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Eintracht zum Anfassen - und gnadenlos

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Von: Ingo Durstewitz

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Drei Buden zum Einstand: Stürmer Randal Kolo Muani.
Drei Buden zum Einstand: Stürmer Randal Kolo Muani. © Jan Huebner

Frankfurter Europapokalsieger startet in der Wetterau auch ohne Mario Götze mit einem lockeren 14:0-Kantersieg. Und was wird aus Filip Kostic?

Frankfurt - Mitunter kann Oliver Glasner ein ganz schöner Spielverderber sein, erbarmungslos, da kennt der Trainer von Eintracht Frankfurt dann auch keine Gnade mit achtklassigen Hobbykickern. Vor dem ersten Freundschaftsspiel in dieser Saison beim SV Nieder-Weisel, dem Kreisoberligisten aus Butzbach, hat er seinen Europapokalsiegern mit auf den Weg gegeben, dass sie die Sache ernst nehmen und dem auf diesem Niveau logischerweise überforderten Gegner doch bitte schön nicht mal einen einzigen Torschuss gestatten sollten.

Gesagt, gehört, getan. Die Eintracht-Keeper Jens Grahl und Diant Ramaj sind ohne einen Fleck auf ihrem Dress von der Wiese gegangen. 14:0, zur Halbzeit 6:0, stand es nach 90 Minuten in einem Duell, das mit ungleich unzureichend beschrieben ist. Torschüsse für Nieder-Weisel: null. Genau deshalb entfielen auch die von Glasner angedrohten Läufe nach dem Spiel. „Das ist jetzt das Geschenk für die Jungs“, sagte der Coach. „Mir hat gefallen, dass sie giftig waren. Es war wichtig zu sehen, dass sie diese Mentalität zeigen, auch wenn es nur gegen einen Kreisoberligisten ging.“

Randal Kolo Muani in guter Verfassung

Das Spiel hatte ja auch einen anderen Sinn und Zweck, es war der Auftakt der Frankfurter Reihe, die unter dem Motto „Eintracht in der Region“ steht. „Wir haben gesagt: Mehr Wetterau, weniger Asien. Deswegen starten wir hier“, sagte Vorstandssprecher Axel Hellmann. Nämlich mitten in der Wetterau. Nach zwei Corona-Jahren mit vielen Geistern und noch mehr Social Distancing will die boomende Eintracht ein Klub zum Anfassen bleiben und den Kontakt zur Basis nicht verlieren. Denn dort entsteht der Nährboden, der Großes wie den Triumphzug durch Europa entstehen lässt.

Der sportliche Wert war eher der einer Trainingseinheit, die Mannschaft hat die Aufgabe gemäß der Vorgabe ihres Vorgesetzten aber passgenau umgesetzt. Keine Hackentricks, kein Geschnicke, sondern seriöser Fußball, der dennoch ohne die letzte Konsequenz und Zielstrebigkeit auskommen musste.

Deshalb muss trotzdem nicht unerwähnt bleiben, dass sich Stürmer Randal Kolo Muani in guter Verfassung präsentierte, drei Tore hat der Neue aus Nantes gemacht und via Sky ein kleines Lob seines Trainers eingeheimst: „Er hat das gezeigt, was ich schon die ganze Woche gesehen habe: Dass er sehr torgefährlich ist, ein gutes Gefühl im Strafraum und die Ruhe beim Abschluss hat.“ Die hat auch Mario Götze, der in Nieder-Weisel wegen leichter muskulärer Probleme aber nicht mittun konnte. Der 30-Jährige schrieb dafür eifrig Autogramme, nicht für alle der 3000 Fans, aber mehr als genug.

Rode von Götze begeistert

Kapitän Sebastian Rode, einst Mitspieler Götzes in München und Dortmund, ist begeistert vom prominenten Zugang: „Mario ist ein überragender Fußballer, von der Spielintelligenz einer der Besten, mit denen ich je zusammengespielt habe. Er ist eher introvertiert, aber ein feiner Mensch, er passt hier total rein.“ Rode ist generell der Meinung, dass der Kader tauglich ist für höhere Aufgabe – wenn er so zusammenbliebe. „Dann hätten wir ein deutlich besseres Team als letzte Saison.“

Unklar bleibt aber, was aus Daichi Kamada, Evan Ndicka und Filip Kostic wird. Gerade die Personalie Kostic wird heiß diskutiert. „Es ist für Filip eine wichtige Entscheidung“, sagte Sportvorstand Markus Krösche. „Wir geben ihm die Zeit, darüber nachzudenken. Er muss mit sich selbst ausmachen, was für ihn der nächste Schritt ist. Ich schließe nicht aus, dass er bleibt, aber das ist seine Entscheidung.“ Intern gehen die Verantwortlichen von einem Abgang aus. (Ingo Durstewitz)

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