Parierte vergangene Saison 64,8 Prozent aller Schüsse auf seinen Kasten: Eintracht-Torhüter und Nationalspieler Kevin Trapp.
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Parierte vergangene Saison 64,8 Prozent aller Schüsse auf seinen Kasten: Eintracht-Torhüter und Nationalspieler Kevin Trapp.

Eintracht Frankfurt

Die große T-Frage: Bleibt oder geht Eintracht-Torhüter Kevin Trapp?

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Eintracht-Torhüter Kevin Trapp steht in Berlin auf dem Einkaufszettel – was für und gegen einen Verkauf spricht.

  • Hertha BSC ist offenbar ein Torhüter Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt interessiert
  • Was spricht für, was gegen einen Verbleib von Kevin Trapp bei der SGE?
  • Kevin Trapp ist ein Aushängeschild bei Eintracht Frankfurt

Frankfurt - Etwas mehr als eine Woche ist es her, da schrieb die Frankfurter Rundschau: „Einen Markt für ihn gibt es bisher nicht. In der Bundesliga würde höchstens Hertha BSC mit den Millionen von Investor Lars Windhorst und dem fast 36-jährigen, zuletzt schwächelnden Rune Jarstein in Frage kommen. Aktuell ist das kein Thema.“ Stand jetzt also. Und was das bedeuten kann, wissen sie spätestens seit dem Niko-Kovac-Abschied vor zwei Jahren bei Eintracht Frankfurt wohl am besten.

Das vom „Kicker“ am Montag öffentlich gemachte Interesse der Berliner Hertha an Kevin Trapp, dem Stammtorhüter des Frankfurter Bundesligisten, ist wahrscheinlich, wenngleich die Hauptstädter bisher noch keine konkrete Anfrage bei den Hessen hinterlegt haben.

Eintracht Frankfurt: Reaktion von Kevin Trapp wird mit Spannung erwartet

Daher die Fakten kurz zusammengefasst: Berlin sucht einen neuen Torhüter und sondiert selbstverständlich den Markt, auf den Trapp jüngst durch die Aussagen der Frankfurter Bosse, Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing und Sportvorstand Fredi Bobic, katapultiert wurde. Der gerade 30 gewordene Torsteher schweigt dagegen, verständlicherweise, verbringt er doch zurzeit seine wohlverdienten Ferien gemeinsam mit der Verlobten Izabel Goulart auf Mykonos.

Die Reaktion des Schlussmannes wird mit Spannung erwartet, wenn er kommende Woche gemeinsam mit seinen Kollegen in den Stadtwald zurückkehrt, um am Montag und Dienstag einige Fitnesstests sowie am Mittwoch das erste Training zu absolvieren. Bei der Eintracht rechnen sie nicht damit, dass zuvor schon Bewegung in die T-Frage kommen wird – ebenso wenig übrigens wie bei anderen Spielern.

Doch was spricht überhaupt für und gegen einen Wechsel des deutschen Nationalkeepers in diesem Sommer? Argumente gibt es für beide Varianten.

Das spricht für einen Verbleib von Kevin Trapp bei Eintracht Frankfurt

Das spricht für einen Verbleib: Erstens ist Kevin Trapp ein guter Torhüter, einer, der zwar keine herausragende Saison hinter sich hat, sehr wohl aber eine solide. Er hat grundsätzlich eine beruhigende Wirkung auf seine Vordermänner, er strahlt Sicherheit bei Flanken in seinen Strafraum aus, er leitet Angriffe mit präzisen Abspielen ein, er pariert das, was er parieren muss. Würde Trapp diese wichtigen Torwarteigenschaften nicht zur Zufriedenheit seines Chefs erfüllen, wäre sein interner Konkurrent Frederik Rönnow wirklich ein besserer Keeper, warum hätte Adi Hütter dann stets Trapp dem Dänen vorgezogen? Ein Trainer stellt ungern den schlechteren Mann auf.

