Hat bislang die Erwartungen in Frankfurt noch nicht erfüllen können: Djibril Sow.
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Hat bislang die Erwartungen in Frankfurt noch nicht erfüllen können: Djibril Sow.

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Eintracht Frankfurt: Verstärkung aus den eigenen Reihen

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Wer kann sich steigern, wer hat Potenzial? In unsicheren Zeiten setzt Eintracht Frankfurt auch darauf, dass der eine oder andere Profi noch eine Schippe drauflegen kann.

  • Viele Veränderungen wird es im Kader von Eintracht Frankfurt nicht geben
  • Eintracht Frankfurt gibt neuen Spielern Zeit
  • Steigerungen sind bei einigen Spielern von Eintracht Frankfurt eingeplant

Der in kommenden Wochen und Monaten wichtigste Mann in Diensten von Eintracht Frankfurt hat sich zuletzt eine kleine Auszeit gegönnt. War schließlich eine anstrengende Saison, diese Mammutrunde mit 54 Pflichtspielen. Selbst auf den bequemen Logensitzen kann das schlauchen. Also genoss Fredi Bobic, Sportvorstand und Chefeinkäufer des hessischen Bundesligisten, die Ruhe vor dem Sturm. Abstand gewinnen von Frankfurt, nicht ständig im Büro im Stadtwald oder dem Hotel am Mainufer sitzen, stattdessen ein wenig Freizeit mit der Familie in Berlin verbringen – stets mit einem Ohr am Smartphone, versteht sich.

Eintracht Frankfurt will Neuen Zeit geben

„Im Moment ist Saure-Gurken-Zeit, der Juli wird sehr zäh“, gab Bobic vor kurzem einen Ausblick und behielt recht. Bisher ist noch nichts passiert rund um die Eintracht, zumindest ist öffentlich nichts bekannt. Hier mal ein Gerücht zu einem jungen Argentinier (Franchu), dort mal eines zu einem etwas älteren Schweizer (Ricardo Rodriguez), das war’s. „Wir müssen auf unseren Geldbeutel schauen. Wenn das Geld nicht da ist, kannst du nicht einkaufen“, sagt Bobic, der bereits angekündigt hat, guten Gewissens auch mit dem vorhandenen Kader in die neue Runde gehen zu können – freilich eine Aussage mit dem Kalkül, im Verborgenen doch an Verstärkungen zu werkeln.

Aber natürlich setzen sie bei Eintracht Frankfurt darauf, dass bereits angestellte Profis womöglich einen Leistungssprung machen. „Wir werden den Neuen immer Zeit geben“, ist ein Credo, dass Sportvorstand Bobic nicht müde wird zu wiederholen. Doch bei wem aus dem aktuellen Kader ist das überhaupt realistisch? Wer könnte zu einer (unerwarteten) Verstärkung aus den eigenen Reihen werden?

Martin Hinteregger hat die erfolgreichste Saison seiner Karriere hinter sich

Klar, im Grunde alle. Denn natürlich ist es möglich, dass sich selbst die Ü-30-Fraktion um Makoto Hasebe, Bas Dost, Kevin Trapp oder David Abraham essenziell verbessert, wahrscheinlich geht es für diese Profis aber eher darum, ihr Niveau zu halten. Ähnlich übrigens wie beim verletzungsanfälligen Sebastian Rode, der wohl froh wäre, wieder so viele Spiele machen zu können wie in der zurückliegenden Spielzeit.

Auch Martin Hinteregger, einer der überragenden Akteure, hat ja nicht weniger als die erfolgreichste Saison seiner Karriere hinter sich. Viel besser kann es also kaum werden, viel mehr Tore wird der Verteidiger nicht köpfen und viel mehr Zweikämpfe wird er nicht gewinnen können. Eine Wiederholung wäre eine starke Leistung. Selbst Filip Kostic, der zweite Ausnahmespieler, hat sein Niveau in den vergangenen beiden Spielzeiten derart weit nach oben geschraubt, dass es ein Höher, Schneller, Weiter für ihn kaum noch geben kann. „Die Eintracht hat mich ins Leben zurückgeholt und meine Karriere wiederbelebt“, sagt er selbst.

Steigerungen sind bei einigen Spielern von Eintracht Frankfurt eingeplant

Während Hinteregger und Kostic also nah an ihrem Maximum auf einem Toplevel agierten, muss jenes bei Profis wie Goncalo Paciencia, Danny da Costa, Mijat Gacinovic, Timothy Chandler, Dominik Kohr oder Stefan Ilsanker tiefer eingestuft werden. Große Leistungssprünge sind da kaum zu erwarten, wenngleich zum Beispiel Ilsanker aktuell im Mallorca-Urlaub fleißig an seiner Form feilt – auf dem Golfplatz wohlgemerkt.

Bei manch Frankfurter sind Steigerungen aber natürlich drin, sogar eingeplant. Im Falle von Daichi Kamada zum Beispiel wäre es nur logisch, würde er die gerade in der Endphase der Saison gezeigte Effektivität bald konstant abrufen. Nicht umsonst klemmt es mit der Vertragsverlängerung über 2021 hinaus, könnten sich dem Japaner dann noch ganz andere Möglichkeiten – sprich Klubs – bieten. Auch von Angreifer André Silva erhoffen sie sich am Main, dass die anfänglichen Probleme der Vergangenheit angehören und er seinen Lauf der Rückserie ausbauen kann.

Eintracht Frankfurt: Evan Ndicka sollte mehr spielen

Bleiben die Spieler, die bisher eher enttäuscht haben, deren Potenzial aber nicht ausgeschöpft scheint – allen voran Djibril Sow. Auf dem Schweizer Mittelfeldmann ruhen weiterhin viele Hoffnungen. Knapp zehn Millionen Euro hatte er gekostet, diese Ablöse bisher aber nicht gerechtfertigt. Sow war Stammkraft, konnte aber nur selten Akzente setzen. Ein Mitläufer – und das im doppelten Sinn. Denn neben der unauffälligen Spielweise rannte er teils für seine Kollegen mit und spulte die meisten Kilometer aller Frankfurter ab. Im Schnitt kam Sow auf 12,48 Kilometer. Zum Vergleich: Zweitbester Eintracht-Profi war Gacinovic (12,0), ligaweite führte der Münchner Joshua Kimmich (12,71) das Ranking an. Bloß: Fußball ist eben keine Leichtathletik.

Eine durchwachsene Saison erlebten auch die beiden Franzosen Evan Ndicka und Almamy Touré. Ihre zweifelsohne vorhandenen Fähigkeiten wussten sie nur bedingt einzubringen. Während Touré zu oft mit seinem ausgeprägten Selbstbewusstsein zu kämpfen hatte und aus einer gewissen Sorglosigkeit heraus zu leichte Fehler beging, musste Ndicka zu häufig links in der Abwehr ran. Die Stärken des 20-Jährigen kommen aber dann am besten zur Geltung, wenn er den Job als Manndecker in der Innenverteidigung übernimmt. Einen Posten, den er tunlichst in der kommenden Runde regelmäßiger begleiten sollte, will die Eintracht nicht die Entwicklung ihres größten Talents ausbremsen (und damit auch eine Wertsteigerung des Spielers). Zu guter Letzt bleiben noch die sechs rückkehrenden Leihspieler, von denen bei der Eintracht insbesondere Hoffnungen auf dem brasilianischen Verteidiger Tuta ruhen. (Daniel Schmitt)

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