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SGE-Trainer Adi Hütter und sein Team stehen vor dem Europa-League-Spiel bei Vitoria Guimaraes unter Druck. 

Hütter holt sich Tipps bei Quartett 

„Werden sehr gute Leistung brauchen...“: Frankfurt muss bei Guimaraes liefern 

Eintracht Frankfurt ist bei Vitoria Guimaraes fast schon zum Siegen verdammt. David Abraham gehört nicht der Reisegruppe an, dafür gibt es Hoffnung bei Sebastian Rode.

Guimarães - Am Donnerstag, wenn Eintracht Frankfurt versucht, sich die ersten drei Punkte in der Europa League zu sichern, wird Kevin Trapp das Schlimmste schon hinter sich haben. Just an diesem Donnerstag wird sich der Frankfurter Schlussmann unters Messer legen und sich an der lädierten Schulter operieren lassen. Am Abend gegen 21 Uhr wird er dann den Kollegen die Daumen drücken, die bei Vitoria Guimaraes praktisch schon zum Siegen verdammt sind. „Es wird mit Sicherheit kein einfaches Spiel. Beide Mannschaften stehen mit dem Rücken zur Wand, beide sind gefordert“, sagte der Frankfurter Trainer Adi Hütter am Mittwoch, einen Tag vor der wegweisenden Begegnung im Bauch des EM-Stadions von 2000. 

Eintracht Frankfurt (SGE) braucht Sieg bei Vitoria Guimaraes

Denn im Grunde benötigen die Hessen einen Sieg, um ihre Chance zu wahren, auf internationalem Parkett zu überwintern. „Wir werden dazu eine sehr gute Leistung brauchen“, setzte Hütter sein Team schon ein bisschen unter Druck. „Wir wollen nach vorne spielen und müssen besser verteidigen, die Mannschaft bekommt immer noch zu viele Gegentore.“ Kevin Trapp, der wegen eines Anrisses der Rotatorenmanschette in der linken Schulter bis mindestens zur Winterpause ausfallen wird, wird insbesondere ein Auge auf seinen Nachfolger Frederik Rönnow richten. 

Auf den 27 Jahre alten dänischen Nationaltorhüter wird es im Estadio Dom Afonso Henriques ankommen, einer 30000-Mann-Arena, in der die bekannt heißblütigen Fans von Vitoria bisweilen ein Höllenspektakel veranstalten. „Frederik genießt unser 100-prozentiges Vertrauen“, brach Trainer Hütter eine Lanze für den Ersatztorwart, der sehr lange ohne Spielpraxis auskommen musste – sein letztes Pflichtspiel bestritt er Mitte Dezember des vergangenen Jahres im Europa League-Spiel bei Lazio Rom. „Es ist aber eine Chance und eine Möglichkeit für Rönnow zu zeigen, dass er auch ein sehr guter Torwart ist.“ Immerhin hätte Eintracht Frankfurt den Schlussmann vor eineinhalb Jahren als Nummer eins von Bröndby IF verpflichtet, nicht ohne Grund. Allerdings hatte Frederik Rönnow letzte Zweifel an seiner Tauglichkeit nie ganz beseitigen können, an Kevin Trapp war der Mann ohnehin nie vorbeigekommen. 

In seiner Frankfurter Zeit kommt Rönnow auf genau sechs Pflichtspieleinsätze. Dazu habe er in der Vergangenheit mit Verletzungen viel Pech gehabt, sagte der 49 Jahre alte Fußballlehrer. Immer, wenn Rönnow zuletzt hätte zum Einsatz kommen sollen und können, habe er sich verletzt, mal an der Schulter, mal am Rücken. Dass Trapp nicht nur als guter Torwart fehlt, sondern auch als Persönlichkeit, müsse die Mannschaft „auffangen“, sagte Hütter. Immerhin kann Hütter sehr wahrscheinlich wieder mit Sebastian Rode rechnen. Der Mittelfeldrenner hatte zuletzt erst wegen einer Knieprellung, dann wegen eines Daumenbruchs mehrere Trainingseinheiten verpasst. Am Dienstag hatte er erstmals mit einer Manschette geübt und war schmerzfrei geblieben. Er könnte also bei den heimstarken Portugiesen mit von der Partie sein. 

