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Bleibt er oder geht er doch? Torwart Kevin Trapp wird auf dem Markt angeboten.

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Eintracht Frankfurt - Spiel ohne Grenzen

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Eintracht Frankfurt muss die spielerische Klasse im Mittelfeld erhöhen – genügend Geld dafür sollte da sein.

Zum letzten Mal in dieser so strapaziösen Saison werden die Berufsfußballer von Eintracht Frankfurt heute die schwarzen Trikots überstreifen und sich einem Gegner in den Weg stellen, in diesem finalen Fall dem VfL Wolfsburg. Der sportliche Wert des Kicks hält sich in engen Grenzen, okay, er hat gar keinen, es geht um nichts, rein gar nichts. Die Relevanz der Partie ist vergleichbar mit diesem berühmten Sack Reis, der irgendwo in China umfällt.

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Eben dort, in China, genauer gesagt im Century Lotus Stadion von Foshan in der Provinz Guandong, werden sich die beiden Bundesligisten heute (14 Uhr, deutscher Zeit/live bei Sport 1) gegenüberstehen, beide Klubs haben ihre Abschlussfahrt auch aus PR-Gründen hinüber ins Reich der Mitte organisiert, 9000 Kilometer entfernt vom Herzen Europas. Nach der Begegnung wird die Eintracht das aufregende Jahr mit zwei ausgelassenen und „vergnügungssteuerpflichtigen“ (Vorstand Axel Hellmann) Tagen in Hongkong ausklingen lassen.

Eintracht Frankfurt arbeitet die Saison in China auf

Die Sportliche Leitung hat den Trip nach China dazu genutzt, die abgelaufene Runde aufzuarbeiten. Dazu gehörte die Frage, weshalb es am Ende erneut zum großen Einbruch kam. „Man muss analysieren, weshalb uns in den vergangenen Jahren in verschiedenen Besetzungen und Konstellationen immer die Luft ausgegangen ist“, fordert Vorstand Hellmann. In dieser Runde hat die Europa League der Eintracht den Stecker gezogen. Denn auch wenn der Geist willig ist, so wird er doch irgendwann müde – und das Fleisch sowieso schwach. Die Belastungen waren zu viel für das Team, von dem niemand dachte, es könne ins Halbfinale der Europa League einziehen.

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Daraus gilt es, Lehren zu ziehen. „Die Mannschaft vereint, Mentalität, Willen und Leidenschaft“, sagt Hellmann. „Aber irgendwann wird der Tank halt leer und man läuft auf Reserve.“ Und dann geraten Ziele auf den letzten Metern in Gefahr. Klar ist, und da sind sich alle einig, dass der Mannschaft mehr spielerische Klasse zugeführt werden muss. Denn es ist einfach nicht möglich, durch ein Jahr mit 50 oder mehr Spielen zu kommen, indem man immer nur wuchtigen Powerfußball mit viel Mentalität und Herz spielt. Bei dieser eindimensionalen Lesart des Spiels streikt irgendwann der Körper (und auch der Geist). Siehe Danny da Costa, der zuletzt nur noch im Leerlauf unterwegs war.

Eintracht Frankfurt braucht mindestens zwei Profis, die fußballerische Klasse, Tempo und auch Behauptungswillen in sich vereinen – egal, ob auf den Halbpositionen oder hinter den Spitzen. Das Hauptaugenmerk muss auf einer Neubesetzung des Mittelfelds liegen, auf Spielern, die ballsicher sind und auch mal kluge Pässe in die Schnittstellen spielen können. So einer wie Max Kruse, wenn dieser nicht sechs Millionen Euro Gehalt aufgerufen hätte.

Acht bis zehn neue Spieler

Denn der Spielstil der Eintracht in der vergangenen Saison beschränkte sich entweder auf langen Hafer von hinten heraus oder auf Angriffe über die Flügel, so lange diese noch nicht lahmten. Viel mehr Varianten gab es nicht, weil im Mittelfeld ein zu großes Loch klaffte, da herrschte ein kreatives Vakuum. Jonathan de Guzman, Gelson Fernandes, Lucas Torro oder Mijat Gacinovic sind allesamt rechtschaffene Spieler, die ihre Stärken haben, aber eben ein Spiel fußballerisch nicht auf ein anderes Level heben können. Es ist alles eine Frage der Qualität und der Alternativen.

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Um die Mannschaft jetzt noch mal auf ein anderes Niveau zu führen, um sie zu wappnen für das anstehende Mammutprogramm, werden sicher wieder acht bis zehn neue Spieler anheuern. Die genau Anzahl hängt davon ab, ob die Eintracht einen oder zwei ihrer Topstürmer halten kann oder am Ende sogar alle ziehen lassen muss. Das wäre unschön, weil Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller zusammen lange fast symbiotisch funktionierten und zu Tormaschinen avancierten. Andererseits würden die Hessen bei einem Verkauf in hohem Maße partizipieren. 100, 120 Millionen Euro könnte das Trio in diesem Spiel ohne Grenzen einbringen, wovon durch die Beteiligungen der vorherigen Klubs aber nicht alles im Eintracht-Säckel landen würde. Aber es würde genügend Geld übrig bleiben, um die Mannschaft entsprechend zu verstärken – zumal hinter dem Klub ja ohnehin ein wirtschaftliches Rekordjahr liegt.

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Der Spielraum wäre durch Transfererlöse noch einmal erhöht, und es macht einen Unterschied, ob man einen Spieler für sieben, acht Millionen kauft oder 20, 30 Millionen investieren kann. In dieser Range ist die Wahrscheinlichkeit sehr viel höher, einen funktionierenden Spieler zu bekommen. „Der muss dann ja was können, sonst müsste ich total blind sein“, sagt Fredi Bobic.

Kevin Trapps Berater wird mit Argwohn betrachtet

Einige Millionen müsste die Eintracht für die ausgeliehenen Spieler ausgeben, wenn alle fest verpflichtet würden. Bei Sebastian Rode, schwer verletzt, dürfte das kein Problem sein, bei Martin Hinteregger ist das schon schwieriger, bei Torwart Kevin Trapp noch komplexer. Der Gesamtdeal mit Paris und dem Keeper hätte eine Größenordnung von mehr als 20 Millionen Euro. Ein Haufen Schotter. Und: Will Trapp überhaupt bleiben? Mit einigem Argwohn haben die Eintracht-Verantwortlichen registriert, dass sich der 28-Jährige die Dienste des Beraters Pini Zahavi gesichert hat. Das ist sozusagen der Vater aller Agenten, er hat Deals mit Zlatan Ibrahimovic gemacht oder den 222-Millionen-Euro-Transfer von Neymar eingetütet. Ein gerissener Manager. Der Vermittler soll den Nationaltorwart in halb Europa anbieten. Aber wer greift zu?

Es könnte auf alle Fälle eine schleppende Transferperiode geben, die Mannschaft, die am 25. Juli das erste Pflichtspiel bestreitet, wird wohl nicht die sein, die dreieinhalb Wochen später in der Bundesliga an den Start gehen wird. Erst am 2. September endet die Wechselfrist – bis dahin sind reichlich Millionen zu bewegen.

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