was zu sagen hatte, Technischer Direktor und A-Jugendtrainer war. Mittlerweile ist er beide Posten los und soll unterm Dach der AG eingebunden werden.

Die Zusammenstellung des neuen Kaders hängt auch mit den Finanzen zusammen. Die Corona-Krise hat Spuren hinterlassen, ganz klar, Borussia Dortmund rechnet mit einem Verlust von 45 Millionen Euro. Auch die Eintracht wird nicht ungeschoren davon kommen, mindestens 25 Millionen Euro, eher mehr, werden aufgrund weggebrochener Einnahmen fehlen.

Da trifft es sich ganz gut, dass die Eintracht ein Jahr der Rekorde hinter sich hat. Das geht aus den von der DFL veröffentlichten Kennzahlen aller Bundesligisten hervor. Demnach hat der Verein im Kalenderjahr 2019 einen Umsatz in Höhe von 301,4 Millionen Euro gemacht und reiht sich damit hinter Borussia Dortmund und Branchenführer Bayern München ein. Höchst erstaunlich. Verwässert werden die Zahlen aber dadurch, dass sie sich, wie erwähnt, auf das Geschäftsjahr 2019 beziehen, bei den meisten anderen Klubs wurde die Saison 2018/19 zu Grunde gelegt. Die Zahlen, die Finanzchef Oliver Frankenbach im Spätsommer präsentieren wird, können demnach davon abweichen.

Eintracht Frankfurt: Personalkosten steigen enorm, die Verbindlichkeiten auch

Die Eintracht hat, so oder so, auch bei den Personalkosten enorm zugelegt, die Aufwendungen sind um 20 Millionen auf 92,9 Millionen Euro gestiegen, damit liegt sie auf Rang sieben, nicht mehr so weit hinter Borussia Mönchengladbach (98,6 Millionen Euro). Auch das Eigenkapital ist gewachsen, von 30,8 auf 67,9 Millionen Euro. Klar ist, dass die Erfolge in der Europa League und die Rekordtransfers von Luka Jovic (Real Madrid) und Sebastien Haller (West Ham United) die imposanten Zahlen begünstigt haben. Und eine sichere Einnahmequelle kommt hinzu, ab Mittwoch heißt das Areal am Waldstadion offiziell Deutsche Bank Park und nicht mehr Commerzbank-Arena. Dafür kassiert der Klub rund sechs Millionen Euro pro Jahr, vorher floss die Zahlung an die Stadt, die Eintracht partizipierte nur mit einer Million Euro.

Aber auch die Verbindlichkeiten haben zugenommen, stiegen von 42,8 Millionen auf 95,7 Millionen Euro. Das hat etwas mit Forderungen aus Transfers zu tun, die mittlerweile fast immer über Raten abgewickelt werden, und auch mit dem Neubau des Proficampus, der rund 35 Millionen Euro verschlingt. Ihrerseits wartet die Eintracht noch auf hohe Tranchen von Real und West Ham. Die fallen bei einem Gesamtvolumen der beiden Transfers von rund 120 Millionen nicht eben schmal aus.

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