Eintracht Frankfurt (SGE): Trapp-Ausfall „auffangen“ 

Martin Hinteregger wird erwartungsgemäß die Vertretung von Makoto Hasebe übernehmen, Evan Ndicka links verteidigen. Ohnehin hat Adi Hütter mit dem Gedanken gespielt, dem Japaner mal eine schöpferische Pause zu gönnen; alle Spiele wird der 35-Jährige nicht schaffen, 17 sind es noch in diesem Jahr, zudem benötige man ihn dringend am Sonntag gegen Werder Bremen. Außerdem, so Hütter, „braucht Ndicka Spielpraxis.“ Kapitän David Abraham gehörte wegen anhaltender Rückenprobleme überhaupt nicht zur 19 Spieler umfassenden Reisegruppe. 

Die Bedingungen im grünen Norden Portugals jedenfalls werden bestens sein. Als die Frankfurter Entourage am Mittwoch gegen 14.15 Uhr auf dem Flughafen von Porto gelandet waren, empfingen sie angenehme 21 Grad und ein blauer Himmel. 2800 Eintracht-Fans waren mit ins 50 Kilometer von Porto entfernte Guimaraes gereist, der „Wiege Portugals“, wie es im Reiseführer heißt. 5000 Tickets hatte der Klub Vitoria großzügig zur Verfügung gestellt. In diesen Tagen, da sich Eintracht Frankfurt auf das weitgehend unbeschriebene Blatt aus Guimaraes vorbereitet, hat Trainer Hütter öfters mal seine Portugiesen zur Seite genommen und um ein paar ganz spezielle Hintergrundinformationen gebeten. 

Fußballerische Armut erschreckt: Eintracht Frankfurt muss sich deutlich steigern

Man steckte also die Köpfe zusammen, der Trainer und Goncalo Paciencia, gebürtig aus Porto, 50 Kilometer von Guimaraes entfernt, André Silva, aus Baguim do Monte stammend, einer Nachbargemeinde, sowie Bas Dost, der lange bei Sporting Lissabon unter Vertrag stand. Und natürlich Gelson Fernandes, der praktisch überall in Europa schon mal gespielt hat, natürlich auch in Portugal. Dieses geballte Fachwissen will Hütter dann mit den Expertisen seiner Videoanalysten kombinieren, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. 

SGE hofft auf Sebastian Rode 

Ganz einfach ist das nicht, denn der portugiesische Erstligist, aktuell auf Tabellenrang vier, erweist sich ein bisschen als „Buch mit sieben Siegeln“, die wenigsten Spieler haben hierzulande einen Namen. „Ein bei uns unbekannter Gegner, aber ein guter Gegner“, sagt Hütter, ein Gegner zudem mit „guter Fankultur“. Am Mittwoch sagte Paciencia, der sich mit reichlich Tickets für seine Familie eingedeckt hatte, dass Vitoria eine Traditionsmannschaft sei, ein schwerer Gegner, den man sicherlich nicht unterschätzen sollte. „Vitoria ist ein Verein mit Geschichte. Das wird ein super Spiel gegen ein gutes Team bei toller Atmosphäre.“ Auch Sportvorstand Fredi Bobic warnte vor einer Unterschätzung des Rivalen: „Sicher sind sie in der Gruppe der etwas unbekanntere Gegner und daher schwer einzuschätzen. Aber Guimarães ist eine sehr spielstarke und technisch gute Mannschaft.“ 

Evan Ndicka und Frederik Rönnow: Durchs tiefe Tal ans Licht

Hütter sprach von einem „sehr unangenehmen Gegner“, der immer versucht, „Fußball zu spielen“. Sie dürfe man nicht ins Spiel kommen lassen. Andererseits hat der Coach großes Vertrauen in seinen portugiesischen Sturm: Paciencia, Silva und Dost seien jederzeit in der Lage, Tore zu schießen. In der Liga hat das Trio bereits sieben der neun Frankfurter Tore erzielt, in der Qualifikation zur Europa League hat sich vor allem Paciencia als außergewöhnlich treffsicher erwiesen. Und sollten die Portugiesen in Portugal treffen, kann es auch für Frederik Rönnow hinten ein ganz angenehmer Abend werden.    Von Thomas Kilchenstein

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