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Maskenmann: Eintracht-Manager Bruno Hübner beim Besuch einer Klinik.

Vorbereitung

SGE-Spieler beschäftigen sich mit mentalen Folgen der Corona-Pause

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Vor der Rückkehr ins Mannschaftstraining -  und ultimativ in die Bundesliga-Saison - beschäftigen sich die Frankfurter auch mit den mentalen Folgen der Corona-Pause.

Frankfurt - Nun, da die Entscheidungen nahen, wann und wie es mit der Kickerei in den zwei höchsten Spielklassen der Republik weitergeht, werden sich neben der Bewertung dieses verworrenen Dschungels aus moralischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Argumenten ganz automatisch auch wieder sportliche Themen aufdrängen. Sie werden wohl nicht mehr ganz so viel Raum einnehmen wie noch vor zwei Monaten. Jene Fragen, ob nun eine Vierer- oder eine Dreierabwehrkette die bessere Wahl ist, ob lieber Spieler X oder Y aufgestellt werden sollte, werden gerade anfangs in Medien und Fankreisen eher eine Nebenrolle an der Seite der Grundsatzdebatte einnehmen. Sehr wohl aber müssen die Beteiligten, die Spieler und vor allem die Trainer, darauf ihren Fokus richten. Das ist ihr Job.

Auch für Adi Hütter, Coach von Eintracht Frankfurt, wird es darum gehen, zu seinen Schützlingen durchzudringen, sie nicht nur körperlich, sondern auch mental in eine gute Verfassung zu bringen. Vermehrt geführte Einzelgespräche, die aus dem in den vergangenen Wochen praktizierten Kleingruppentraining resultierten, sind da kein zu unterschätzender Faktor.

Denn schließlich war es bei der Eintracht vor der Corona-Pause alles andere als rund gelaufen. Die letzten beiden Ergebnisse lauteten: 0:4 in Leverkusen, 0:3 gegen Basel. „Eintracht Frankfurt befindet sich im freien Fall“, schrieb die FR damals. Oder auch: „In diesem Team stimmt es nicht mehr, manche winken verärgert ab, andere bleiben stehen.“ Man müsse bei den Hessen, die bei zehn ausstehenden Bundesligaspielen (fünf Heim- und fünf Auswärtspartien) und einer weniger ausgetragenen Begegnung noch sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang aufweisen, daher „wahrlich nicht die Apokalypse ausrufen, aber die eine oder andere Alarmglocke sollte schon läuten im Stadtwald“.

Eintracht Frankfurt: „DFL-Konzept ist schlüssig“

Durch die Aussetzung des Ligabetriebs erhielt die Eintracht die Chance, sich neu zu justieren. Bekanntlich sind Langzeitverletzte wie Lucas Torro, Marco Russ oder Gelson Fernandes ebenso zurückgekehrt wie der häufig angeschlagene Bas Dost. Ob gerade die Ü-30-Profis der Vollbelastung beim ab Donnerstag geplanten Teamtraining inklusive Zweikampfübungen standhalten, muss sich freilich erst weisen. Grundsätzlich aber sehen sie sich bei der Eintracht gewappnet. „Wichtig ist, dass unser Trainer Adi Hütter in dieser Phase mentale Stärke vermittelt und weitergibt an die Spieler“, sagt etwa Sportdirektor Bruno Hübner im vereinseigenen Interview: „Denn wir befinden uns in der sechsten Woche der Vorbereitung ohne konkretes Ziel. Auch hier spielen die Themen Disziplin und mentale Stärke eine große Rolle.“

Grundsätzlich empfindet Hübner das ausgearbeitet Konzept der Deutschen Fußball-Liga (DFL) als „außergewöhnlich gut“ und „schlüssig“. Er selbst habe in den zurückliegenden sechs Wochen soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert. Einkaufen war er nicht, stattdessen ließ er sich Essen liefern. Mit seinen drei Söhnen, von denen Benjamin (Hoffenheim) und Florian (Union Berlin) in der Bundesliga spielen, gab es gar nur Schalten via digitale Medien. „Unsere Fußballerfamilie achtet sehr darauf, alle sozialen Kontakte zu vermeiden“, so der 59-Jährige, den es vergangene Woche im Rahmen der „Auf-Jetzt-Kampagne“ der Eintracht aber doch einmal in die Helios-Klinik in Wiesbaden verschlug.

In Zeiten von irren Kabinenvideos à la Kalou bricht Hübner auch eine Lanze für die Eintracht-Profis: „Sportler sind von Haus aus sehr diszipliniert. Es war für uns somit keine Überraschung, dass alle Tests bei uns kürzlich negativ waren.“ Gerade weil bei der Eintracht schon im März vier Corona-Fälle aufploppten, „haben wir früh mit unserem medizinischen Team reagieren können“.

Eintracht Frankfurt: Hübner vermutet spannende Transferperiode

Überdies wagt der Sportdirektor einen Blick über die unterbrochene Saison hinaus – auf die anstehende Transferperiode, die nicht nur für Oberboss Fredi Bobic, den Sportvorstand, sondern natürlich auch für ihn, den zuarbeitenden Sportdirektor, zu den intensivsten Zeiten des Jobs zählt. Sie werde „spannend, aber nicht so ausgeprägt“, vermutet Hübner. Jeder Klub werde versuchen, den Kader so klein wie möglich zu halten und erst einmal so zu starten. Da bei der Eintracht kaum Verträge von Stammspielern auslaufen, eigentlich nur die der Altmeister Fernandes und Makoto Hasebe, sieht Hübner für seinen Arbeitgeber „ein sehr gutes Fundament“. Große Kaderveränderungen werde es nur dann geben, wenn Leistungsträger gehen sollten. Natürlich wird beispielsweise Filip Kostic trotz Corona auf Wunschzetteln der Konkurrenz stehen. Ohne den konkreten Fall zu kommentieren, sagt Hübner aber: „Auch auf ein solches Szenario sind wir eingestellt.“

Alles könne aber auch auf die andere Seite kippen. Dass nämlich ein Spieler zur Eintracht wechseln könnte, „bei dem wir früher gesagt hätten, dass er für uns wirtschaftlich nicht realistisch ist. Denn die Transfersummen werden in der nächsten Transferperiode niedriger sein“. Die aktuelle Situation erfordere alles in allem aber vielleicht ein schnelleres Handeln als in vorherigen Transferperioden. Etwas, worin das Duo Bobic/Hübner durchaus erprobt ist. „Ich bin seit fast 40 Jahren in diesem Geschäft und werde vielleicht in diesem Bereich eine große Veränderung erleben“, sagt Hübner.

Von Daniel Schmitt

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