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SGE

Totalumbruch bei der Eintracht nach Hütter-Beben - Einigung mit Bobic

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Adi Hütter weg, Fredi Bobic weg: Eintracht Frankfurt muss plötzlich einen Totalumbruch stemmen. Kriegt der Klub das hin?

Frankfurt - Eine gewisse Ironie ist sicher nicht von der Hand zu weisen, wenn ausgerechnet der freiwillig scheidende Vorstand dem freiwillig scheidenden Trainer nette Abschiedsworte zuruft: „Adi Hütter hat für Eintracht Frankfurt Außerordentliches geleistet und kann die Saison mit dem Erreichen der Champions League krönen“, ließ sich Fredi Bobic, Noch-Sportchef von Fußballbundesligist Eintracht Frankfurt, am Dienstag in jener Mitteilung des Klubs zitieren, die den Wechsel des Frankfurter Fußballlehrers am Saisonende zu Borussia Mönchengladbach bestätigte. Genau unser Humor, liebe Eintracht.

Eintracht Frankfurt: Rangnick ein Thema?

Natürlich obliegt es Bobic formal aufgrund seiner Nochrolle beim Tabellenvierten, ebensolche Statements zu tätigen, merkwürdig mutete es aber schon an, dass sich in der um 10.30 Uhr veröffentlichten Schrift keiner der bleibenden Macher zur heiklen Thematik äußerte. Am frühen Abend, exakt 18 Uhr, versendete die Eintracht schließlich ihre zweite Pressemitteilung des Tages, die in diesem Punkt zumindest Besserung verspricht: Demnach fungiert Axel Hellmann ab sofort als Vorstandssprecher. Dies habe der dreiköpfige Vorstand – also Bobic, Hellmann und Oliver Frankenbach – einstimmig entschieden. Der Aufsichtsrat schloss sich diesem Vorschlag einstimmig an,

„Die aktuelle Lage erfordert, dass übergeordnete Themen im Vorstand gemeinschaftlich abgearbeitet und die anstehenden personellen Übergänge auf den jeweiligen Positionen reibungslos sichergestellt werden“, erklärte Hellmann. Es sei nun seine Aufgabe, eine einheitliche Kommunikation nach innen und außen sicherzustellen. Wichtig: Die Geschäftsverteilung der drei Vorstände – Bobic (Sport), Frankenbach (Finanzen), Hellmann (Marketing) – bleiben unverändert und werden auch dann Bestand haben, wenn für den scheidenden Bobic ein Nachfolger gefunden ist – was sich mehr und mehr abzeichnet, gestern köchelte der Name von Ralf Rangnick in der Gerüchteküche hoch, aber dazu später mehr.

Verlassen beide die SGE: Eintracht-Trainer Adi Hütter (links) direkt nach dem Abpfiff im Austausch mit Vorstand Fredi Bobic.

Eintracht Frankfurt: Einigung mit Fredi Bobic

„Eintracht Frankfurt befindet sich aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Umbruch. Wir folgen dabei weiter der klaren Linie, alle offenen Themen mit Ruhe und Sachlichkeit zu bearbeiten“, kommentierte der Aufsichtsratsvorsitzende Philip Holzer das Votum für Hellmann als Vorstandssprecher. Es sei daher eine Bündelung der kommunikativen Aufgaben erforderlich. Heißt: Hellmann wird künftig zwar für den Vorstand in der Öffentlichkeit sprechen, aber keineswegs federführend sportliche Belange einordnen. Dies obliegt auch künftig dem Sportvorstand, er wird beispielsweise zur Einordnung nach Spielen den Medien Rede und Antwort stehen.

Von dieser am Abend bekanntgemachten Veränderung lässt sich ein zweiter interessanter, auch wegweisender Aspekt für die Eintracht ableiten: Wie bereits von der FR berichtet, hat sich der Klub weitestgehend mit Fredi Bobic geeinigt. Für 2,5 bis drei Millionen Euro wird er den Klub im Sommer verlassen. Die Ziellinie in dieser Thematik naht, sie ist intern wohl schon überschritten worden. Lediglich die Verkündung steht noch aus.

