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Wollen auch am Donnerstagabend noch lachen: Eintracht-Trainer Adi Hütter (links) und Torwart Kevin Trapp (rechts).

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt und das Spiel mit der Vergangenheit

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Eintracht-Trainer Adi Hütter trifft wie zwei seiner Profis gegen Salzburg auf seinen alten Verein. Und Torwart Kevin Trapp beschwört den Geist der vergangenen Saison.

Natürlich hat der Frankfurter Trainer aus Österreich eine ganz besondere Beziehung zum Spiel heute Abend (18.55 Uhr/ Dazn) gegen den FC Salzburg. Er ist dort „familiär stationiert“, wie er am Tag vor der mit einiger Spannung erwarteten Partie im Sechzehntelfinale der Europa League sagte. Und nicht nur Adi Hütter, auch Martin Hinteregger, sein Landsmann, und Stefan Ilsanker, sogar in Salzburg geboren und aufgewachsen, haben ihre ganz speziellen Erfahrungen mit diesem Spitzenklub gemacht.

Sie alle haben ihre fußballerischen Wurzeln auch in der Mozartstadt, und Adi Hütter ist vor vielen, vielen Jahren, 1994 um genau zu sein, schon einmal das Kunststück gelungen, zwei Tore gegen Eintracht Frankfurt zu erzielen. Eines im Hinspiel in Wien, in dem übrigens Anthony Yeboah übelst beleidigt wurde, das andere im nötig gewordenen Elfmeterschießen gegen die „Eintracht-Legende Uli Stein“, mit dem die Österreicher die damalige Spitzenmannschaft aus Frankfurt aus dem Uefa-Pokal warfen. Das alles ist wohl bekannt, wie auch, dass Adi Hütter in seinem beruflichen Werdegang als Fußballlehrer durch die harte RB-Schule in Salzburg gegangen ist und nebenbei das Double holte. „Ich habe in Salzburg viel gelernt“, sagt Hütter heute, wie man „Fußball auch spielen lassen kann, wie man Fußball denkt“.

Eintracht Frankfurt ist für Adi Hütter „ein großer Verein“

Überhaupt habe die Tätigkeit bei einem großen Verein dazu beigetragen, den Horizont zu erweitern. Zuvor hatte Hütter lediglich in der Provinz gearbeitet, in Altach und Grödig. Dass man sich 2015 nach nur einem Jahr „im Guten“, wie Hütter betonte, trennte, habe mit der unterschiedlichen sportlichen Auffassung zu tun gehabt. „Ich sehe mich nicht als Ausbildungstrainer“, hatte der 50-Jährige damals klar gesagt. Als Ausbildungsklub aber versteht sich Salzburg bis heute.

Adi Hütter also will dieses Duell gegen seine Vergangenheit auf alle Fälle erfolgreich gestalten. Und dafür soll im Hinspiel „der Grundstein gelegt werden“, wie Torhüter Kevin Trapp ausführte. Im Spiel vor eigenem Publikum - vor 47 000 Zuschauer, darunter erstaunliche 2660 aus Salzburg - will Eintracht Frankfurt vorlegen, will sich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel erspielen. Für Hütter ist eine gute Ausgangslage in erster Linie ein zu Null, und ein, zwei Tore selbst zu erzielen, wäre auch nicht verkehrt. Zumal sich die Hessen in dieser Saison auswärts so ungemein schwer tun. Allerdings ist Salzburg im Angriff enorm gefährlich und immer für Tore gut, selbst in der Fremde. In Liverpool etwa, an der Anfield Road, waren ihnen in der Champions League drei Treffer gelungen.

Eintracht Frankfurt steht voll im Saft

Die Chancen auf ein Weiterkommen, das dem Sieger 1,1 Millionen Euro an Uefa-Prämie beschert, bezifferte der Frankfurter Trainer wenig originell auf „50:50“ - trotz des personellen Aderlasses der Österreicher im Winter. „Die Abgänge hat Salzburg relativ nahtlos ersetzen können“, weiß Adi Hütter, der es als kleinen Vorteil empfindet, dass sein Team bereits sechs Spiele auf dem Buckel hat, also richtig im Saft steht, während der FC Salzburg gerade erst aus der Winterpause kommt und lediglich ein Punkt- und ein Pokalspiel absolviert hat. Ähnlich erging es vor einem Jahr auch Schachtjor Donezk aus der Ukraine, das noch keinen Rhythmus hatte und von der Eintracht durch ein 2:2 in Charkiw und ein 4:1 im Frankfurter Stadion aus dem Wettbewerb geworfen wurde.

Daran und an diesen so „unfassbaren Weg“ bis ins Halbfinale erinnerte gestern noch einmal Torwart Trapp. „Das wollen wir noch einmal erreichen. Wir wissen, wie schön es sich anfühlt.“ Er freue sich ganz speziell auf das besondere Fluidum im Stadtwald, wenn die Stimmung „elektrisierend“ sei und das ganze Stadion hinter der Mannschaft stehe. „Wir wollen erneut dafür sorgen, dass nicht nur in Frankfurt von der Europa League gesprochen wird“, sagte der 29-Jährige. Im vergangenen Jahr war Eintracht Frankfurt lange Zeit die einzige deutsche Mannschaft, die noch international vertreten war.

Eintracht Frankfurt mit sechs Speilen in 16 Tagen

Dass dadurch die Belastung erneut hoch bliebe, ficht ihn nicht sonderlich an. „Das war doch unser Ziel in der schwierigen Vorbereitungszeit. Wir freuen uns auf die Spiele und wollen in jedem Wettbewerb das Maximum erreichen.“ In den nächsten 16 Tagen bestreiten die Profis des Bundesligisten sechs Spiele in Liga, Europapokal und DFB-Pokal. Allerdings fordert Kevin Trapp von seinen Teamkameraden, mehr Mut an den Tag zu legen als zuletzt im Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund, „dieses Selbstvertrauen und diese Courage haben wir uns doch erarbeitet“. Die 0:4-Klatsche vom zurückliegenden Freitag sei abgehakt, man habe die richtigen Schlüsse gezogen, außerdem spielen die Hessen heute zu Hause. Hütter: „Das ist ein anderer Tag.“

Wie der deutsche den österreichischen Bundesligisten zu knacken gedenkt, wollte der Frankfurter Fußballlehrer natürlich vorab nicht verraten. Auch nicht mit, welchem System er die Mammutaufgabe angeht, ob mit einer Viererabwehrkette oder mit dem in der Hinrunde bevorzugten Dreierverbund. Oder womöglich gar in einem 4-3-3-System, das gegen RB Leipzig im Pokal gut funktioniert hatte. Sicher ist nur, dass Mijat Gacinovic (krank) und Stoßstürmer Bas Dost ausfallen werden; der lange Niederländer, ohnehin sehr verletzungsanfällig, habe sich bei seinem Halbzeiteinsatz in Dortmund „leicht“ an den Adduktoren verletzt. Womöglich bekommt Daichi Kamada auf dem Flügel eine Bewährungschance: „Kamada“, sagt Mentor Hütter, „ist für mich immer ein Thema“. Womöglich könnte er wie Stefan Ilsanker in der, wie Hütte es formulierte, „Kampfmannschaft“ stehen.

Und damit hat der Coach mal wieder einen österreichischen Fachterminus in Frankfurt eingeführt - nach „Stange“ (Pfosten), „Stangerlpass“ (Querpass vor dem Tor) und „ausgehen“ (gerade noch reichen). Ja, von Salzburgern kann man was lernen.

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