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Simon Falette: Wieder Zweikampfsieger.

Eintracht-Verteidiger

Extralob von Trainer Hütter: Simon Falette kämpft bis zur letzten Patrone

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    Daniel Schmitt
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Simon Falette spielt erstmals seit Januar wieder - und das herausragend.

Die zweite Minute der Nachspielzeit war schon angebrochen, als das letzte, entscheidende Duell des Abends anstand. Mann gegen Mann in bester Wildwestmanier. Auf der einen Seite, Eduardo Salvio, argentinischer Außenstürmer von Benfica Lissabon, das Magazin noch voll geladen, gerade erst 20 Minuten auf dem Rasen, frisch, spritzig, schnell. Auf der anderen Seite, Simon Falette, Verteidiger von Eintracht Frankfurt, nur noch eine letzte Patrone im Lauf, von Krämpfen geplagt, völlig am Ende, kaum noch dazu in der Lage, sich auf den Beinen zu halten.

Nun also sprintete Salvio los, wollte vorbei an Falette, um noch eine letzte gefährliche Hereingabe in die Mitte zu feuern. Der Nationalspieler Guineas in Diensten der Eintracht nahm das Laufduell im eigenen Strafraum auf, den Zuschauern stockte der Atem. Nein, nicht, dachten viele. Bitte keine Grätsche, bitte kein Elfmeter riskieren. Lass es, Simon. Falette ließ es nicht, holte aus, ging auf den Boden, grätschte über den Rasen - und traf perfekt den Ball, der Salvio gar noch ans Bein und von dort über die Torauslinie sprang. Abstoß für die Eintracht, Durchatmen in der Arena, Ende für Falette.

Simon Falette war am Ende ein „bisschen müde“

Der 27-Jährige blieb einfach auf dem Rasen liegen, seine Waden krampften derart, dass es nicht mehr weiterging. Trainer Adi Hütter musste für die letzten Sekunden noch Jetro Willems gegen den im französischen Metz geborenen Profi eintauschen. „Am Ende war ich ein bisschen müde“, sagte Falette später nach dem furiosen 2:0-Heimerfolg im Rückspiel der Europa League zur Reportermeute. Dabei lächelte er erst, dann lachte er und wusste, dass das wohl die Untertreibung des Jahres war. „Ich habe halt lange nicht mehr gespielt.“

Ende Januar stand der sympathische Familienvater, der die zweite Saison für die Eintracht absolviert, als größte Stimmungskanone innerhalb des Teams gilt und seine Interviews erstaunlich gut auf Deutsch führt, das letzte Mal für die Frankfurter in einem Pflichtspiel auf dem Rasen - für 90 Minuten beim 2:2 in Bremen.

Seitdem wies ihm Trainer Hütter maximal noch einen Platz auf der Ersatzbank zu, ab und an nicht einmal mehr das. Simon Falette, die ganze Saison ja schon ins zweite Glied gerutscht, wurde spätestens nach den abwehrenden Winterverpflichtungen von Almamy Touré und vor allem Linksfuß Martin Hinteregger gar in die dritte Reihe befördert.

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Am Donnerstagabend aber, da war seine Zeit mal wieder gekommen. Hinteregger verletzt, Evan Ndicka gesperrt, Touré nicht für die Europa League spielberechtigt. Hütter blieb gar keine andere Wahl, als Falette von Beginn an ins kalte Wasser zu werfen. Das glückte erstaunlich gut, sogar hervorragend. Falette war sofort im Spiel drin, holte sich in den ersten zwei, drei Minuten durch gewonnene Zweikämpfe und geglückte Pässe die nötige Sicherheit, die ihn das restliche Spiel über den Platz tragen sollte. Ob er denn nervös gewesen sei, einfach so reingeworfen worden zu sein? Seine Antwort: „Nein, war ich nicht, meine Teamkollegen haben es mir leicht gemacht.“

Hasebe sprach mit Falette

Makoto Hasebe, erfahrener Abwehrkollege, gab später an, im Vorfeld der Begegnung „sehr viel“ mit Falette gesprochen zu haben, man habe ihn dadurch beruhigen, die Anspannung und den Druck nehmen wollen. „Er hat einfach überragend gespielt“, sagte Hasebe. Auch Trainer Hütter fand die Leistung des Verteidigers nach solch einer langen spielfreien Zeit „beachtlich. Er hat die Vorgaben perfekt umgesetzt, dafür gebührt ihm ein Extralob.“ Und er sei einer „der Mentalitätsspieler, auf die man sich verlassen kann“.

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In der Bundesliga kam Falette bisher nur auf fünf Einsätze, in der Europa League waren es ebenso viele. Obwohl Falette meist stabil verteidigte, wenn er denn ran durfte, fehlt ihm grundsätzlich vor allem die fußballerische Klasse der Konkurrenten Ndicka und Hinteregger. Zwar hat Falette noch bis 2021 einen Vertrag in Frankfurt, fühlt sich grundsätzlich auch wohl in der Mainmetropole, eine vorzeitige Trennung scheint aber alles andere als unwahrscheinlich. Schon im Winter wurde er anderen Klubs angeboten. „Natürlich ist es nicht einfach, wenn man nicht viel spielt. Generell ist es aber eine meiner Qualitäten, immer alles zu geben. Der Trainer weiß daher, dass ich immer und jederzeit bereit bin, wenn ich gebraucht werde“, sagte Falette.

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