Eintracht Frankfurt: Neuer Sportchef soll schon bald kommen

Und wenn ein Dominostein fällt, folgt im besten Fall der nächste. Sprich: Da die Causa Bobic, der im Übrigen bis Saisonende weitermachen wird und den Einzug in die Champions League mit der Mannschaft sowie dem Trainer unbedingt packen will, unmittelbar vor dem Abschluss steht, dürfte in nicht allzu weiter Ferne die Verkündung seines Nachfolgers anstehen. Die Eintracht hofft, bis Ende des Monats den neuen Sportchef präsentieren zu können.

Sky meldete am Abend, dass es sich bei jenem um Ralf Rangnick handeln könnte. Wie der TV-Sender berichtete, könnte der 62-Jährige, der zuletzt auch bei Schalke 04 und als Bundestrainer im Gespräch war, die Posten als Trainer und Sportvorstand in Personalunion übernehmen. Gespräche zwischen Klub und Rangnick müssten aber erst noch geführt werden.

Eintracht Frankfurt: Rangnick-Deal ist eher unwahrscheinlich

Fakt ist: Bei der Suche nach einem Bobic-Erben tauchte Rangnick natürlich auf den Zetteln der Frankfurter Bosse auf, alles andere wäre fahrlässig, es könnte auch zu persönlichen Gesprächen kommen, wahrscheinlich ist eine Verpflichtung des Allesmachers jedoch nicht. Rangnick würde nicht nur im Umfeld mit seiner Plastikklub-Vergangenheit polarisieren, sondern auch intern großen, wohl zu großen Raum einnehmen. Auszuschließen ist in diesen wilden Zeiten bei Eintracht Frankfurt aber irgendwie ja nichts mehr.

Fans von Eintracht Frankfurt sind sauer auf Hütter

Während also am Dienstagabend der Vorstand die Schlagzeilen bestimmte, hatte dies vorher Trainer Adi Hütter und dessen Abschied zu Borussia Mönchengladbach getan. Nachdem der Wechsel für eine Ablöse von 7,5 Millionen Euro erst von der Eintracht bekanntgegeben und später von Gladbacher Seite bestätigt wurde, kochte der Zorn des Volkes, also der Fans, auf. Nichts anderes als ein Lügner sei Hütter, soll er doch gehen, am besten sofort, hieß es mitunter. Und klammerte man mal die unter der Anonymität des Internets geäußerten Verbalausfälle aus, blieb eines übrig: Frankfurt ist ganz schön sauer auf Adi Hütter.

Das Ich-bleibe-Bekenntnis Ende Februar haben ihm die meisten Eintracht-Fans abgenommen – warum auch nicht? Der Trainer hatte bis dahin schließlich einen makellosen Ruf. Eineinhalb Monate später muss nüchtern festgehalten werden: ein Mann, kein Wort.

Eintracht Frankfurt: Peintinger und Reutershahn auch nach Gladbach

Wie die FR bereits schrieb, ist es natürlich legitim, dass ein Trainer von einer Ausstiegsklausel Gebrauch macht, wenn er bei der Abwägung seiner Optionen eine andere präferiert. So ist das Geschäft, und offenbar wähnt Hütter die Gladbacher – sicher nicht ganz zu Unrecht – weiter in der Entwicklung als die Eintracht. Auch ist in seinem Dreijahresvertrag ein höheres Gehalt (fünf statt etwa drei Millionen Euro im Jahr) verankert. Hütter wird seinen langjährigen Co-Trainer Christian Peintinger und den Assistenten Armin Reutershahn mitnehmen.

