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Eine Institution in Liechtenstein: Mario Frick (links), hier noch als Spieler.

FC Vaduz

Der Star des nächsten Eintracht-Gegners: Der Loddar aus Vaduz

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Mario Frick ist im Fürstentum ganz ohne Zweifel das, was man eine Legende nennt. Der Trainer des FC Vaduz ist Rekordspieler und bezeichnet sich selbst als „Lothar Matthäus Lichtensteins“.

Beim FC Vaduz, dem kleinen Klub aus dem Zwergenstaat Liechtenstein, sucht man vergebens nach einem Starspieler. Okay, da ist Milan Gajic, der Serbe, 32 Jahre alt, der Spiritus Rector und fußballerische Kopf des Teams, einer mit einem feinen Füßchen, ein exzellenter Freistoßschütze obendrein und mit sechs Champions-League-Einsätzen dekoriert. Aber sonst? Nun ja. Der gesamte Kader des heutigen Eintracht-Gegners hat einen Marktwert von 5,4 Millionen, also nicht mal so viel wie ein einziger Lucas Torro (sechs Millionen). Der Star ist also nicht mal die Mannschaft, der Star ist in diesem Fall der Trainer.

Mario Frick ist im Fürstentum ganz ohne Zweifel das, was man eine Legende nennt. Er ist der Franz Beckenbauer des winzigen, aber schönen Alpenlandes, Rekordnationalspieler sowieso, weshalb er sich selbst als „Lothar Matthäus Lichtensteins“ bezeichnete. Das ist typisch für den 44-Jährigen, der sein Herz auf der Zunge trägt, der schon mal etwas großspurig rüberkommen kann. 

Mario Frick ist der beste Spieler, den Liechtenstein je herausbrachte

Er kann es sich erlauben. Mario Frick war dabei, als Liechtenstein zu seinem allerersten Pflichtspiel überhaupt antrat, das war 1994, und 20 Jahre später war er immer noch aktiv, erst vor wenigen Jahren beendete er seine Karriere, mit 41 hat er sein letztes Länderspiel bestritten, im Oktober 2015 in Österreich, natürlich ging auch diese Partie verloren, 0:3, so wie fast alle anderen auch. In 125 Partien stehen 100 Niederlagen – das hat vor und nach ihm kein anderer Spieler weltweit geschafft. An Mario Frick lag das nicht, er war der mit Abstand beste Spieler, den das Land je herausbrachte.

Die vielen, vielen Pleiten sind nur allzu normal, der Staat ist einer im Miniaturformat, nicht mal 40 000 Einwohner zählt er, darunter 1700 Fußballer. Und doch ist es dem heutigen Coach des FC Vaduz schwergefallen, sich mit den Niederlagen abzufinden. „Mit dem olympischen Gedanken, Dabeisein ist alles, konnte ich noch nie etwas anfangen“, sagt der frühere Stürmer. Mario Frick ist einer der wenigen, die außerhalb des Landes erfolgreich waren, er spielte vier Jahre in Italien, darunter für Hellas Verona, machte in 111 Erstligaspielen 20 Tore, sein Spitzname: „Super-Mario“.

Mario Frick trainiert seit einem Jahr den FC Vaduz

Seit einem Jahr nun leitet er die Fußballer des FC Vaduz an, er hat das Amt von Roland Vrabec übernommen, dem früheren Coach des FSV Frankfurt. In der Hauptstadt verdingen sich fast ausnahmslos ausländische Trainer, selbst Pierre Littbarski versuchte sich dort (2008 bis 2010). Frick ist der erste Liechtensteiner Trainer seit 1989. In der zweiten Schweizer Liga reichte es letztlich zu Platz sechs, für die europäischen Ausscheidungsspiele qualifizierte sich der Verein durch den Gewinn des Pokals, zum 47. Mal übrigens. 

Der FC Vaduz ist ein absolutes Leichtgewicht, konnte noch niemals die dritte Quali-Runde überstehen. Immerhin ließ der Klub aufhorchen, gegen die Ungarn von Fehervar setzte sich das Team nach einem 0:1 im Hinspiel durch ein 2:0 zu Hause durch. Die Torschützen: Regisseur Milan Gajic und Stürmer Mohamed Coulibaly, die beiden erfahrensten und bekanntesten Profis. 

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Ansonsten setzt der FC Vaduz auf eine jugendliche Frische, auch für diese Verjüngungskur ist Mario Frick geholt worden. Er kann auf gewachsene Strukturen zurückgreifen, es ist nämlich keineswegs so, dass sich da nur Freizeitfußballer tummeln. „Es ist zwar sehr familiär“, sagt Christian Kolodziej, der frühere Eintracht-Konditionstrainer, der bis vor wenigen Wochen in Vaduz die Fußballer fitmachte. „Aber die Bedingungen sind höchst professionell.“

Mario Frick: Sohn Zinedine ist ein Talent

Seinen ehemaligen Chef Mario Frick bezeichnet der nun in Zürich arbeitende Kolodziej als „Taktikfuchs“ und will gar „die italienische Schule“ erkannt haben. Dass die Liechtensteiner eine reelle Chance haben, glaubt Kolodziej aber eher nicht. „Sie müssten schon einen Sahnetag erwischen und die Eintracht einen grottenschlechten.“ Zumal auch das Rückspiel noch ansteht, vor 48.000 Zuschauern in der WM-Arena in Frankfurt. „Da wird dem einen oder anderen sicher die Düse gehen.“

Mit dabei wird sicher einer aus dem eigenen Hause sein, Noah Zinedine Frick, der Sohn des Trainers. „Ein Riesentalent“, schwärmt Kolodziej. Genauso wie der – von Verletzungen gepeinigte – Bruder Yannick. Dass Papa Mario durchaus seinen eigenen Kopf hat, zeigt schon die Namenswahl, denn als Inspiration dienten seine eigenen Idole: der französische Tennisstar Yannick Noah und der unerreichte Zinedine Zidane. Darauf muss man auch erst mal kommen.

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