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Findet sich immer besser im Frankfurter Spiel zurecht: Djibril Sow (links), hier im Duell mit Alphonso Davies vom FC Bayern. 

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Eintracht Frankfurt: Das sind die Strippenzieher im Mittelfeld

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Eintracht Frankfurt findet allmählich die richtige Mischung im Mittelfeld - zwei spielstarke Angreifer sind jedoch unabdingbar.

Auch heute wird Gelson Fernandes wieder auf dem Podium neben seinem Chef Adi Hütter sitzen. Am frühen Mittwochabend gibt der Trainer der Frankfurter Eintracht in den Katakomben des Maurice-Dufrasne-Stadions im Lütticher Stadtteil Sclessin letzte Informationen zum Spiel anderntags gegen Standard (18.55 Uhr/live, Dazn), üblicherweise ist bei internationalen Auftritten ein Frankfurter Spieler an seiner Seite, der der interessierten Öffentlichkeit seine Sicht der Dinge nahebringt. Gelson Fernandes macht das sehr häufig, er macht das, anders als viele andere, gerne, er ist ein offener, unkomplizierter, kommunikativer Kerl mit dem Schalk im Nacken, vor allem aber kann er in vielen, sehr vielen Sprachen parlieren, auch an Chinesisch hat er sich schon probiert. In Belgien wird der Schweizer mit Wurzeln auf den Kapverdischen Inseln Französisch sprechen, Portugiesisch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Deutsch sowieso. Der Frankfurter Außenminister ist einer, den man guten Gewissens präsentieren kann.

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Aber natürlich ist Gelson Fernandes nicht nur wegen seiner Sprachkenntnisse derzeit ein wichtiger Bestandteil des Frankfurter Ensembles. So einen wie ihn gibt es nur einmal im Team der Eintracht, einer, der ständig stochert, wühlt, ackert, von Pontius zu Pilatus rennt, der das Aufbauspiel stört, Sand ins Getriebe des Widersachers streut, der den Gegner mit seiner permanenten Anwesenheit auf dem gesamten Spielfeld einfach nur nervt. „Gelson stopft Löcher“, sagt Trainer Adi Hütter über seinen Sechser, einem Zerstörer vor dem Herrn, dazu „hilft er der Mannschaft verbal“. Nun ist Fernandes, schon 33, aber fit wie mit 23, einer, der auch während der 90 Minuten das Wort führt, spricht, dirigiert, gestikuliert, die Mannschaft anleitet.

Eintracht Frankfurt auf der Suche nach der Balance

Ist es da eine Überraschung, dass die Eintracht lediglich zwei von 14 Pflichtspielen, in denen der defensive Mittelfeldspieler auf dem Platz stand, verloren hat (in Straßburg und in Gladbach), aber drei der sieben, in denen er nicht spielte?

Seine Unerbittlichkeit, seine Mentalität, sich bedingungslos in den Dienst der Mannschaft zu stellen, bewirkt offenbar eine lang vermisste Stabilität im Frankfurter Mittelfeld. Wenn Fernandes trotz all seiner fußballerischen Defizite spielt, wirkt das Frankfurter Ensemble kompakter, geschlossener, besser austariert. Das war zuletzt oft das Problem: Die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive zu finden. Diese scheint jetzt, bei aller Vorsicht, gefunden worden zu sein - eben mit Fernandez, dem besser gewordenen Djibril Sow und Arbeitsbiene Sebastian Rode, die momentan beste, weil funktionierende Formation. Das Mittelfeld ist das Herzstück jeder Mannschaft, hier wird der Takt vorgegeben, Rhythmus und Tempo bestimmt. „Von der Qualität her sind wir besser als letztes Jahr“, sagt Rode, „spielerisch haben wir uns weiterentwickelt.“

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Sie haben sich im Mittelfeld aber auch erst finden müssen. Rode hatte wegen seines Knorpelschadens lange aussetzen müssen, Sow wegen eines Sehnenrisses einen Teil der Vorbereitung nicht absolvieren können. Gerade Sow hatte ein bisschen gebraucht, bis er ins Rollen gekommen war, gerade in der Anfangszeit waren ihm hanebüchene Ballverluste und Fehlpässe unterlaufen. Inzwischen hat er sich gemausert, er spult eine Menge Kilometer herunter, findet sich immer besser zurecht, und hat jetzt am Samstag gegen die Bayern auch sein erstes Tor erzielt. Da ist ihm eine wahre Last von den Schultern gefallen. Die personelle Konstellation mit dem Wühler Fernandes, dem Energiebündel Rode und dem Verbindungsspieler Sow hat sich bislang als die stärkste herauskristallisiert.

Daichi Kamada muss seinen Platz noch finden

Für diese Formation bedarf es allerdings auch zweier Angreifer, die anspielbar sind, die Bälle behaupten, die nicht nur auf gescheite Pässe warten, sondern die in die Kombinationen eingebunden sind, die mitspielen.

Das gelang in den letzten Heimspielen gegen Bayer Leverkusen (3:0) und Bayern München (5:1) grandios, Bas Dost und Goncalo Paciencia bildeten in beiden Partien das Sturmduo, das auch Wucht und Durchschlagskraft entwickelte.

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Das wiederum macht es schwer für Daichi Kamada. Im Sturm, wo er wegen des verletzungsbedingten Ausfalls von André Silva und Dost aushelfen musste, ist er nicht richtig aufgehoben, er braucht das Spiel vor sich. Er ist ein feiner Fußballer, er hat auch das Auge für den Nebenmann, zuletzt hat er vier Vorlagen nach ruhenden Bällen geliefert. Nur beim finalen Abschluss, beim Schuss aufs Tor, ist der Japaner noch nicht besonders auffällig geworden. Da werden seine oft guten Versuche im letzten Moment abgeblockt, oder seine Kopfbälle streichen um Haaresbreite am Tor vorbei. Ein einziges Tor, im Pokal gegen Waldhof Mannheim, steht bislang in seiner Bilanz. Das ist für einen offensiven Mittelfeldspieler deutlich zu wenig. Hütter, der viel Vertrauensvorschuss gibt, glaubt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Kamada endlich trifft: „Irgendwann wird bei ihm der Knopf aufgehen.“

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Torgefahr freilich strahlt erstaunlicherweise das Mittelfeld nicht aus, die Abwehr trifft neuerdings regelmäßig, der Angriff sowieso. Nur die zentral postierten Profis nicht, Rode und Sow haben in der Liga einmal getroffen, Dominik Kohr, der um seinen Platz im Mittelfeld kämpfen muss, Lucas Torro, der es kaum noch in den Kader schafft, Mijat Gacinovic haben bisher einmal, jeweils in der Quali, getroffen. Nur Gelson Fernandes ist bislang komplett torlos geblieben. Er hat deutlich andere Vorzüge.  

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