Der Coach, so stand es in der Pressemitteilung der Eintracht, habe sich die Entscheidung „nicht leicht“ gemacht. „Ich habe hier drei unglaublich erfolgreiche und intensive Jahre erlebt, die ich gemeinsam mit der Mannschaft mit einem herausragenden Ergebnis abschließen möchte.“ Und weiter: „Wir haben eine historische Chance. Wir wollen unseren Vorsprung verteidigen und uns für die Champions League qualifizieren. Diesem Ziel ordnen wir alles unter.“

Doch kann das gutgehen, wenn neben dem Sportvorstand, dem Sportdirektor (Bruno Hübner) auch noch der Trainer den Klub verlässt? Können die Spieler wie bisher die Aufregung ausblenden? Wird nicht doch gleich beim ersten Negativerlebnis die Lame-duck-Debatte geführt? Oder kommen die Spieler in einen Jetzt-erst-recht-Modus?

Noch hat die Eintracht sieben Zähler Vorsprung auf den Fünften aus Dortmund, zudem hat sich der Sechste aus Leverkusen am Montag quasi selbst aus dem Champions-League-Rennen verabschiedet. Auch schienen sich die Frankfurter Fußballer zuletzt mehr an sich selbst zu berauschen, denn über die Nebengeräusche zu grübeln. Auch gestern sollen sie sich noch einmal eingeschworen haben auf das große Ziel Königsklasse.

Dass die Eintracht am Samstag ausgerechnet in Gladbach antritt, bringt zusätzliche Würze rein. Zweifelsohne hatte die Borussia ein größeres Interesse daran, die Hütter-Personalie in dieser so wichtigen Woche dingfest zu machen. Die dadurch zwangsläufig entstandene Unruhe bei der Eintracht wird den Gastgebern eher nicht schaden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

Eintracht Frankfurt: Es droht der Ausverkauf

Bei der Suche nach einem Hütter-Nachfolger sind die Frankfurter derweil noch in der Sondierungsphase, dies obliegt – ganz logisch - bald federführend dem neuen Sportvorstand. Es gibt jedoch erste positive Signale aus hessischer Sicht: Trainer, die vor drei, vier Jahren noch nicht zur Eintracht gewollt hätten, heben bereits den Finger. Der Neue dürfte also kein schon häufig aus dem Bundesliga-Karussell katapultierter Mann werden, eher eine kreative Lösung, wie es schon bei Niko Kovac und Adi Hütter der Fall war.

Aber was passiert mit dem Kader? Folgt der Ausverkauf? Möglich, aber eher nicht, vor allem dann nicht, wenn die Königsklasse klargemacht werden kann. Das schließt nicht den einen oder anderen Wechsel eines Topspielers aus, grundsätzlich gilt aber, dass von den Leistungsträgern lediglich Luka Jovic keinen Vertrag über die Saison hinaus bei den Frankfurtern besitzt. Wenngleich Hütter großen Einfluss auf den Kauf und/oder die Entwicklung von Profis wie Djibril Sow, Filip Kostic, Martin Hinteregger (nahm nach Verletzung das Teamtraining auf), Evan Ndicka oder André Silva hatte – das Gros wird die Eintracht eher nicht verlassen..

Eintracht Frankfurt: Dejan Ljubicic soll kommen

Auch einzelne Planungen, angestoßen vom Direktor Profifußball Ben Manga, gehen natürlich weiter. So sind nicht nur die ablösefreien Verpflichtungen von Christopher Lenz (Union Berlin) und Ali Akman (Bursaspor) bereits fix, auch Dejan Ljubicic von Rapid Wien könnte ab kommender Saison für die Hessen kicken. Der defensive Mittelfeldspieler, mit 23 Jahren schon Kapitän bei den Österreichern, ist im Sommer ablösefrei zu haben. Bereits im Winter wurde über einen Wechsel nach Frankfurt spekuliert, aktuell wird konkreter darüber verhandelt. Ljubicic, in Wien geboren, durchlief die gesamte Rapid-Jugend, gilt als Vollprofi, der sogar seinen Schlaf genau überwacht, und er möchte nun den nächsten Schritt gehen.

Rubriklistenbild: © AFP

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