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Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter und seine SGE wollen den kommenden Gegner in der Europa League ernst nehmen - egal wer es ist.

Europa League

Europa League: Die SGE sollte die Gegner besser nicht unterschätzen

Eintracht Frankfurt trifft in der zweiten Qualifikationsrunde zur Europa League auf Nis oder Tallinn. Die SGE muss logistische Hürde umschiffen.

Frankfurt - Die hartgesottenen Vielfahrer aus Frankfurt können sich freuen, für sie geht es Ende Juli auf große Tour, es wartet eine spannende Destination zur Erkundung, entweder Tallinn, die Hauptstadt Estlands mit rund 430.000 Einwohnern am Finnischen Meerbusen. Oder Nis, die drittgrößte Stadt Serbiens mit 260.000 Bewohnern, 250 Kilometer südöstlich von der Kapitale Belgrad und 160 Kilometer vom bulgarischen Sofia gelegen. FC Flora Tallinn oder FK Radnicki Nis – einer von beiden Klubs wird die Eintracht am 25. Juli und 1. August in der zweiten Qualifikationsrunde zur Europa League herausfordern. Das ergab die Auslosung am Mittwoch in Nyon.

Der Frankfurter Bundesligist muss zunächst auswärts antreten, was ihm sehr gelegen kommt, weil am 22. Juli US-Superstar Pink in der Arena im Stadtwald rockt. Bis zum Rückspiel am 1. August (20.30 Uhr, live bei RTL Nitro) ist nun genügend Zeit, um den Rasen auszubessern oder zu wechseln. Wer letztlich der Gegner sein wird, steht erst eine Woche vor dem Hinspiel fest, Tallinn und Nis treffen in der ersten Qualifikationsrunde am 11. und 18. Juli aufeinander.

Eintracht Frankfurt ist der große Favorit

Die Eintracht geht als turmhoher Favorit in die beiden Spiele, aber unterschätzen sollte sie ihren Kontrahenten nicht. Die Serben sind sportlich sicherlich als stärker einzuschätzen, sie schlossen die Saison als Vizemeister hinter Roter Stern und vor Partizan Belgrad ab. Zudem kamen sie ins Halbfinale des Pokals, wo sie an Partizan scheiterten. Herausragender Spieler ist der 29 Jahre alte Stürmer Nermin Haskic, der in der abgelaufenen Runde in 41 Pflichtspielen 28 Tore schoss (elf Vorlagen). Die Eintracht-Verantwortlichen schätzen Radnicki als deutlich gefährlicheren Opponenten ein. „Der serbische Fußball ist grundsätzlich stark, was wir aufgrund unserer guten Erfahrung mit serbischen Spielern sehr gut beurteilen können“, urteilte Sportvorstand Fredi Bobic. „Nis ist immerhin Vizemeister vor Partizan Belgrad geworden.“

Auch Trainer Adi Hütter wählt mahnende Worte: „Dass der serbische Fußball Qualität hat, ist kein Geheimnis. Radnicki Nis steht auf einer Stufe mit den Aushängeschildern Roter Stern und Partizan Belgrad. Vor zwei Jahren hatten wir mit Bern zwei enge Spiele gegen Partizan.“ In der Schweiz reichte es zu einem 1:1, in Belgrad unterlagen die Young Boys 1:2.

Eintracht Frankfurt muss vielleicht nach Serbien

Nis, das in einem Stadion mit einer Kapazität von 18.000 Zuschauern spielt, scheiterte in der vergangenen Runde in der zweiten Qualifikationsrunde zur Europa League an Maccabi Tel Aviv (0:2, 2:2), am 20. Juli steigt der Klub wieder in den Ligabetrieb in Serbien ein.

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Die besten Jahre liegen hinter dem Arbeiterverein, in den 1960-er Jahren zauberten sich die Fußballer in die Herzen der Menschen, der Klub wurde Real sa Nisave, Real vom (Fluss) Nisava genannt, 1975 gewann er den Balkan-Cup, 1982 zog Radnicki sensationell ins Halbfinale des Uefa-Pokals ein, scheiterte nach einem 2:1 im Hinspiel jedoch nach einem 1:5 in Hamburg am HSV.

