Aus dem Krankenstand sofort in die Startelf: Bas Dost (re.) im Kopfballduell. afp
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Aus dem Krankenstand sofort in die Startelf: Bas Dost (re.) im Kopfballduell. afp

Eintracht Frankfurt verliert auf Schalke

SGE-Trainer Adi Hütter wechselt vergeblich durch

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht-Frankfurt-Trainer Adi Hütter zaubert Bas Dost aus dem Hut und stellt auf Schalke eine Menge um, aber es verfängt nicht.

Er sei nicht „übereuphorisch“, sagte Trainer Adi Hütter vor der Partie auf Schalke und meinte die Einsatzchancen von Eintracht-Stürmer Bas Dost, der am Freitag ja ein überraschendes Comeback auf dem Trainingsplatz im Stadtwald gegeben hatte. Keiner dachte vor drei Tagen wirklich daran, dass der lange unpässliche und an der Leiste verletzte 30-Jährige eine ernsthafte Option für die fällige Bundesligapartie in Gelsenkirchen-Buer sein könnte, schließlich hatte Coach Hütter die Vorrunde für den Niederländer erst eine Woche zuvor kurzerhand für beendet erklärt. Und dann, genauso plötzlich wie sich Dost auf dem Übungsareal zurückgemeldet hatte, stand der blitzgeheilte Niederländer unverrichteter Dinge in der Anfangsformation der Eintracht. Sapperlot. 97 Minuten und eine 0:1-Niederlage später sollte der Hüne geknickt, aber nicht gänzlich unzufrieden sagen: „Jetzt ist so eine Phase, da läuft es einfach nicht. Trotzdem können wir stolz sein darauf sein, wie wir gespielt haben.“ Das war, nun ja, vielleicht ein kleines bisschen übertrieben.

Dost läuft für die SGE auf

Trainer Hütter wollte mehr „Präsenz und Wucht“ im Sturmzentrum, und da nahm es der Fußballlehrer auch in Kauf, dass Dost nach dem geklemmten Nerv in der Leiste nur eine echte Trainingseinheit und das Abschlusstraining absolvieren konnte. Das ist bemerkenswert, denn wenn der Neuzugang aus Portugal die ganze Zeit nicht fit war, dann kann er es jetzt auch nicht sein. Die Nominierung des Brechers im Angriff zeigt daher auch, wie groß die Not in Frankfurt schon ist und wie sehr, zumindest im Moment, das Vertrauen in die aktuellen, formschwachen Stürmer Goncalo Paciencia und André Silva geschrumpft ist. „Bas ist ein Spieler, der uns die Tore machen kann“, sagte Hütter am Sonntagabend. „Deshalb haben wir ihn im Sommer geholt.“ Er hoffe, dass der frühere Wolfsburger nun endlich mal komplett schmerzfrei bleibe und seinen körperlichen Rückstand aufarbeiten könne.

Dost, so viel vorneweg, mühte sich, warf alles, was er reinzuwerfen hatte, hinein, aber dass das nicht besonders viel war, konnte man nach der längeren Pause ja erahnen. „Er hat eine ordentliche Leistung gebracht“, urteilte Hütter dennoch.

SGE: Hütter krempelt Mannschaft komplett um

Dost verlängerte ein paar Kopfbälle, einmal wurde er von Gegenspieler Ozan Kabak elfmeterreif am Trikot gezogen, aber sonst konnte der Mittelstürmer dem Spiel nicht seinen Stempel aufdrücken. Das lag an der mangelnden Unterstützung seiner Kollegen und auch daran, dass die Umstellungen des Frankfurter Trainers Hütter nicht so griffen, wie er sich das vorgestellt hatte.

Der Österreicher „opferte“ für Dost seine beiden Angreifer Paciencia und Silva, die zuletzt keine Bäume ausgerissen hatten. Aber dabei blieb es nicht, der 49-Jährige krempelte die Mannschaft ordentlich um, auf insgesamt sechs Positionen. Neben Dost kamen auch Almamy Touré, Evan Ndicka, Timothy Chandler, Lucas Torro und Mijat Gacinovic ins Spiel. Auch taktisch stellte er um, bot zwei defensive Mittelfeldspieler (Torro, Djibril Sow) und zwei Achter (Gacinovic, Sebastian Rode) hinter der einzigen Spitze auf. Die gesamte Ausrichtung war defensiver, und so war es auch kein Zufall, dass nur wenige vielversprechende Offensivaktionen zu sehen waren. Dazu war zu wenig spielerisches Potenzial auf dem Platz.

SGE: Zu viele individuelle Fehler 

Und doch waren es durchaus mutige Maßnahmen des Trainers, schließlich hatten auch Chandler und Torro schon lange nicht mehr in der Startformation gestanden, auch Mijat Gacinovic plagte sich stetig mit Beschwerden herum, die einen Rhythmus gar nicht erst aufkommen lassen wollen. Die Neuen mühten sich redlich, Torro etwa machte im defensiven Mittelfeld ein solides Spiel, auch Timothy Chandler versuchte als Ersatz des überspielten Danny da Costa vieles.

„Ich habe alles rausgehauen, was drin war“, sagte Chandler, der nach Rodes Auswechslung sogar die Kapitänsbinde trug. „Ich habe mich riesig gefreut, spielen zu dürfen.“ In der Schlussphase ging Chandler dann auf die Verteidigerposition, der eingewechselte Erik Durm fungierte als Rechtsaußen und hatte in der Kürze der Zeit gefühlt mehr Torchancen als alle Offensivkräfte (Dost und die eingewechselten Paciencia sowie Daichi Kamada) zusammen.

Doch wirklich durchschlagend war das alles nicht, dazu war das Spiel auch wieder zu fehlerbehaftet, gerade Gacinovic und Sow verloren zu viele Bälle. Gerade bei Gacinovic ist das zwar nichts Neues, aber umso ärgerlicher, da der schmächtige Serbe durch seinen Fleiß und seine Laufwege immer wieder mal in vielversprechende Situationen kommt, die dann aber im Sande verlaufen. Auch Sebastian Rode wusste auf der offensiveren Position nicht zu überzeugen, wirkte fast wie ein Fremdkörper.

Den größten Bock aber schoss Almamy Touré, der eigentlich noch über die meiste Spielpraxis verfügt. Sein missglücktes Solo mündete im 0:1. „Wir machen“, urteilte Hütter, „zu viele schwere Eigenfehler.“ Kann man so sehen.

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