Zweitens ist Trapp ein Ehrgeizling, den es immer ein bisschen mehr wurmt als die Kollegen, wenn er verliert oder auch nur unnötige Gegentreffer kassiert. Das kann Mitspieler mitunter nerven, klar, ist an der einen oder anderen Stelle sicher auch überzogen, doch grundsätzlich braucht es nun mal Reibung, um voranzukommen. Es braucht Motivatoren, Anschieber innerhalb einer Gemeinschaft, um nicht den Status quo als Erfolg anzusehen, sondern nur als Zwischenschritt zum nächsten Ziel. So tickt Kevin Trapp, und so tickt vor allem auch der Frankfurter Vorstand Bobic. Solche Typen sind eher selten und sollten nicht leichtfertig hergegeben werden.

Kevin Trapp ist ein wichtiges Aushängeschild für Eintracht Frankfurt

Drittens ist der bis 2024 an die Eintracht gebundene Saarländer ein wichtiges Aushängeschild des Klubs. Trapp ist eloquent, selbstsicher, und wird stets vorgeschickt, wenn es den Verein zu präsentieren gilt. Die meisten Interviewfragen, die bei der Eintracht eintrudeln, betreffen den sprachbegabten Torhüter – nationale, aber vor allem internationale. Reist die Eintracht ins Trainingslager nach Florida oder zur Partien im Europapokal sind die Aussagen des Keepers gefragter als die von anderen Profis.

Gewiss spielt da auch der Glamourfaktor eine gewichtige Rolle, den Trapp spätestens seit seiner Anstellung in Paris versprüht. Solch eine Marke auf den Transfermarkt zu veräußern, wäre zudem ein eher abschreckenes Signal an potenzielle Neuzugänge. Es würde ungewollt unterstreichen, wie sehr die Entwicklung der Eintracht derzeit tatsächlich durch die Corona-Krise ausgebremst wird.

Das spricht gegen einen Verbleib von Kevin Trapp bei Eintracht Frankfurt

Das spricht gegen einen Verbleib: Die Zahlen der vergangenen Runde sind nicht unbedingt Freunde von Kevin Trapp. Er hielt laut Statistik 75 ernsthafte Schüsse auf seinen Kasten, liegt damit nur auf Rang 14 aller eingesetzten Keeper. Zum Vergleich: Spitzenreiter Yann Sommer von Borussia Mönchengladbach parierte 125 Versuche, wohlgemerkt war Trapp aber zwischenzeitlich elf Ligapartien wegen einer Schulterverletzung außer Gefecht gesetzt.

Besser kann daher zur Einordnung der Leistungen die Paradenquote herhalten, die bei Trapp einen soliden Wert von 64,8 Prozent rausspuckt. Bloß: Vertreter Rönnow kam während seiner neun Einsätze auf satte 72,5 Prozent. Selbst der in Berlin zur Diskussion stehende Rune Jarstein hielt 67,1 Prozent aller Abschlüsse auf sein Tor. Nun hat das natürlich auch mit den jeweiligen Gegnern und der Abwehrarbeit der Feldspieler zu tun, alles in allem scheinen sich die beiden Frankfurter Keeper aber mindestens auf einem ähnlichen Niveau zu bewegen. Auch Trainingseindrücke erwecken diesen Eindruck.

Eintracht Frankfurt: Das liebe Geld spielt eine große Rolle

Was unumgänglich zum eigentlichen Grund führt, weshalb Trapp überhaupt als Wechselkandidat genannt wird: der Kohle. Denn der bisherige Stammkeeper kostet die Hessen zum einen mehr Gehalt (mehr als vier Millionen Euro pro Jahr) als Rönnow, zum anderen würde er bei einem Verkauf im Vergleich zum Dänen bis zu dreimal mehr Einnahmen bringen.

Der Marktwert von Rönnow wird auf 2,5 Millionen Euro geschätzt, jener von Trapp auf acht Millionen. Für diese Summe war er vor einem Jahr auch von Paris Saint-Germain geholt worden. Zudem wäre für Trapp persönlich ein Wechsel nach Berlin in finanzieller Sicht sicher kein Rückschritt, zumal die Hauptstädter unter Trainer Bruno Labbadia auch sportlich die Ligaspitze attackieren wollen.

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