Eintracht Frankfurt will mit der nötigen Seriosität in das Spiel gehen

Flora Tallinn ist zumindest national hochdekoriert. Der Verein, der über ein Stadion für 10.000 Menschen verfügt, ist Rekordmeister Estlands (zehn Titel), aktuell nach 16 Spielen schon wieder Tabellenführer. Topspieler ist Mittelstürmer Erik Sorga, der in der vergangenen Saison in 20 Partien 29 Treffer machte und auch in dieser Runde in 16 Spielen schon 16-mal traf.

International ist Flora aber ein absolutes Leichtgewicht. Seit 1994 war Tallinn mit einer Ausnahme immer in den Qualifikationsrunden zur Europa League dabei – allerdings konnte der Klub nicht einmal auch nur eine Runde überstehen. Im vergangenen Jahr scheiterte Flora an Apoel Nikosia (2:0, 0:5). Die Zyprioten sind bishert nun auch nicht als Fußballmacht auffällig geworden. Trainer Hütter warnt dennoch pflichtgemäß: „Wir haben Respekt vor Tallinn.“ Die Eintracht wird die Aufgaben mit der nötigen Seriosität anpacken müssen, im Vorbeigehen wird sie den Kontrahenten nicht schlagen können. Im Normalfall und entsprechender Ernsthaftigkeit sollten die Hessen aber die nächste Runde erreichen. „Wir werden die beiden Gegner sehr gut analysieren und gut vorbereitet in die Spiele gehen“, sagt Adi Hütter. „Wir müssen hochkonzentriert an die Sache herangehen. Unser Ziel ist ganz klar, weiterzukommen.“ Was auch sonst?

Eintracht Frankfurt hat logistische Probleme

Logistisch wird auf den Klub ein bisschen was zukommen, denn beide Spiele sind in das Trainingscamp in Windischgarsten eingebettet. Nach Tallinn ist die Reise wenig problematisch, nach Nis würde das Team per Chartermaschine reisen – und anschließend direkt nach Österreich. Zwischen den beiden Begegnungen wird sich die Mannschaft dort auf die Saison vorbereiten, der ursprüngliche Plan sieht vor, dass die Mannschaft nach dem Rückspiel in Frankfurt am 1. August noch mal nach Windischgarsten zurückkehren und bis 4. August bleiben wird. Unklar, ob dieses Ansinnen Bestand haben wird und ob es wirklich sinnvoll ist, für zwei Tage noch mal gen Österreich aufzubrechen.

Interessant wird auch zu beobachten sein, in wie weit die Eintracht dann ihren Kader schon beisammen hat. Bisher steht lediglich ein Neuzugang fest, der junge Serbe Dejan Joveljic, der für fünf Millionen Euro von Roter Stern Belgrad kommt. Die Eintracht ist bekannt dafür, ihre Planungen mit Weitsicht, Seriosität und Ruhe voranzutreiben, in Aktionismus verfällt sie nicht. Vorstand Fredi Bobic hat einen klaren Plan und ist auf alle Eventualitäten vorbereitet, er hat einige Deals in der Pipeline, die auf die Finalisierung warten. Unwägbarkeiten sind dennoch immer dabei, so hängt eine Personalie nicht selten kausal mit einer anderen zusammen, daher gibt es ein sehr wohl Zeitlimit und eine Prioritätenliste.

Eintracht Frankfurt: Gehaltsvorstellungen bei Max Kruse das Problem

Die „Sportbild“ hat nun einmal mehr Max Kruse ins Spiel gebracht. Das Interesse der Eintracht ist verbrieft, die FR berichtete davon bereits am 18. Mai, verwies aber auch auf die Gehaltsforderungen des 31-Jährigen, der in Bremen nicht mehr für 3,5 Millionen Euro im Jahr spielen wollte und fortan sechs Millionen einstreichen möchte. Für die Eintracht viel zu viel, sie könnte rund vier Millionen aufbringen.

Jetzt könnte das Thema noch mal aktuell werden, denn Kruse, der in Eintracht-Trainer Adi Hütter einen Fürsprecher hat, hat sich bisher verzockt und keinen Verein gefunden, der seine üppigen Gehaltsforderungen erfüllt. Damit Bewegung in die Sache kommt, müsste sich aber der Spieler bewegen, die Eintracht wird es eher nicht tun.

Von Ingo Durstewitz 

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